Drei Jahrzehnte Krieg haben Kambodscha ein tödliches Erbe hinterlassen. Zwischen vier und sechs Millionen Landminen lauern an Wegen, auf Feldern und in der Nähe von Schulen oder Brunnen in den Dörfern. Jeden Monat explodieren mindestens 60 Minen. Sie treffen vor allem die Zivilbevölkerung, jedes dritte Opfer ist ein Kind. Kambodscha hat die meisten Minenamputierten der Welt: Etwa 35.000 Menschen haben durch Unfälle bereits Füße, Beine oder Arme verloren. UNICEF hilft den Opfern, ihren Alltag trotz Behinderung zu meistern und setzt sich dafür ein, die Menschen vor weiteren Minenexplosionen zu schützen.
Die millionenfache Gefahr durch Landminen nimmt Kambodscha die Chance, die soziale Not des Landes nach Krieg und Gewaltherrschaft aus eigener Kraft zu überwinden. 80 Prozent der Bevölkerung leben auf dem Land. Viele von ihnen sind aus Armut gezwungen, sich in minenverseuchten Gebieten niederzulassen. Die Sprengkörper machen jeden Gang zum tödlichen Risiko. Vor allem Kambodschas Kinder sind durch die Minen vielfach bedroht. Sie können die Gefahr durch die oft Spielzeug ähnelnden Sprengkörper nicht einschätzen. Ihre kleinen Körper sind der Explosion besonders ausgesetzt – deshalb werden Kinder meist schwerer verletzt als Erwachsene. Den meisten Familien fehlt das Geld, um Operationen oder Prothesen zu bezahlen. Kinder benötigen etwa alle sechs Monate eine neue Prothese, weil sie noch wachsen. Bei Erwachsenen wird sie erst nach etwa zwei Jahren gewechselt.
Doch die Kinder leiden nicht nur unter den Schmerzen und dem Verlust ihrer körperlichen Unversehrtheit. Behinderte Menschen führen in Kambodscha oft ein Leben am Rande der Gesellschaft. Kinder mit fehlenden Gliedmaßen werden von Mitschülern und Lehrern diskriminiert. Behinderte Jugendliche haben bei der Suche nach Arbeit große Probleme. Und Mädchen und Frauen, die durch eine Explosion verstümmelt wurden, finden nur schwer einen Lebenspartner oder werden von ihren Männern verlassen. Nicht nur Kinder, die selbst verletzt wurden, sind Opfer der Minen: Kinder von Minenopfern stehen vor dem Nichts, wenn Vater oder Mutter aufgrund ihrer Behinderung keine Chance mehr haben, Geld für den Unterhalt der Familie zu verdienen.
Vor allem im besonders betroffenen Nordwesten Kambodschas hilft UNICEF, die Kinder vor den Gefahren durch Minen und Blindgänger zu warnen. UNICEF unterstützt die Fortbildung von Lehrern damit sie Kindern zeigen können, wie sie sich vor einer Minenexplosion schützen. Allein im Jahr 2003 wurden mehr als 500.000 Kinder mit den mitunter lebensrettenden Informationen versorgt. Mit Liedern, Bildern und Rollenspielen veranstalten Schüler selbst Aufklärungstage in ihrem Dorf. UNICEF unterstützt zudem die Produktion von Aufklärungspostern, Radiospots sowie Informationstafeln. Gemeinsam mit dem kambodschanischen Minen-Aktionszentrum leitet UNICEF die Dorfbewohner an, Minenfunde zu registrieren und die Informationen an Räumteams weiterzuleiten. Freiwillige Helfer besuchen Familien zu Hause, um sie vor der Gefahr zu warnen.
UNICEF unterstützt Kinder, die durch Minen verletzt wurden und stellt ihnen Prothesen, Krücken oder einen Rollstuhl zur Verfügung. Zusammen mit Partnern vermittelt UNICEF den Eltern Grundkenntnisse in Krankengymnastik und der Pflege behinderter Kinder. Minenverletzte Kinder sollen besser in die Gemeinschaft integriert werden und zusammen mit anderen Kindern zur Schule gehen. UNICEF unterstützt deshalb auch die behindertengerechte Einrichtung von Schulen, den Abbau von Vorurteilen in den Dörfern sowie den Aufbau von Selbsthilfegruppen. Kleinkredite ermöglichen Minenopfern, sich eine Existenz aufzubauen und ihren Lebensunterhalt selbst verdienen. Um die Nothilfe in stark verminten Regionen zu verbessern, hilft UNICEF auch bei der Weiterbildung von Ärzten und Pflegern.
Viele Flüchtlingsfamilien haben jahrelang im benachbarten Ausland, unter anderem in Thailand, gelebt. Zurück in Kambodscha finden sie ihre Dörfer oft minenverseucht und ohne jede Infrastruktur vor. UNICEF unterstützt deshalb in drei der besonders betroffenen Regionen die Ausbildung von Gesundheitshelfern, hilft beim Brunnenbau und fördert Landwirtschaftsprojekte. 100.000 Menschen profitieren davon.
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