Was hat der Rockmusiker Udo Lindenberg eigentlich mit Weihnachten am Hut?
Lindenberg: Nix, weil ich ja multireligiös bin. Im Himmel ist für viele Götter Platz. Die Kriege, die ausgelöst werden durch Religionsfanatismus, sind eine große Katastrophe. Das sehen wir ja auch jetzt in Somalia, wie islamische Fundamentalisten da wieder riesen Stress machen. Das ist voll daneben.
Du hast eine UNICEF-Weihnachtsgrußkarte gestaltet – warum?
Lindenberg: Die UNICEF-Grußkarten sollen viel Kohle bringen für die Brennpunkte dieser Welt, gerade in Somalia, wo jeden Tag Menschen sterben. Auf diesem kleinen blauen, zerbrechlichen Planeten hat jeder Mitverantwortung für das, was an allen Tagen in der Welt passiert. In der Welt heute herrscht viel Chaos.
Was macht Dir Panik?
Lindenberg: Die ganzen Schräglagen. Afrika, dieser verratene Kontinent, erst ausgeplündert von den Kolonialstaaten und dann sich selber überlassen mit korrupten Despoten. Wie das Volk da quasi dem Hunger überlassen bleibt und dem Tod oder der absoluten Perspektivlosigkeit. Deshalb setzen wir große Hoffnung auf die Demokratiebewegung. Ich bin ja ein Berufsoptimist, wie Martin Luther, der gesagt hat, wenn die Welt morgen untergeht, dann würde ich trotzdem heute noch dieses Apfelbäumchen pflanzen.
In Deinem Song „Kleiner Junge“ plündert ein Kind sein Sparschwein, um Kindern zu helfen. Warum?
Lindenberg: Viele Leute geben ihr Gewissen an der Garderobe ab und kümmern sich nicht mehr drum. Dann kommt das Ego und dann kommt der Stress. Und das Gewissen eines Kindes bleibt oft auf der Strecke. Muss es aber gar nicht, denn wir bleiben ja alle auch Kinder. Tief in uns drin.
Was würdest Du auf eine Weihnachtskarte an Angela Merkel schreiben?
Lindenberg: Schuldenerlass für die Dritte Welt Länder. Dass sich die Industrieländer an ihre Abmachung halten. Dass sie sich stärker für die Umwelt einsetzen, denn die Hauptleidenden sind ja die Menschen in der Dritten Welt. Auch Deutschland hat sich da bisher ja nicht so voll daran gehalten.
Was wünscht sich Udo Lindenberg zu Weihnachten?
Lindenberg: Dass man nicht nur an das Christuskind denkt. Sondern dass man sagt, ok, das ist ein Kind, aber es gibt so viele andere Kinder. Ok, wir haben auch die eigenen Kinder zu Hause, die hätten gerne eine kleine Trommel – vielleicht ist die kleine Trommel ja auch drin. Aber es ist doch viel, viel schöner, wenn man dem eigenen Kind erzählen kann: Hör mal, wir haben da was getan für Kinder denen es richtig dreckig geht. Einen Teil der Kohle haben wir genommen für UNICEF und helfen damit gerade anderen Kindern auf die Beine. Wie findest Du das? Ich glaube, die meisten Kinder würden sagen: Ihr lieben Eltern, das habt ihr toll gemacht! Nicht alles in die eigene Lamette da reinballern. Das wäre mein Weihnachtswunsch.
Helfen Sie mit, dass Kinder gesund und sicher aufwachsen und zur Schule gehen können. Danke!
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