16.12.2011
Die Teilhabe von Eltern am Arbeitsleben ist von zentraler Bedeutung für das Wohlbefinden von Kindern in Deutschland. Eine gute Förderung in Kindertagesstätten und Schulen kann Defizite aufgrund mangelnder Teilhabe der Eltern nur begrenzt ausgleichen. Zu diesem Ergebnis kommt der „UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland 2011/2012“. Eltern, die die Möglichkeit haben, ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten und als aktiv Handelnde am Leben der Gesellschaft mitzuwirken, sind die wichtigsten Rollenmodelle. Hierdurch vermitteln sie ihren Kindern das notwendige Vertrauen, die Herausforderungen der Zukunft zu schaffen.
Mit Blick auf das materielle Wohlbefinden, Gesundheit und Sicherheit, Verhalten und Risiken, Bildung und Ausbildung, Beziehungen zu Familie und Gleichaltrigen und das subjektive Wohlbefinden zeigt die UNICEF-Studie deutliche Unterschiede innerhalb Deutschlands. Diese sind teilweise größer als die zwischen einzelnen OECD-Staaten.
„Ein politischer Ansatz, der allein auf Verbesserungen in Kindergarten und Schule setzt, greift zu kurz“, sagt Prof. Dr. Hans Bertram von der Humboldt-Universität in Berlin, Hauptautor des UNICEF-Berichts. „Für die Selbstachtung und das Selbstvertrauen der Kinder ist es von zentraler Bedeutung, dass ihre Eltern den Lebensunterhalt selbst bestreiten können.“
„Kein Kind darf ausgeschlossen werden. Eine gute Förderung der Kinder muss Hand in Hand gehen mit einer Stärkung der Eltern“, sagt Dr. Jürgen Heraeus, Vorsitzender von UNICEF Deutschland. „Die Bildungspolitik muss durch eine gezielte Arbeits- und Sozialpolitik ergänzt werden.“
Materielles Wohlbefinden: Im Bundesdurchschnitt müssen 8 Prozent der Kinder mit weniger als 50 Prozent des Äquivalenzeinkommens auskommen. Legt man wie von der EU empfohlen das Kriterium von 60 Prozent zugrunde, wachsen 14 Prozent in relativer Armut auf. Doch es gibt große regionale Unterschiede bei den Einkommen, Mieten und Lebenshaltungskosten. Darum wird bislang die relative Kinderarmut in den ostdeutschen Ländern eher überschätzt und in den westdeutschen unterschätzt. Mit dem bundeseinheitlich errechneten Hartz IV-Satz ist es zum Beispiel für Eltern in den westdeutschen Ballungsräumen sehr viel schwerer auszukommen, als in Mecklenburg-Vorpommern. Bundesweit sind alleinerziehende Frauen mit kleinen Kindern wirtschaftlich trotz Verbesserungen weiter stark benachteiligt. Ihr Einkommen liegt rund 40 Prozent niedriger als das aller anderen Familien.
Bildung und Ausbildung: Durch zusätzliche schulische Angebote, mehr Teamunterricht und Tagesbetreuung erfahren benachteiligte Kinder heute mehr Unterstützung.
Doch die „objektiven“ Lebensbedingungen beeinflussen den Schulerfolg erheblich: In Bundesländern mit einem hohen Anteil von arbeitslosen Eltern und Alleinerziehenden sind auch die Schulleistungen niedriger. In Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern verlassen doppelt so viele Schüler die Schule ohne Abschluss wie in Bayern, Baden Württemberg und dem Saarland. In Bayern und Baden Württemberg liegt der Anteil arbeitsloser Heranwachsender bei 4 Prozent – in Berlin bei 14,5 Prozent.
Subjektives Wohlbefinden: Das subjektive Wohlbefinden der Mädchen und Jungen wird negativ beeinflusst durch eine hohe Arbeitslosenquote bei Jugendlichen, Angst, in der Schule geärgert zu werden, und einen hohen Anteil an Alleinerziehenden und Stieffamilien. Umgekehrt führt eine hohe Ausbildungsplatzdichte, aber auch ein gemeinsames Hobby mit dem Vater zu größerem Wohlbefinden.
Jedes Kind hat ein Recht auf Teilhabe. UNICEF ruft deshalb Bund, Länder und Gemeinden auf, das Wohlbefinden der Kinder differenziert zu betrachten und umfassend zu verbessern:
Der vollständige Bericht sowie eine Zusammenfassung steht hier zum Download:
Rückfragen und Interviewwünsche bitte an die UNICEF-Pressestelle, Rudi Tarneden 0221/93650-235 oder -315. Mail: presse(at)unicef.de
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