Als „Tag des Wissens“ wird der 1. September, der erste Schultag nach den Sommerferien, in Russland gefeiert. Für die Kinder von Beslan in Nord-Ossetien begann genau an diesem Tag vor einem Jahr ein Alptraum, der 72 Stunden später mit einer blutigen Tragödie endete. 172 Kinder und 159 Erwachsene fanden in der Schule den Tod. Die Mädchen und Jungen, die überlebten, hatten Dinge gesehen, die Kinderaugen niemals sehen sollten: Folter und Mord.
Jetzt, da sich die Tragödie zum ersten Mal jährt, ist die Stimmung besonders angespannt, beobachtet der Psychologe Amir Tagiev aus Moskau. Er hat monatelang mit den Kindern von Beslan zusammengearbeitet, von denen viele schwer traumatisiert sind. Sie fürchten sich davor, in die Schule zu gehen. „Jedes Mal, wenn wir einen lauten Knall hören, bekommen wir Angst“, sagt die 16jährige Luda Tkhostova. Sie hat zusammen mit zwölf anderen Jugendlichen an einem UNICEF-Fotoworkshop teilgenommen. Unter Anleitung des UNICEF-Fotografen Giacomo Pirozzi machten sie sich Schritt für Schritt daran, mit Hilfe der Kamera den Horror jener Tage zu verarbeiten. Eine Auswahl der bewegenden Fotos zeigt die Ausstellung „Children Are The Most Precious Thing In The World“, die jetzt in Beslan eröffnet wurde.
Mit Spenden aus Deutschland hat UNICEF im vergangenen Jahr neben medizinischer Soforthilfe psychosoziale Betreuung für rund 4.000 Kinder bereitgestellt. Im Herbst nimmt in Beslan zudem eine Zweigstelle des Rehabilitationszentrums von Vladikavkaz ihre Arbeit auf, um den Kindern vor Ort noch effektiver helfen zu können. Denn bei vielen werden die Wunden nur mit der Unterstützung von Fachkräften heilen.