| Der
Todeszug durch die Slums von Manila
Der
Zug fährt an. Ondo springt auf den Tritt. Ein kurzer
Surf bis zum Ende des Bahnsteigs. Dann springt er ab
, das ist sein Kick. Dies ist die Station der Straßenkinder.
Hier wohnen Rian (12 Jahre alt), Ondo (10) und Mark
(9). Der Bahnsteig ist ihr Zuhause. Hier schlafen, essen,
spielen sie. Von den Fahrgästen erbetteln sie ein
paar Pesos. Ondo schnüffelt ununterbrochen Rugby,
eine in Manila weitverbreitete Droge aus Lösungsmitteln.
Seine Eltern sind verschwunden. Er kennt sie nicht mehr.
Vierzehn Mal am Tag fährt der
alte Nahverkehrszug der Philippine National Railways
die 28 Kilometer lange Bahnstrecke von Tayumen im Zentrum
der 16 Millionen Megastadt in den Außenbezirk
Alabang. Für die Lokführer sind es 28 Horrorkilometer,
denn entlang der gesamten
Strecke haben sich über 80.000 Familien niedergelassen.
Meist sind es verarmte Landflüchtlinge aus der
Provinz, die in der Stadt eine Lebensperspektive suchen.
Sie haben ihre Häuser, meist Slumhütten aus
Holz, Blech und Pappe nur Zentimeter an die Bahntrasse
gebaut. Illegal. Jede Woche gibt es mehrere Unfälle
mit Toten an der Strecke. Eine Statistik oder einen
Hilfsfond für Hinterbliebene gibt es nicht.
Für die Kinder ist die
Bahntrasse Lebensraum Spielplatz. Nur Zentimeter rattern
die schweren Waggons an den Körpern der Kinder
vorbei. Wie durch ein Wunder gibt es nicht mehr Opfer
unter ihnen. Oft reißen Mütter ihre Kinder
in letzter Sekunde in Sicherheit.
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