Anas Alptraum
Für Ana (Name geändert) ist der Alptraum noch nicht vorbei. Die 17-Jährige leidet unter Depressionen und ständigen Kopfschmerzen. Bittere Armut, ein trinkender, prügelnder Vater – das sind ihre Kindheitserinnerungen. Mit 15, endlich, wollte Ana wie viele junge Leute den Sprung ins verlockende Ausland wagen. Doch die Seifenblase zerplatzte schnell: Die Frau, die ihr und einer Freundin Hilfe anbot, verkaufte sie an Menschenhändler. Tagelang wurden die Mädchen zwischen Rumänien, Serbien, Mazedonien und Bosnien hin und her geschoben. Wie Waren wurden sie begutachtet. Sie mussten sich ausziehen und potenziellen „Käufern“ gar die Zähne zeigen.
Schließlich wurde Ana für umgerechnet 1.500 Euro an einen Barbesitzer verkauft. Nun musste sie Striptease tanzen, mit den Kunden trinken und ihren Körper anbieten. Ana wurde vergewaltigt und geschlagen. Schlafen musste sie auf einer Matratze im Raum über der Bar. Dreimal wurde das Mädchen weiter verkauft, ein Fluchtversuch endete mit einer gebrochenen Nase. Ein Brief an ihre Mutter war schließlich die Rettung: Polizisten fanden Ana und brachten sie in das vom Internationalen Büro für Migration (IOM) betreute Heim in Chisinau. Ana hat noch immer Angst vor Autos mit einer bestimmten Farbe, Angst vor den Männern. Sie traut sich nicht in ihr Dorf. weil sie sich schämt. Und weil sie nicht weiß, wie das Leben dort weitergehen soll.