Der südliche Sudan war über zwei Jahrzehnte Schauplatz eines grausamen Bürgerkriegs. Rund zwei Millionen Menschen starben, viele Dörfer wurden zerstört. In kaum einem Land ist das Aufwachsen für Kinder heute so schwierig wie im Sudan. Es gibt kaum intakte Gesundheitseinrichtungen oder Schulen. Besonders die Mädchen sind benachteiligt: Nur jedes fünfte Mädchen geht zur Schule. Und einen Abschluss erreicht nur jedes Hundertste. 500.000 Mädchen im Grundschulalter besuchen keinen Unterricht. UNICEF hilft bei der Einrichtung einfacher Dorfschulen speziell für Mädchen und schafft Bildungsangebote für besonders benachteiligte Kinder.
Der Süd-Sudan zählt zu den ärmsten Gebieten der Erde. 22 Jahre Bürgerkrieg haben die Bevölkerung schwer getroffen: Viele Familien wurden aus ihren Dörfern vertrieben und leben jetzt als Flüchtlinge in entlegenen Regionen. Immer wiederkehrende Dürreperioden verschärfen ihre Not. Die Kinder leiden besonders unter der mangelnden Versorgung. Viele Frauen und Mädchen müssen sich allein durchschlagen, weil die Männer der Familie im Bürgerkrieg starben. Für viele Familien ist der Brautpreis, häufig Rinder oder Ziegen, eine wichtige Einkommensmöglichkeit. Mädchen werden deshalb oft schon als Zwölfjährige verheiratet und bekommen selbst früh Kinder. Nur eine von zehn Frauen im südlichen Sudan kann Lesen und Schreiben - die meisten Mädchen bleiben lebenslang darauf angewiesen, dass ihr Ehemann sie versorgt.
Besonders die Bildungssituation im südlichen Sudan ist sehr schlecht. Meist findet der Unterricht im Freien oder in improvisierten Hütten statt. Die wenigen Klassenzimmer sind überfüllt. Es fehlt an Bänken und Tischen, in fast der Hälfte aller Schulen gibt es keine Schulbücher. Und selbst wenn Bücher vorhanden sind, müssen sich häufig acht Kinder ein Buch teilen. Die Mehrzahl der Lehrer hat kaum eine Ausbildung, Lehrerinnen gibt es fast gar nicht. Vor allem die Mädchen bleiben meist vom Schulbesuch ausgeschlossen: Viele Familien haben kein Geld, um Söhne und Töchter in die Schule zu schicken. Häufig gelten auch die weiten Schulwege für Mädchen als zu gefährlich. Oder die Schule besitzt nicht einmal eine einfache Latrine – vor allem für ältere Mädchen ein weiterer Grund, der Schule fernzubleiben. Nur jedes fünfte Mädchen im Südsudan wird eingeschult. 99 von 100 Mädchen verlassen die Schule vorzeitig, ohne ausreichend Lesen und Schreiben gelernt zu haben.
UNICEF setzt sich im Süd-Sudan dafür ein, die Kinder nach den Jahren des Bürgerkriegs schnell in die Schule zu bringen. Im Mittelpunkt stehen dabei die benachteiligten Mädchen:
UNICEF hilft, mit einfachen Mitteln neue Klassenräume in den Dörfern zu schaffen. Unterstützt wird zunächst der Bau von 150 Schulen speziell für Mädchen. Jede Schule, häufig nur eine einfache Lehmhütte, bietet Platz für eine Klasse mit etwa 35 Kindern. Drei Stunden täglich lernen die Mädchen hier Lesen, Schreiben und Rechnen. UNICEF versorgt sie mit dem nötigen Schulmaterial und unterstützt die Lehrerausbildung. UNICEF stellt den Lehrern große Rucksäcke zur Verfügung, die Schreibhefte, Bücher, Kreide und weiteres Material enthalten.
Ältere Mädchen haben häufig jahrelang den Unterricht verpasst. Speziell für sie richtet UNICEF in den Dörfern 30 einfache Lernzentren ein. Hier finden die Bildungskurse abends statt. In einigen Regionen gibt es zwar schon Schulen, in die auch Mädchen gehen - für besonders arme Familien oder Waisen sind sie aber oft unbezahlbar. UNICEF übernimmt für diese Mädchen die Schulgebühren, so dass auch sie den Unterricht besuchen können.
Um Kinder in entfernten Dörfern zu erreichen, setzt UNICEF unter anderem auf Schulfunkprogramme. 100 Schulen erhalten einen Satellitenempfänger, der mit Sonnenenergie betrieben wird. Per Radio sollen so rund 10.000 Kinder selbst in den entlegensten Dörfern erreicht werden. UNICEF hilft dabei, die Lehrer mit neuen Unterrichtsmethoden vertraut zu machen.
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