„Aufklärung ist ebenso wichtig wie Zusatznahrung“, sagt Ingrid Hindarmanto. Die Ernährungsexpertin aus Deutschland arbeitet für UNICEF in Pjöngyang. Die Bedeutung einer ausreichenden, die notwendigen Nährstoffe enthaltenden Ernährung während der Schwangerschaft und der ersten Lebensmonate für die spätere Entwicklung der Kinder sei in Nordkorea praktisch unbekannt. Man gehe davon aus, dass Kinder einfach weniger zu essen brauchen. Diese Einstellung – verbunden mit der Nahrungsmittelknappheit – hat dramatische Folgen: In den Schulen und Krippen fällt auf, dass die Kinder klein sind für ihr Alter. Viele haben dünne Arme und Beine, manche auch Ausschläge – alles Zeichen lange dauernder Mangelernährung.

Alarmsignale erkennen
UNICEF hilft, jedes Kind in seiner Krippe, seinem Heim, oder in der Schule täglich mit angereicherter Milch oder Keksen als Zusatznahrung zu versorgen. Ingrid Hindarmanto achtet sorgfältig darauf, dass die Mitarbeiter in den Waisenhäusern und Säuglingsstationen alle Kinder regelmäßig wiegen und das Gewicht täglich in eine Tabelle eintragen. Sie nimmt das Aufsichtspersonal in die Pflicht, wenn sie Nachlässigkeit bei den Eintragungen feststellt. Die UNICEF-Mitarbeiterin erklärt, warum das so wichtig ist: Jede Abweichung von der vorgegebenen Alterskurve ist ein Alarmsignal. Wird gerade in den ersten Lebensmonaten nicht sofort mit Zusatznahrung geholfen, erkranken die Kinder. Die Entwicklung wird nachhaltig, unter Umständen für das ganze Leben, gestört, die Gehirnfunktionen bleiben zurück.
In vielen Kleinstädten und Dörfern hat UNICEF zudem Handpumpen installiert. Sie liefern Schulen, Heimen und Kinderkliniken sauberes Trinkwasser, das Krankheitsrisiko der Kinder wird nachhaltig gesenkt. Mit seiner Arbeit trägt UNICEF zu einer behutsamen Öffnung dieses schwierigen und verschlossenen Landes bei. Neues Wissen verbreitet sich, nicht nur über die Ernährung der Kinder, sondern auch zu pädagogischen und psychologischen Fragen – ein wichtiger Fortschritt, wenn es auch manchmal nur millimeterweise voranzugehen scheint.
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