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Ehrungen
Jury

Gesicht einer Katastrophe

Eva Luise Köhler ehrt Sieger des Wettbewerbs „UNICEF-Foto des Jahres“

Der britische Fotograf David Gillanders ist Sieger des internationalen Wettbewerbs „UNICEF-Foto des Jahres“. Sein Foto zeigt ein Straßenkind in Odessa. Jana war aus Moldawien, dem ärmsten Land Osteuropas, in die ukrainische Hafenstadt gekommen. Abhängig von Drogen und mit dem HI-Virus infiziert starb sie an den Weihnachtstagen des vergangenen Jahres. Sie wurde nur 13 Jahre alt. Janas Schicksal ist typisch für eine verlorene Generation von Kindern und Jugendlichen in vielen Staaten Osteuropas. In keiner anderen Region der Welt breitet sich das HI-Virus so schnell aus wie dort - vor allem, weil Drogensüchtige oft verseuchte Nadeln be-nutzen. Schätzungsweise ein Prozent der Bevölkerung sind von harten Drogen abhängig. 1,4 Millionen Menschen haben sich bereits mit HIV angesteckt. Und das Virus trifft vor allem junge Menschen: 80 Prozent aller Infizierten in Osteuropa sind unter 30 Jahre alt - und jeder zehnte von ihnen ist ein Kind.

„Das UNICEF Foto des Jahres 2005 gibt der AIDS-Katastrophe in Osteuropa ein Gesicht. Es ist ein Appell an unser Mitgefühl. Wir dürfen die Kinder nicht vergessen, die an dem Zusammenbruch ihrer Familien und der sozialen Kälte ihrer Umgebung zugrunde gehen“, sagte UNICEF-Schirmherrin Eva Luise Köhler bei der Preisverleihung.

Für den Wettbewerb reichten 87 der renommiertesten Fotografen aus 20 Ländern insgesamt 894 Bilder ein. Die Jury unter dem Vorsitz von Timm Rautert, Professor für Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, bestimmte auch einen zweiten und dritten Preis sowie sieben lobende Erwähnungen. UNICEF prämiert mit der Auszeichnung zum sechsten Mal Fotos von hohem künstlerischem und fotojournalistischem Niveau, die die Lebens-umstände von Kindern illustrieren. Der Wettbewerb wird unterstützt von der Zeitschrift GEO und der Citibank.

   

weitere Bilder von David Gillanders, Biografie

1. Preis für David Gillanders

Straßenkinder in Odessa

Die 13 Jahre alte Jana kommt aus einer ländlichen Gegend Moldaviens in die Ukraine. Ihr Vater, ein Alkoholiker, starb früh; ihre Mutter starb im Gefängnis als Jana acht Jahre alt war. Seitdem lebt sie auf der Straße, zuletzt in Odessa. Über Drogen infiziert sie sich mit dem Aids-Virus. Weihnachten 2004 wird sie schwer krank, verkriecht sich in einem Mauerloch und erfriert.

Der schottische Fotograf David John Gillanders arbeitet seit drei Jahren an einem Projekt über die Straßenkinder von Odessa. Sein Mitgefühl gilt einer verlorenen Generation: Kindern, die ohne elterlichen Schutz in den Staaten der früheren Sowjetunion aufwachsen. Hunderttausende von ihnen sind obdachlos. Sie waschen Autos, sammeln Flaschen oder verkaufen gestohlene Waren. Etliche prostituieren sich oder suchen Zuflucht in Drogen. Und immer mehr von ihnen stecken sich mit dem Aids-Erreger an.

Janas Schicksal ist keine Ausnahme. Es ist sogar typisch für das, was immer mehr Kindern und Jugendlichen in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion widerfährt. In keiner anderen Region der Welt breitet sich das Virus so schnell aus wie hier: Seit 1995 stieg die Zahl der HIV-Infizierten von 160.000 auf 1,4 Millionen Menschen an. In der Ukraine hat sich die Zahl der Infektionen in den vergangenen fünf Jahren verzwanzigfacht. 360.000 Menschen sind inzwischen HIV-positiv.

Aids ist eine schleichende Katastrophe, die auch in Osteuropa viel zu lange verdrängt wurde. Fast unbemerkt hat sich das Virus ausgebreitet, vor allem durch den Missbrauch harter Drogen. Fixer teilen sich verseuchte Spritzen und stecken sich an. Mittlerweile ist das Virus auf die restliche Bevölkerung übergesprungen. Vor allem trifft es junge Menschen: 80 Prozent aller Infizierten in Osteuropa sind unter 30 Jahre alt - jeder zehnte davon ist ein Kind. Am häufigsten bedroht sind Frauen. In der Ukraine sind bereits 40 Prozent der Menschen, die sich mit dem Virus angesteckt haben, weiblich.

 

Der englische Fotograf Marcus Bleasdale war im Juni 2004 im Norden von Darfur unterwegs.


Fotos: David Gillanders, Schottland / Freier Fotograf

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weitere Bilder von Maurício Lima, Biografie

2. Preis für Maurício Lima

Nach dem Irak Krieg

Ayad Ali Brissam Karim wird 1991 in Bagdad geboren. Im Golf-Krieg 2003 gerät der Bauernhof seiner Eltern in der Nähe der Stadt Babylon in die Frontlinie und wurde von US-amerikanischen Helikoptern angegriffen. Sein Onkel Mohammad verliert ein Bein. Auch seine Großmutter Telba wird verletzt, als sie versucht Ayad zu Hilfe zu kommen. Ayad erleidet schwere Verbrennungen im Gesicht. Er wird auf dem rechten Auge blind.

"Er musste die Schule verlassen, weil die anderen Jungen sich über ihn lustig machen", sagt sein Vater Ali Brissam Karim, 42. "Er kann reden, aber er kann nicht lesen. Er kann uns auch nicht mehr bei der Feldarbeit helfen."

Schlimmer als die äußeren Verletzungen sind die psychischen Folgen. „Viele Male am Tag stellt er mir dieselbe Frage und ist ohne erkennbaren Grund agressiv“, berichtet seine Mutter. Ayad wurde inzwischen in den USA medizinisch behandelt, doch sein Augenlicht konnte bislang nicht wiederhergestellt werden.

Foto: Maurício Lima, Brasilien / Agence France Press

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3. Preis für Frida Hedberg

Boys and Girls

Voller Verständnis scheint der Blick der jungen schwedischen Fotografin Frida Hedberg, die in diesem September für das UNICEF-Foto des Jahres nominiert wurde. Bestärkt durch ihren Erfolg, erarbeitete sie spontan eine neue Bilderstrecke. Sie fotografierte im eigenen Land, bei einem Schulfest in dem kleinen Dorf Äspered in der Nähe von Göteborg. Auf amüsante Weise zeigt sie uns, wie schon 7- und 8-Jährige zielstrebig ihren Weg aufs Parkett vorbereiten. Das prämierte Bild trägt den Titel „Jungen und Mädchen“. Es fängt das Erstaunen eines kleinen Jungen ein, der eine erste Ahnung davon bekommt, was auf einer Schuldisco passiert.

Foto: Frida Hedberg, Schweden / pressens bild


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ehrenvolle Erwähnungen

ausgezeichnet mit ehrenvollen Erwähnungen wurden 2005 die Fotografen:
  • Mariella Furrer, Schweiz, Cosmos Photo
  • Jacob Ehrbahn, Dänemark, Politiken
  • Deanne Fitzmaurice, USA, San Francisco Cronicle
  • Steve Liss, USA, Freier Fotograf
  • Christoph Bangert, Deutschland, Polaris Images
  • Nikos Pilos, Griechenland, ZUMA Press
  • Francesco Zizola, Italien, Freier Fotograf
Beschreibungen zu den Projekten finden Sie unter "mehr Bilder".
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