04.06.2007 - Am Internationalen Gerichtshof in Den Haag beginnt heute der Prozess gegen Charles Taylor. Der ehemalige Präsident Liberias gilt als einer der Drahtzieher des Bürgerkriegs im Nachbarland Sierra Leone, in dem zwischen 1992 und 2001 tausende Kinder als Soldaten missbraucht wurden, darunter Ishmael Beah. Mit dem Auftakt des Prozesses stellt der ehemalige Kindersoldat zusammen mit UNICEF die deutsche Ausgabe seines Buches „Rückkehr ins Leben. Ich war Kindersoldat“ vor. Die schonungslose und erschütternde Aufarbeitung seiner Erfahrungen ist seit Wochen ein Bestseller in den USA.
Gemeinsam mit UNICEF ruft Ishmael Beah zur Demobilisierung und Wiedereingliederung der weltweit über 250.000 Kindersoldaten auf. Trotz internationaler Abkommen setzen gegenwärtig mindestens 38 Konfliktparteien in 12 Ländern im großen Stil Jungen und Mädchen als Soldaten ein, manche sind gerade mal acht Jahre alt. Mit Drogen, Zwang und Terror werden die Kinder zu Kämpfern abgerichtet. Die traumatisierten Kinder finden nur schwer zurück in ein normales Leben.
„Das Beispiel Ishmael Beah zeigt, dass Kindersoldaten ihr Trauma verarbeiten können, wenn ihnen geholfen wird“, so Dietrich Garlichs, Geschäftsführer von UNICEF. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen unterstützt in Konfliktländern wie Uganda, Sudan oder Kolumbien Rehabilitierungsprogramme für ehemalige Kindersoldaten. Seit 2001 haben 95.000 Jungen und Mädchen diese Programme durchlaufen. „Es ist ein Meilenstein für die Kinderrechte, dass politisch Verantwortliche nicht mehr sicher sein können, straflos davon zu kommen,“ kommentierte er den Prozessauftakt gegen Charles Taylor.
Ishmael Beah war 12 Jahre alt, als Rebellen seine Eltern und Geschwister ermordeten. Wenig später wird er von der Regierungsarmee Sierra Leones zwangsrekrutiert und muss selber töten, um zu überleben. Sein Schicksal teilen Kinder und Jugendliche in vielen Kriegen der Gegenwart. Sie werden von skrupellosen Milizenchefs und Militärs als Soldaten missbraucht, weil sie zuverlässig sind und leicht zu manipulieren. Sie werden als Wachtposten, Träger oder Sexsklaven eingesetzt und unter Drogen gezwungen, zu foltern und zu töten. Erleichtert wird der Einsatz der Kindersoldaten durch die massenhafte Verfügbarkeit kleiner und leichter Waffen wie der russischen AK-47 oder der deutschen G3-Gewehre.
Je länger die Kriege dauern, desto grausamer werden sie, so Ishmael Beah: „Am Anfang wird den Kindern viel versprochen. Sie kämpfen für eine gerechte Sache. Doch das ist schnell vorbei. Am Ende geht es den warlords nur darum, zu morden und zu plündern. Es wird ein Krieg der Wahnsinnigen.“ Wie Ishmael Beah leiden die meisten Kindersoldaten, nachdem sie aus der Armee entlassen wurden, unter Alpträumen und Schlaflosigkeit. Weil sie als Mörder gelten, werden sie sogar von Angehörigen und Nachbarn zurückgewiesen. Aus Hoffnungslosigkeit lassen sich viele erneut rekrutieren.
UNICEF arbeitet seit vielen Jahren zusammen mit der internationalen Kampagne „Stop the use of child soldiers“. Die Kampagne hat eine weltweite Ächtung des Missbrauchs von Kindern als Soldaten bewirkt und zahlreiche Hilfsprogramme gestartet.
Ehemalige Kindersoldaten brauchen umfassende psychologische Hilfe, damit sie lernen, mit ihren grausamen Erfahrungen zu leben. UNICEF unterstützt deshalb in Konfliktländern so genannte Übergangszentren. Dort erhalten die Jungen und Mädchen eine psychologische Betreuung. Um sie möglichst gut auf die Rückkehr in ein ziviles Leben vorzubereiten, bietet UNICEF den Kindern die Möglichkeit an Schul- und Berufsbildungsprogrammen teilzunehmen. Besondere Beachtung erhalten Mädchen, die rund 40 Prozent der Kindersoldaten ausmachen. Häufig sind sie als „Soldatenbräute“ sexuell missbraucht worden. Viele werden schwanger und brauchen deshalb spezielle Hilfe.
Während ihres Aufenthaltes im Zentrum suchen UNICEF und seine lokalen Partner nach den Familien der Jungen und Mädchen. Wenn eine Rückführung nicht möglich ist, werden sie in kleinen Wohngruppen betreut.
Rückfragen und Interviewwünsche bitte an die UNICEF-Pressestelle, Britta Demmer, 0221/93650-234 oder -315. E-Mail: presse@unicef.de
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