Auf der verzweifelten Suche nach Arbeit und einer besseren Zukunft landen immer mehr Mädchen und junge Frauen aus Moldawien in den Fängen international tätiger Menschenhändler. Die Mädchen werden von Frauen aus ihrem Dorf angesprochen oder fallen auf dubiose Angebote von Jobvermittlern und Reiseagenturen herein. Sie werden als billige Arbeitskräfte für Fabriken und private Haushalte ausgebeutet. Viele werden in Westeuropa, den Balkanstaaten oder sogar im Mittleren Osten zur Prostitution gezwungen, die jüngsten Opfer sind gerade zwölf Jahre alt. Auf ihrem Weg ins Ausland werden die Mädchen oft geschlagen, bedroht und mehrfach an neue „Besitzer“ verkauft. UNICEF kümmert sich um die besonders gefährdeten Kinder aus armen Familien und warnt zusammen mit Eltern, Lehrern und Sozialarbeitern vor den Machenschaften der Menschenhändler.
Das schmutzige Geschäft der Menschenhändler nimmt immer mehr zu: Jährlich werden rund 120.000 Frauen und Kinder aus Ost- und Südosteuropa in die Staaten der Europäischen Union verkauft. In Moldawien finden die Menschenhändler besonders leicht Opfer: Immer mehr Familien verlassen ihre Dörfer aus wirtschaftlicher Not. In den letzten zehn Jahren sind über 130.000 junge Leute zwischen 14 und 24 Jahren ins Ausland abgewandert. Moldawien gilt als eines der Hauptlieferländer für den Menschenhandel. Die Hoffnung insbesondere der Mädchen auf ein besseres Leben erfüllt sich selten: Die Fahrt über die Grenze ist für viele der Beginn eines Leidensweges, der nicht selten in einem schmutzigen Bordell endet.
Die meisten Opfer kommen aus sehr armen Familien, viele haben selbst Gewalt erlebt. Sie sind froh, der Not in der Heimat zu entkommen und fallen auf die Angebote von Schleppern herein, die ihnen einen Job versprechen. Rund 3.000 Reiseagenturen bieten Pauschalarrangements für den Weg ins Ausland an, über 100 Jobvermittlungsagenturen locken mit scheinbar attraktiven Angeboten. Viele dieser Dienste sind Tarnung für weit verzweigte kriminelle Geschäfte. Die Menschenhändler nutzen Schlupflöcher in der Strafverfolgung und schüchtern ihre Opfer ein. Die Mädchen müssen als Prostituierte die ständig neu anwachsenden „Schulden“ für Reisekosten, Dokumente, Medikamente und ihren „Kaufpreis“ abarbeiten und werden oft wie Sklaven gehalten. Durch Drohungen, Gewalt und die Ausbeutung in der Prostitution sind viele Opfer traumatisiert, sie leiden unter Geschlechtskrankheiten und Verletzungen. Ihre Aussichten sind düster: Bis zu 40 Prozent der nach Moldawien zurückkehrenden Frauen und Mädchen sehen zu Hause keine Perspektive und gehen schon bald wieder auf zweifelhafte Angebote ein.
UNICEF unterstützt die Familien in Moldawien, um Kinder und Jugendliche durch ein sicheres Umfeld vor den Menschenhändlern zu schützen. UNICEF fördert die Fortbildung von Lehrern, Sozialarbeitern und Eltern und setzt sich dafür ein, die Betreuung der Kinder in Kindergärten, Gesundheitsstationen, sozialen Einrichtungen und zu Hause zu verbessern. Gleichzeitig werden junge Leute vor den Machenschaften der Menschenhändler und den Gefahren durch das kommerzielle Sex-Geschäft gewarnt. Jugendliche informieren Gleichaltrige über ihre Rechte und klären sie über Sexualität und die Gefahren durch AIDS auf. Für Kinder aus den ärmsten Familien schafft UNICEF berufliche Bildungsangebote, um ihnen die Chance zu geben, in ihrer Heimat bleiben zu können.
UNICEF baut die Betreuung für die Opfer des Menschenhandels aus. Im bislang einzigen Zentrum für die aus dem Ausland zurückkehrenden Frauen in Chisinau wird eine Abteilung für hier eintreffende Minderjährige eingerichtet. Ärzte, Psychologen und Betreuer werden auf die spezielle Situation der Opfer von Prostitution und sexuellem Missbrauch vorbereitet. UNICEF fördert zudem den Aufbau von Hilfsangeboten für Mädchen, die bereits schwanger oder als junge Mutter aus dem Ausland zurückkehren. Neben erster Hilfe brauchen die Mädchen auch langfristig Unterstützung, um nicht wieder Opfer der Menschenhändler zu werden. In besonders betroffenen Provinzen fördert UNICEF deshalb ein Netzwerk zur psychosozialen und gesundheitlichen Versorgung der Mädchen. Sozialarbeiter werden ausgebildet, damit sie die Opfer auf ihrem Weg zurück in die Familien betreuen.
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