Eva Luise Köhler ehrt den dänischen Fotografen
Jan Grarup
Der dänische Fotograf
Jan Grarup ist Sieger des internationalen Wettbewerbs
„UNICEF-Foto des Jahres“. Sein Foto zeigt
die fünfjährige Rahila, die nach dem verheerenden
Erdbeben in Pakistan im Oktober 2005 medizinisch versorgt
wurde. „Das UNICEF Foto des Jahres 2006 ist ein
Symbol für das Überleben. Das Lächeln
dieses Mädchens ist ein Dankeschön an alle,
die den Opfern der Naturkatastrophen in den vergangenen
Jahren geholfen haben. Es sollte uns Ansporn sein, Kinder
in Not auch dann nicht zu vergessen, wenn das Medieninteresse
nachlässt“, sagte UNICEF-Schirmherrin Eva
Luise Köhler bei der Preisverleihung in Berlin.
Nach Einschätzung von UNICEF hat der internationale
Hilfseinsatz im vergangenen Winter in Pakistan ein Massensterben
verhindert. Doch viele Familien müssen auch den
kommenden Winter noch in Zelten oder notdürftig
reparierten Unterkünften überstehen.
Die fünfjährige Rahila
strahlt. Sie liegt im Rote-Kreuz-Hospital der
nord-pakistanischen Stadt Muzaffarabad. Ihre Beine
stecken in einem Streckverband. Bei dem verheerenden
Erdbeben vom 8. Oktober 2005 hat sie sich Unter-
und Oberschenkel gebrochen. Aber: Sie strahlt.
Als ginge es ihr blendend.
Drei Wochen nach dem Beben ist der dänische
Fotograf Jan Grarup nach Pakistan geflogen, nach
Muzaffarabad, die Provinzhauptstadt des pakistanischen
Teils von Kaschmir. Die Stadt wurde von den Erdstößen
der Stärke 7,6 fast vollständig zerstört.
Mehr als 70.000 Menschen starben damals in der
Kaschmirregion, darunter 18.000 Kinder. 3,3 Millionen
Kaschmiris wurden obdachlos, noch immer, mehr
als ein Jahr später, sollen rund 30.000 in
Notlagern leben.
Rahila war eines von vielen
schwer verletzten Mädchen und Jungen in der
Kinderabteilung des dortigen Krankenhauses. Die
Ärzte hatten ihr einen Streckverband um die
mehrfach gebrochenen Beine gelegt. Um sie medizinisch
versorgen zu können, hatte man sie mit dem
Hubschrauber aus ihrem Heimatdorf evakuiert. Eine
halbe Stunde dauerte der Flug, der Rahila das
Leben rettete.
„Ihr Lächeln
inmitten von Trauer und Verzweiflung hat mich
tief beeindruckt“, sagt Grarup, der die
UNICEF-Auszeichnung bereits zum zweiten Mal erhält.
„Das kleine Mädchen zeigt, welche Kraft
in Kindern steckt.“
Hajira (8 Jahre) recycled tausende
von Batterien, indem sie diese jeweils einzeln mit einem
einfachen Hammer zerschlägt. Sie arbeitet zusammen
mit ihrer Mutter und kümmert sich darüber
hinaus um ihre Schwestern Mumtaz (3 Jahre) und Yasmin
(1 Jahr). Für die Reinigung von 1.000 Kohlestiften
aus den Batterien erhalten sie 6 Taka. Hajira reinigt
1000-3000 Kohlestifte pro Tag. Hier sieht man Hajira,
wie sie während einer kurzen Pause lachend in der
Tür der Werkstatt steht. Auf dem Arm trägt
sie ihre kleine Schwester Mumtaz. Ihr Gesicht ist schwarz
vom Kohlestaub der verarbeiteten Batterien.
In den Außenbezirken von Dhaka am Buriganga-Fluss
haben sich verschiedene Werkstätten auf das Recycling
unterschiedlicher Materialien aus den Deponien spezialisiert.
Einer dieser Industriezweige befasst sich insbesondere
mit dem Recycling von Trockenbatterien des Typs D. In
diesem Bereich arbeiten hunderte von Frauen und Kindern.
Den ganzen Tag über brechen sie tausende gebrauchter
Batterien auf, um an die winzigen Metallteile heranzukommen.
Während des Recyclings atmen diese Frauen und Kinder
permanent große Menge giftigen Staubes aus den
Batterien ein. Je nach Arbeitspensum verdienen sie dabei
zwischen 6 und15 Taka am Tag, was in etwa 10 bis 25
US-Cent entspricht.
„Ich bin nicht generell gegen Kinderarbeit, da
ich weiß, wie viele wichtige Möglichkeiten
sie einem bieten kann. Sie kann ein ganzes Leben verändern.
Für viele Kinder ist das Verdienen eines Lebensunterhalts
oder das Beitragen zum Einkommen der Familie eine Frage
des Überlebens. Es besteht jedoch ein Unterschied
zwischen einem Kind, das in einer Stofffabrik oder in
einem Restaurant arbeitet und einem, das in einem Gefahrgut-Ghetto
oder in einem Bordell ausgebeutet wird,“ meint
Shehzad Noorani, der während seiner Kindheit in
Bangladesh selbst Kinderarbeit leisten musste und mittlerweile
in den USA lebt.
Roma (4 Jahre), Svieta (5 Jahre)
und Sergiey (12 Jahre) leben im Herbst und im Winter
zwischen heißen Rohren, wo es schmutzig und sehr
feucht ist. Es gibt dort Ratten und kaum Licht, mit
Ausnahme einiger selbstgemachter Kerzen. Tagsüber
betteln die Kinder in der U-Bahn.
Die polnische Fotografin Hanna Polak
hat Straßenkinder in Moskau mit der Kamera begleitet.
Alkoholabhängige Eltern, Armut und oftmals auch
häusliche Gewalt zwingen diese Kinder aus ihrem
Zuhause auf die Straße. .
Aus der gesamten ehemaligen
Sowjetunion kommen obdachlose Mädchen und Jungen
nach Moskau. Einige haben Glück und können
durch Kleinhandel ihren Lebensunterhalt verdienen, doch
die meisten von ihnen überleben alleine durch Betteln,
Diebstahl und Prostitution. Sie schlafen in der Kanalisation,
auf Heißwasserrohren oder in verlassenen Dachböden
und Treppenhäusern. Einige leben in Müllcontainern
oder bauen sich Hütten auf Mülldeponien. Russlands
„unsichtbare“ Kinder, wie sie genannt werden,
sind abhängig von Drogen, Zigaretten und Alkohol,
viele von ihnen bereits im Alter von vier oder fünf
Jahren. Viele der russischen Straßenkinder sterben
durch Drogen, an den Folgen des Missbrauchs durch Pädophile
oder durch Hunger und Frost während der extremen
russischen Winter. Einige begehen Selbstmord. Wer überleben
will, dem bleibt meist nichts anderes übrig als
sich ín das große Heer junger Krimineller
einzureihen.