In Norduganda machen sich jeden Abend rund 60.000 Kinder aus den Dörfern auf den Weg in die Stadt. Sie fürchten sich vor nächtlichen Überfällen der Lord’s Resistance Army (LRA). Die Rebellentruppe hat bereits rund 12.000 Kinder entführt, um sie als Soldaten im Bürgerkrieg einzusetzen. In den Provinzstädten wie Gulu erhoffen die Kinder sich ein Mindestmaß an Schutz vor den Bewaffneten. Sie drängen sich auf den Straßen und in überfüllten Notunterkünften und warten auf den nächsten Morgen. UNICEF versorgt die Kinder mit Decken, sauberem Trinkwasser und Medikamenten und richtet einfache Übernachtungseinrichtungen ein.
In Norduganda nehmen jeden Abend Zehntausende Kinder stundenlange Fußmärsche auf sich. Ihr Ziel sind die größeren Städte wie Gulu, Kalongo und Kutum. Dort angekommen, drängen sich die Mädchen und Jungen zum Schlafen in öffentlichen Gebäuden, vor Geschäften und Privathäusern, unter parkenden Lastwagen und selbst in Straßengräben.
Allein im Krankenhaus der Stadt Kalongo suchen jede Nacht 7.000 bis 10.000 Kinder Zuflucht. Viele Kinder haben ihre jüngeren Geschwister bei sich. Die Lebensbedingungen der Kinder sind katastrophal: Es gibt zu wenig sauberes Trinkwasser und kaum Toiletten, Krankheiten wie Durchfall und Hautausschläge grassieren.
Die Kinder leben in ständiger Angst. Anwohner verjagen sie mitunter von ihrem Schlafplatz. Häufig kommt es auch unter den Kindern zu Prügeleien um Essen oder eine warme Decke. Die Mädchen sind in Gefahr, vergewaltigt zu werden und sich mit dem HI-Virus zu infizieren. Doch die Angst vor den Angriffen der LRA in ihren Heimatdörfern ist noch größer: Die Lord’s Resistance Army („Widerstandsarmee des Herren“) unter ihrem Führer Joseph Kony ist eine der brutalsten Rebellengruppen der Welt. Kony rekrutiert bevorzugt Kinder. Schon Sechsjährige werden entführt und als Soldaten in den Kampf geschickt, die Mädchen als „Ehefrauen“ missbraucht. Kinder werden gezwungen, die eigenen Eltern oder Nachbarn umzubringen. Der Rebellenführer kämpft seit 18 Jahren angeblich dafür, einen Gottesstaat zu errichten. Seit Juni 2002 hat die LRA rund 12.000 Kinder entführt.
UNICEF hilft, zusammen mit Partnerorganisationen einfache Übernachtungsmöglichkeiten einzurichten. UNICEF sorgt in den Zentren dafür, dass die Kinder sauberes Trinkwasser erhalten und medizinisch versorgt werden. Auch Schlafmatten, Decken und Wasserkanister werden verteilt. UNICEF hilft zudem, Latrinen und Waschgelegenheiten einzurichten. Zum Schutz vor Malaria werden die Einrichtungen regelmäßig mit Insektenschutz ausgesprüht. Weil nicht alle Kinder in festen Gebäuden unterkommen können, stellt UNICEF auch große Zelte bereit. Dicht zusammengedrängt übernachten hier bis zu 300 Kinder auf 72 Quadratmetern. Mädchen und Jungen sowie ältere und jüngere Kinder haben jeweils eigene Schlafbereiche. Die Krankenhäuser der betroffenen Städte erhalten Erste-Hilfe-Sets und Medikamente, so dass sie die vielen zusätzlichen Kinder behandeln können.
Viele Kinder verbringen schon seit Monaten die Nacht ohne den Schutz ihrer Eltern. Sie sind verängstigt und brauchen seelischen Halt. UNICEF bildet Mitarbeiter der Übernachtungsstellen in psychosozialer Betreuung aus. Auch unter den Jugendlichen werden geeignete Helfer ausgewählt und geschult – sie unterstützen dann bei der Betreuung jüngerer Kinder. Zusammen mit lokalen Gruppen und kirchlichen Einrichtungen organisiert UNICEF abends Sport- und Bildungsangebote für die Kinder. Fußballspielen oder gemeinsames Singen helfen den Kindern, ihre schwierige Situation für einige Stunden zu vergessen. Per Radio ruft UNICEF die Einwohner der betroffenen Städte und Dörfer auf, Verständnis für die Situation der Kinder zu haben und sie vor Gewalt und Missbrauch zu schützen.
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