
21.03.06 - In Asien werden nach Schätzung von UNICEF über eine Million Kinder zur Prostitution gezwungen. Die meisten stammen aus armen ländlichen Gebieten. So wie Somaly Mam aus Kambodscha, die mit 14 Jahren von ihrem Pflegevater in ein Bordell in der Hauptstadt Phnom Penh verkauft wurde. Jahrelang musste sie dort Gewalt und Missbrauch erleiden. Mit 20 Jahren gelang es ihr, sich zu befreien. 1996 gründete Somaly Mam die Nichtregierungsorganisation AFESIP (Agir pour les femmes en situation précaire), die minderjährigen Prostituierten Schutz und Rückhalt gibt. UNICEF unterstützt diese Arbeit seit 1997, unter anderem mit Spenden aus Deutschland. Somaly Mam hat jetzt ihr Schicksal in dem aufrüttelnden Buch „Das Schweigen der Unschuld“ aufgeschrieben, das in dieser Woche in Deutschland im Marion von Schröder Verlag erscheint.
„Kinderprostitution ist eine besonders schlimme Form der Sklaverei“, sagte Heide Simonis, Vorsitzende von UNICEF Deutschland, bei der Vorstellung des Buches in Berlin. „Somaly Mam bricht das Schweigen der Opfer und macht den betroffenen Mädchen und Frauen Mut, einen Ausweg aus ihrem Schicksal zu suchen. Ihr Buch ist ein Appell an Regierungen und Öffentlichkeit, nicht länger weg zu sehen und energisch gegen Ausbeuter und die Drahtzieher des Sex-Geschäfts mit Kindern vorzugehen.“
Die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Minderjährigen ist neben Drogen- und Waffenhandel eines der einträglichsten illegalen Geschäfte, in dem jedes Jahr mehrere Milliarden Dollar umgesetzt werden. In der Mekong-Region in Asien (Kambodscha, Laos, Myanmar, Thailand und Vietnam) ist dieses Phänomen weltweit mit am stärksten verbreitet.
In Kambodscha explodierten nach dem Ende der Diktatur der Roten Khmer und der Öffnung des Landes Kinderhandel und Kinderprostitution. Armut und wachsende soziale Gegensätze, der neu anlaufende Tourismus und auch die Stationierung von 22.000 UN-Blauhelm-Soldaten Anfang der 90er Jahre trugen dazu entscheidend bei. Hauptregionen für Kinderprostitution sind Phnom Penh, Siem Riep, Sihanoukville und die Grenzprovinzen zu Thailand.
Bereits 1997 stellte die kambodschanische Nationalversammlung fest, dass über 30 Prozent der Prostituierten zwischen 12 und 17 Jahren alt waren. In den letzten Jahren hat auch die Produktion, Verbreitung und Nutzung von Kinderpornographie stark zugenommen. Pädophile aus Thailand, China, Japan oder Europa kommen gezielt nach Kambodscha, um Jungen zu ihrem Vergnügen zu missbrauchen. Etwa fünf bis sieben Prozent der Notanrufe bei Telefonhotlines für Prostituierte betreffen „Kunden“ aus westlichen Industrieländern.
In den Bordellen von Phnom Penh und anderen Ballungszentren werden minderjährige Prostituierte vielfach wie Sklaven behandelt. Sie müssen „Schulden“ abarbeiten und erhalten keinen oder nur geringen Lohn. Sie werden geschlagen, misshandelt, vergewaltigt und mit Drogen voll gepumpt. Die von Somaly Mam gegründete Nichtregierungsorganisation AFESIP berichtet, dass immer mehr Mädchen mit zerschnittenen Armen in ihren Einrichtungen auftauchen. Dies wird damit erklärt, dass die Mädchen nach dem Abklingen der Drogenwirkung sich selbst Schmerzen zufügen, um sich zu spüren. Angst, Wut, Schuldgefühle, Scham, Hilflosigkeit, Selbsthass und Verzweiflung werden in körperlichen Schmerz verwandelt. Viele Mädchen infizieren sich mit dem HI-Virus. Eine Untersuchung im Jahr 2002 ergab, dass 18,5 Prozent der weiblichen Prostituierten HIV-positiv waren.
Obwohl die Zahl der Armen in Kambodscha in den letzten Jahren etwas zurückgegangen ist, leben immer noch 35 Prozent der Bevölkerung von weniger als einem Dollar am Tag. Nicht einmal die Hälfte der Kinder schließt die Grundschule ab. Arme Familien schicken deshalb oft ihre Kinder von zu Hause fort, um eine Arbeit zu suchen. Die Eltern glauben häufig Versprechungen von Verwandten oder professionellen Vermittlern, die zum Beispiel ihren Töchtern einen Job als Reinigungskraft in einem Restaurant versprechen.
UNICEF dokumentierte zum Beispiel, wie die 15-jährige Sophea zusammen mit zwei Schwestern aus der Region um Poipet im März 2005 von einem Bekannten ihrer Eltern für 1.125 Dollar erst nach Thailand und von dort aus in eine Karaoke Bar in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur verkauft wurde. Dort wurden die Mädchen wie Gefangene gehalten, unter Drogen gesetzt, und mussten sich an die Gäste verkaufen. Nach einem Monat gelang es ihnen, ein Mobiltelefon zu beschaffen und ihre Familie zu informieren.
UNICEF unterstützt in Kambodscha Programme gegen Kinderhandel und kommerzielle sexuelle Ausbeutung auf nationaler Ebene und in vier Provinzen an den Grenzen zu Thailand und Vietnam (Battambang, Bantey Meanchey, Prey Veng und Svay Rieng).
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