Von einer Sekunde zur nächsten ist ihr Leben zerstört: Immer mehr Mädchen und Frauen in Bangladesch sind in den vergangenen Jahren Opfer heimtückischer Attentate mit ätzender Säure geworden. Zumeist sind es enttäuschte Verehrer, die zu Säure aus alten Autobatterien greifen, um sich zu rächen. Pro Jahr gibt es über 400 dieser brutalen Überfälle. Die Säure fügt den Opfern schreckliche Verbrennungen zu, sie entstellt ihre Gesichter und Körper. Für Frauen in ländlichen Gegenden kommt oft jede Hilfe zu spät. Angemessene ärztliche Versorgung gibt es in Bangladesch bisher kaum. UNICEF unterstützt deshalb eine Stiftung, die sich um die medizinische Betreuung der Opfer kümmert. Die Stiftung setzt sich dafür ein, diesen die Rückkehr in ein normales Leben zu ermöglichen.
Die meisten Täter kommen im Schutz der Nacht: Mit einem Becher Säure, den gekränkte Verehrer ihnen ins Gesicht schütten, beginnt für die Mädchen und Frauen eine lebenslange Leidensgeschichte. Die Säure, für wenig Geld überall in Bangladesch zu kaufen, frisst sich durch die Haut und legt die Knochen bloß. Häufig verlieren die Frauen eines oder beide Augen.
Aber die Opfer geraten durch die Anschläge nicht nur in Lebensgefahr und müssen unerträgliche Schmerzen erleiden. Wegen ihrer oft stark entstellten Gesichter werden sie gemieden. Sie leiden unter ihrem Aussehen und verlieren ihr Selbstwertgefühl. Unverheiratete Frauen finden aufgrund ihrer Verletzungen kaum jemals einen Ehepartner. So geraten sie an den Rand der Gesellschaft - isoliert, oft ohne Chance, ihren Lebensunterhalt zu sichern.
Lange Zeit gab es nur in der Hauptstadt Dhaka ein Krankenhaus, in dem die Säureopfer überhaupt angemessene ärztliche Hilfe bekommen. Für die 130 Millionen Menschen in Bangladesch gibt es nur zehn plastische Chirurgen. Viele Opfer, insbesondere auf dem Land, haben deshalb kaum eine Chance auf medizinische Versorgung. Die Mädchen und Frauen brauchen oft über Monate spezielle ärztliche Behandlung, aufwendige Operationen und Pflege. Sie benötigen psychologische Betreuung, menschliche Zuwendung und Hilfe, um ihr Überleben sichern und wieder einen Platz in der Gesellschaft finden zu können
UNICEF hat mitgeholfen, die Stiftung „Acid Survivors Foundation“ zu gründen. Mittlerweile werden drei medizinische Einrichtungen unterstützt: Das Medical College Hospital in der Hauptstadt Dhaka, die Einrichtung „Jibon Tara“ mit 15 Betten speziell für Säureopfer sowie das Rehabilitationszentrum „Thikana“. Ziele der Stiftung sind neben der besseren medizinischen Betreuung der Opfer auch ihre psychische und soziale Rehabilitation.
UNICEF unterstützt die Stiftung für Säureopfer dabei, die ärztliche Versorgung und die Pflege der Patientinnen zu verbessern. Ziel ist es, für die Opfer wirkungsvolle Erste Hilfe und eine auf ihre schweren Verletzungen abgestimmte Pflege sicherzustellen.
Um mehr Frauen die chirurgischen Eingriffe zur Wiederherstellung ihrer Gesichter und verbrannter Körperteile zu ermöglichen, fördert die Stiftung auch die Ausbildung einheimischer Ärzte. Der Operationssaal wird modernisiert. Über 200 Ärzte und Schwestern aus verschiedenen Landesteilen erhielten bereits eine Fortbildung, um Opfer vor Ort betreuen zu können.
Für UNICEF und die Stiftung für Säureopfer helfen den Mädchen und Frauen auch dabei, ihre Isolation zu durchbrechen. Dazu gehört die intensive psychologische und soziale Betreuung. Frauen, die selbst Opfer von Säureattentaten sind, helfen anderen Frauen, ihr Trauma zu überwinden und ihr Leben neu zu organisieren. Etwa 100 Mädchen und Frauen pro Jahr erhalten Stipendien, um die Schule beenden oder wieder Arbeit finden zu können oder besuchen berufsbildende Kurse, um sich mit einem kleinen Geschäft oder Handwerk selbstständig zu machen.
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