Drei Kriege und zwölf Jahre Sanktionen haben die irakische Bevölkerung in tiefe Armut gestürzt. Viele Eltern können ihre Kinder nicht mehr ausreichend versorgen. Aus Not versuchen immer mehr Jungen und Mädchen mit Betteln, Müllsammeln oder dem Verkauf geplünderter Waren etwas zu verdienen. Viele Kinder leben inzwischen ganz auf der Straße. Sie sind Gewalt und Ausbeutung schutzlos ausgeliefert. Insbesondere Mädchen laufen Gefahr, Opfer sexuellen Missbrauchs zu werden. UNICEF baut in mehreren Städten Auffangzentren auf, die Straßenkinder mit Nahrung, Kleidern und Medikamenten versorgen. Außerdem versucht UNICEF, Pflegefamilien für elternlose Kinder zu finden.
Seit Ende des Kriegs beobachtet UNICEF, dass immer mehr Kinder im Irak auf der Straße leben und arbeiten. Zwar waren auf Grund der Sanktionen und des wirtschaftlichen Niedergangs Kinder schon früher gezwungen, mit Betteln, Müllsammeln oder Schuhe putzen ihre Familien zu unterstützen, doch abends kehrten sie in der Regel wieder nach Hause zurück. Seit dem Chaos des vergangenen Kriegs wächst die Zahl der Kinder, die überhaupt keine Bleibe mehr haben. Allein in einem Stadtteil von Bagdad sind es über 250. Die Gründe sind vielfältig: Sie sind aus Heimen entlassen worden, die während der Kriegs geschlossen oder geplündert wurden oder haben ihre Eltern durch die militärischen Auseinandersetzungen verloren. Immer mehr Mädchen werden von ihrer Familie verstoßen, weil sie sich prostituieren oder Drogen nehmen.

Viele irakische Kinder nehmen inzwischen Rauschmittel. Sie schnüffeln Klebstoff oder schlucken Psychopharmaka, die nach den Plünderungen von Apotheken und Krankenhäusern billig und leicht auf dem Schwarzmarkt zu bekommen sind. Schon wenige Tabletten können die Kinder süchtig machen. Von UNICEF ausgebildete Sozialarbeiter nehmen Kontakt zu den Straßenkindern auf. In einem Wohnwagen, der in Bagdad als mobile Hilfe eingesetzt wird, bekommen die Jungen und Mädchen Essen und Kleidung. Sie können dort duschen und werden medizinisch versorgt. Doch da die Zahl der Straßenkinder täglich zunimmt, muss die Hilfe ausgeweitet werden.
UNICEF unterstützt den Aufbau von fünf so genannten Drop-in-Zentren in Bagdad, Babylon, Basra und Nasiriya. Dort erhalten Straßenkinder Essen, Kleidung und medizinische Hilfe. Nachmittags können die Jungen und Mädchen an Musik-, Keramik- oder Nähkursen teilnehmen, um für ein paar Stunden die Strapazen des Straßenlebens zu vergessen. Malen soll den Kindern helfen, ihre Kriegserlebnisse zu verarbeiten. Vor dem Essen und während der Kurse werden sie über Hygiene und Gesundheit informiert. In Notfällen können die Jungen und Mädchen auch im Zentrum übernachten, doch das soll die Ausnahme sein. UNICEF ist bemüht, Kinder ohne Bleibe in Pflegefamilien unterzubringen.
Kinder, deren Eltern gestorben sind, werden gemäß der Tradition von Verwandten betreut. Falls diese nicht zu finden sind, kümmern sich Nachbarn oder Freunde um die Waisen. Seit dem Krieg sind jedoch viele Familien finanziell nicht mehr in der Lage, zusätzliche Kinder zu versorgen. UNICEF unterstützt deshalb Pflegefamilien, die elternlose Straßenkinder aufnehmen. Sie erhalten beispielsweise eine Kuh, um mit der Milch ein zusätzliches Einkommen zu erwirtschaften. Oder UNICEF übernimmt die Reparaturkosten eines Autos, damit der Familienvater als Taxifahrer weiter Geld verdienen kann
UNICEF fördert Berufsbildungskurse für Straßenkinder. In mehrmonatigen Kursen sollen die Jugendlichen handwerkliche Fertigkeiten wie Nähen, Schustern oder Schreinern lernen. Sie erhalten so eine berufliche Perspektive und damit die Voraussetzung, um später für sich selbst zu sorgen.
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