November 2010

"Bist du lebensmüde?", "Warum fliegst du in den Kongo?", "Hast Du keine Angst?" Das waren die häufigsten Reaktionen von Menschen aus meinem Umfeld, als sie hörten: Ja, ich drehe eine Reportage über Kindersoldaten im Kongo! Warum nicht?
Das krisengebeutelte Land war gerade in den letzten Monaten besonders oft in den Schlagzeilen! Auch in den RTL II News: Von brutalen Massenvergewaltigungen im Sommer bis hin zu dem neuen Fakt, dass die Menschen dort weltweit am schlimmsten hungern!
Pünktlich um sieben klingelte der Wecker! Nur ein einziger Moskito nervte nachts ein wenig. Zum Frühstück gab's lecker Obst, wie es bei uns nie schmeckt. Dazu afrikanischen Tee. Der besteht aus Milch und Wasser, Gewürzen wie Chili. Unser Fahrer von UNICEF heißt Jean Claude. Er wird uns jetzt durch Kigali fahren, dann ins Hochland und über die Grenze in den Kongo. Ganz schön aufregend: Ob das alles mit dem Kamera-Equipment und den Visa klappt?
"Musungo!" rufen die Kinder an den Straßen, wenn wir mit den Jeeps vorbei fahren. Das bedeutet Weiße. Die meisten haben diese Hautfarbe noch nie gesehen. Heute geht es nach Kitchanga ins Hochland. Quer durch das Rebellengebiet. Wir dürfen nicht aussteigen oder anhalten; zu groß ist die Gefahr angegriffen oder entführt zu werden.
In Kitchanga leben 4000 Menschen, davon ca. 1000 Kinder. Alle wurden aus Gegenden vertrieben, die teils Stunden entfernt liegen.
In Goma besuchen wir das Center "Don Bosco", das nach und nach seit 1992 entstanden ist. Ursprünglich für arme Kinder aus der Nachbarschaft erbaut, bietet es heute auch Platz für Straßenkinder, besonders benachteiligte Kinder und ehemalige Kindersoldaten. Auf dem Gelände sind Grundschule, höhere Schule und Berufsschule untergebracht. 3000 Kinder nehmen an den verschiedenen Aktivitäten teil, 300 leben hier.
Derzeit sind auch 20 ehemalige Kindersoldaten, darunter zwei Mädchen, im Center Don Bosco untergebracht. Sie werden in alle allgemeinen Aktivitäten integriert und sollen so ihr Trauma überwinden und auf ein "normales Leben" vorbereitet werden.
97 Kinder leben derzeit im Transitcenter Cajed in Goma. Die Jüngsten sind erst acht Jahre alt. Erst gestern sind wieder einige ehemalige Kindersoldaten hierher gebracht worden. Cajed ist das einzige Transitcenter im ganzen Stadtgebiet.
Fidele, der Direktor des Zentrums, erklärt uns die Bilder, die an die Wände der verschiedenen Gebäude gemalt sind. Sie wurden von den Kindern gemalt und zeigen, wie sie ihr Leben sehen.
Wir sind auf dem Gelände der UN-Schutztruppe Monusco. Allein in Nord- und Süd-Kivu unterhält die Monusco 70 Basis-Stationen.
Die Monusco benutzt verschiedene Wege, um Kindersoldaten zu erreichen. So gibt es Info-Kampagnen über mobiles oder über Gemeinde-Radio. Es werden Flyer verteilt, auf denen über einen möglichen Ausstieg aus der Miliz informiert wird. Die Informationen werden zum Teil aus dem Hubschrauber geworfen, zum Teil auf Märkten verteilt, auf denen sich die Kindersoldaten aufhalten.
UNICEF hilft Kriegskindern. Bitte helfen auch Sie - für neuen Mut und Zuversicht. Danke!
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