Fozelatun Nessa war 16 Jahre alt, als zwei Männer sie mit ätzender Säure übergossen. Die beiden 22-Jährigen hatten die Schülerin bedrängt, eine Beziehung anzufangen. Das Mädchen lehnte ab. Daraufhin rächten sich die Freunde: Sie besorgten sich die billige Säure, die in Bangladesch fast überall zu haben ist. „Ich hatte das Gefühl, mein Gesicht steht in Flammen“, sagt Fozelatun. Das Gesicht der heute 20-Jährigen wurde durch den Anschlag stark entstellt.
Immer mehr Mädchen und Frauen in Bangladesch werden Opfer dieser grausamen Form der Gewalt. Im Jahr 2000 gab es 221 Angriffe, zwei Jahre später wurden bereits 485 Anschläge registriert. Etwa 80 Prozent der Opfer sind Frauen und Mädchen. Sie müssen unerträgliche Schmerzen ertragen. Die Täter sind häufig abgewiesene Verehrer oder wütende Ehepartner.
Operationen für ein neues Leben
Die Opfer benötigen viele Operationen zur Wiederherstellung ihrer Gesichter und ihrer verbrannten Körperteile. Auch Fozelatun musste bis heute fünf Operationen erdulden. Die mit Unterstützung von UNICEF gegründete „Stiftung für Säureopfer“ in Dhaka trägt die Kosten für den chirurgischen Eingriff und die nachfolgende Behandlung. Einheimische Ärzte, Krankenschwestern und Physiotherapeutinnen werden hierfür geschult und betreuen die Frauen im eigenen Rehabilitationszentrum.
Die meisten Frauen haben nur im Zentrum die Chance, langsam wieder in den Alltag zurückzufinden: Aufgrund ihrer entstellten Gesichter werden viele Säureopfer aus der Gesellschaft ausgegrenzt. Die Stiftung hilft ihnen, ihr Trauma zu überwinden und ihr Leben neu zu organisieren. Die Frauen erhalten Stipendien, um ihren Schulabschluss nachzuholen oder machen eine Berufsausbildung.
Mut für den Neubeginn
Auch Fozelatun hat im Zentrum Mut für einen Neubeginn geschöpft: „Die Täter konnten mein Gesicht zerstören – aber nicht mein Leben“, sagt sie heute. Einer der Täter sitzt inzwischen im Gefängnis. Die Stiftung arbeitet mit Anwälten zusammen, um die Fälle vor Gericht zu bringen und geht mit Radio- und Fernsehspots an die Öffentlichkeit.
Fozelatun Nessa arbeitet heute selbst für die Stiftung. Sie nimmt die neuen Fälle auf. Diese Aufgabe hat ihr geholfen, besser über ihre eigene Leidensgeschichte hinwegzukommen: „Ich erlebe mit, wie es den Frauen jeden Tag besser geht. Das macht mich optimistisch.“
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