28. November 2008von Ekin Deligöz

Der letzte Tag

3000 Mitglieder von Nichtregierungsorganisationen, eine Vielzahl von Regierungsvertretern aus aller Welt, Beauftragte von Unternehmen und der IT-Branche haben 4 Tage lang in rund 200 Workshops, Panels und sogenannten Dialogen zusammengesessen und sich über die Instrumente zur Bekämpfung von sexueller Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen ausgetauscht.
Was so nüchtern klingt, war in Wirklichkeit ein buntes Netzwerk von unterschiedlichen Nationen, Menschen und Sprachen. Aber irgendwie sind wir mit alledem zurecht gekommen. Wir waren uns einig, dass wir es nicht zulassen dürfen, dass Kinder vergewaltigt, missbraucht oder gar verkauft werden. Wenn wir etwas erreichen wollen, müssen wir ressortübergreifend und international vernetzt vorgehen.

Für mich persönlich war die Konferenzteilnahme auch ein Austausch über gute Praxismodelle.
Zum Beispiel gibt es in Island ein Netzwerk von Kinderschutzhäusern, in denen Sozialarbeiter, Familien- und Kindertherapeuten, Polizei, Ärzte und Juristen zusammenarbeiten. Die betroffenen Kinder und ihre Angehörigen werden durch die Therapien, aber auch die Gerichtsprozesse möglichst kindgerecht begleitet und als Opfer nicht allein gelassen. So wird beispielsweise durch die vernetzte Zusammenarbeit aller Beteiligten das Kind im Verfahren nur einmal vernommen und nicht mehrfach, wie dies zum Teil bei uns der Fall ist. Insofern könnte dieses Vorgehen für uns in Deutschland auch ein Modell sein.

UNICEF leistet eine vorbildliche Arbeit in der Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen. In Äthiopien beispielsweise entwickelt UNICEF zusammen mit der Regierung ein Programm gegen Gewalt an Frauen und Kindern. Richter und Polizisten werden dabei in der Wahrung und Durchsetzung von Kinderechten geschult und Strukturen der Opferarbeit vor Ort aufgebaut.
In Moldawien, einem Land, in dem Gewalt in der Schule und in der Erziehung zur Normalität gehören und Kindersextourismus eine wachsende „Branche“ darstellt, baut UNICEF Kinderschutzzentren auf, ähnlich dem isländischen Modell. In diesen Zentren wird Aufklärungsarbeit geleistet, werden traumatisierte Kinder behandelt und juristische Verfahren zur Verfolgung der Täter vorbereitet.
In Trinidad und Tobago ist UNICEF vor Ort aktiv um bei vielfach tolerierten Fällen von Inzest einen kollektiven Bewusstseinswandel einzuleiten. Mitarbeiter von UNICEF arbeiten dabei an der Ausgestaltung konkreter Gesetze mit und betreiben Aufklärungsmaßnahmen an Schulen. Darüber hinaus unterhält UNICEF eine nationale Kinderhotline um betroffenen Kindern unmittelbar zur Seite stehen zu können. Dies sind nur einige wenige Beispiele aus einem riesigen Feld konkreter Hilfs- Aufklärungsmaßnahmen. Sie alle zu nennen würde den Rahmen dieses Beitrags um ein Vielfaches sprengen.

Was nehme ich aus dieser Konferenz mit?

1. Wir müssen solche vorbildlichen Ideen institutionalisieren und möglichst für alle zugänglich machen. Der Austausch über diese Ideen und ihre Evaluierung war sehr lehrreich für alle, die konkrete Maßnahmen voranbringen wollen. Dazu brauchen wir eine starke Vernetzung, was sicher auch meine weitere parlamentarische Arbeit prägen wird.
2. Wir müssen weltweit aber auch national das Bewusstsein dafür stärken, dass Kinder keine Objekte oder Untergebene sind, sondern Menschen mit eigenen Persönlichkeitsrechten. Diese Rechte müssen wir verteidigen! Dabei geht es nicht nur um die Kinder, sondern auch um den Zustand der Gesellschaft, in der wir leben wollen. Deshalb werde ich mich noch stärker für die Aufnahme von Kinderrechten in die Verfassung einsetzen.
3. UNICEF leistet weltweit eine elementar wichtige und unverzichtbare Arbeit. Diese Arbeit sorgt dafür, dass wir nicht wegschauen und schweigen können. Denn Schweigen wäre Akzeptanz und die dürfen wir nicht zulassen! Unterstützen daher Sie UNICEF, damit uns das auch gelingt.
 
Das Schlussdokument wird erst heute Nachmittag fertiggestellt. Ich bin aber zuversichtlich, dass vieles von dem, was besprochen wurde, dort Eingang finden wird.
Noch ein letztes nehme ich mit: Ich werde heute zurück nach Hause fliegen und mich als erstes mit meinen Kindern hinsetzen und ihnen erklären, worum es auf dieser Konferenz ging. Ich werde versuchen sie aufzuklären und sie stark zu machen, damit sie „Nein“ sagen können, wenn ihnen etwas nicht passt und damit sie mir vertrauen und auch dann alles erzählen können, wenn jemand sie unter Druck setzt oder gar bedroht. Dafür habe ich ein Booklet von Zartbitter e.V. eingepackt, das speziell für Kinder erstellt wurde. Das Booklet wird mich bei diesem Gespräch unterstützen. Denn die Gefahr für unsere Kinder lauert überall. Sie trifft das Kind in scheinbar wohlbehüteten Familien ebenso wie Kinder in Armut. Sie kommt von Fremden oder von Vertrauenspersonen, von Erwachsenen und Jugendlichen.
Darum: Handeln wir, bevor es zu spät ist! Und denken Sie daran: Schweigen heißt akzeptieren!

Dieser Beitrag wurde am Friday, den 28. November 2008 um 10:11 Uhr veröffentlicht und unter der Kategorie Weltkonferenz angelegt. Die Kommentare zu diesen Beitrag können durch den RSS 2.0 Feed verfolgt werden.

2 Kommentare zu »Der letzte Tag«

  1. Zitante Christa

    Guten Tag,

    es gehört zwar nicht zu diesem Thema, aber vielleicht können Sie mir weiterhelfen:

    Wann findet in diesem Jahr der Kinder-Fernsehtag statt?

    Aus meinen Recherchen ersehe ich, daß dieser von der UNICEF ausgerufene Tag immer im Dezember stattfindet, aber an unterschiedlichen Tagen.
    Gibt es eine UNICEF-Seite, die speziell diesen Tag beschreibt?

    Vielen Dank für eine Antwort an meine eMail-Anschrift.

    Mit freundlichen Zitantengrüßen von
    Christa

  2. Zitante Christa

    … ein Jahr später, und mich interessiert immer noch, wann der Kinder-Fernsehtag stattfindet.

    Ob ich diesmal eine Antwort bekommen? Bin sehr gespannt.

    Freundliche Zitantengrüße von
    Christa

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