

Lesen Sie fünf Geschichten von Jungen und Mädchen, die mit 1 Euro oder weniger auskommen müssen.

Kenia, 12, aus Haiti verbringt ihre Tage an einer Straßenkreuzung in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince. Die Zwölfjährige springt auf die Minibusse auf und bittet die Fahrgäste um Kleingeld. Ihre Einnahmen reichen oft nicht einmal für einen Teller Reis mit Bohnen für umgerechnet 50 Cent. „Ich bin auf der Straße, seit ich fünf bin“, erzählt das Mädchen. Ihre Eltern, arme Landarbeiter, erhofften sich in Port-au-Prince ein besseres Leben. Doch sie landeten in einem Slum. In einer von UNICEF unterstützten Einrichtung für Straßenkinder gibt es für Kenia eine sichere Unterkunft. Sie hat sogar begonnen, lesen und schreiben zu lernen.

Mukandayisenga, 8, aus Ruanda, wohnt zusammen mit ihren drei Geschwistern in einer baufälligen Lehmhütte im Dorf Kigeyo im Osten Ruandas. Nach dem Tod der Eltern ist der Kinderhaushalt ganz auf sich gestellt. Mukandayisenga ist stolz auf ihre blaue Schuluniform. Ihr gefällt es gut, ein Kind unter Kindern zu sein und endlich lernen zu können. Doch nach dem Unterricht in der von UNICEF unterstützten Grundschule in Kigeyo beginnt gleich wieder der Ernst des Lebens. „Dann helfe ich meiner Schwester Wasser und Holz holen. Anschließend wasche und putze ich das Gemüse. Das ist alles, was ich tun kann.“

Kassanow Desseleng, 10, aus Äthiopien, lebt in der Region Amhara im Norden. Der Zehnjährige hütet die Tiere eines Bauern aus seinem Dorf. Er passt auf, dass die fünf Kühe genügend Gras finden und nicht weglaufen. Als Jahreslohn erhält er dafür drei Säcke Korn. Kassanow geht nicht zur Schule. Im Moment freut er sich darauf, endlich sauberes Wasser zu haben. Denn UNICEF hat geholfen, in seinem Dorf Got Chineta Warkee einen Brunnen zu bohren. Bislang hat auf dem Land nur jede fünfte Familie Zugang zu sicherem Trinkwasser. Kassanows größter Wunsch ist, lernen zu dürfen.

Hum Kumari, 12, aus Nepal, kommt aus dem Dorf Lekh Nath. Gemeinsam mit ihren Eltern arbeitet sie im Steinbruch: Sie füllt den Kies in Säcke. Drei bis vier Tage schuftet die Familie, um eine Wagenladung voll zu bekommen - für drei Euro. Die Familie lebt in einer Hütte am Rande des Steinbruchs. Selbst die etwa vier Euro Miete pro Monat können die Eltern nur zusammenbringen, wenn alle mithelfen. Die schönste Zeit des Tages ist für Hum Kumari frühmorgens: Dann besucht das Mädchen einen von UNICEF unterstützten Bildungskurs. Von halb sieben bis halb neun Uhr lernt sie hier lesen und schreiben.

Mirwais, 15, aus Afghanistan, gehörte bis vor kurzem zu den vielen Kindern an einer Straßenkreuzung in Jalalabad. Mirwais rollte jeden Tag mit einem Holzkarren Einkäufe zu den Kunden nach Hause. „Als ältestes Kind habe ich von klein auf meinem Vater geholfen, Geld für unsere große Familie zu verdienen“, erzählt er. Zur Schule ist er nie gegangen. Mirwais’ Leben änderte sich, als ihn ein Sozialarbeiter ansprach und von einer Ausbildung erzählte. Die Organisation SAB bietet Straßenkindern mit Unterstütztung von UNICEF Kurse an. Sie können Tischler werden, Elektriker oder Schneider. Zusätzlich lernen sie lesen, schreiben und rechnen.
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