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Überschwemmungen in Pakistan

"Es war chaotisch"

von Raabya Amjad

8. August 2010

Noor Jehan wartet mit anderen Dorfbewohnern geduldig auf Neuigkeiten über den Verbleib ihres Ehemanns und ihres Schwagers.

Müde und ausdruckslos sind die Gesichter der Menschen, die in einer Schule in der Stadt Sukkur gestrandet sind. Nach den schweren Überschwemmungen im Nordwesten Pakistans dient das Gebäude jetzt als Flüchtlingslager.

Auch Noor Jehan aus dem Dorf Unar Goth wirkt inmitten ihrer ehemaligen Nachbarn verloren. Sie hält ihren 15 Monate alten Sohn in den Armen. Noch immer unter Schock berichtet sie von der Flucht. „Ich brachte gerade die Ziegen in den Stall, als mein Schwager angerannt kam und uns sagte, dass die Flut kommt und wir sofort unser Haus verlassen müssen“, sagt sie. „Es war chaotisch. Wir haben unsere wenigen Habseligkeiten auf den Eselskarren geladen und schon waren wir auf der Straße nach Sukkur“.  

Mit Tränen in den Augen berichtet Noor Jehan weiter: „Mein Mann und sein Bruder sind  zurückgeblieben, um auf unsere Ziegen und die Kuh aufzupassen – unsere einzige Einkommensmöglichkeit. Es war schrecklich. Wir wussten nicht wohin und waren krank vor Sorge um unsere Männer. Nach einem Tag und einer Nacht sind wir hierhin gekommen. Wir wissen nicht, was werden soll.“  

Insgesamt 25 Familien aus Unar Goth – hauptsächlich Frauen und Kinder – leben jetzt in der Schule. Insgesamt sind 490 Flüchtlinge in dem improvisierten Lager untergekommen, und jederzeit können es mehr werden. Mitarbeiter der Gemeinde haben eine provisorische Gesundheitsstation eingerichtet. Hier werden Kinder unter 15 Jahren gegen Masern geimpft und mit Vitamin A versorgt. UNICEF unterstützt die Impfkampagne. Denn Masern sind hoch ansteckend und verlaufen bei geschwächten Kindern schnell tödlich.   

Sukkur liegt am Fluss Indus, der Wasser aus dem Gebirge bis zum Arabischen Meer führt. Es herrscht höchste Alarmstufe in der Stadt. Rund 36.000 Menschen sind hier von den Überschwemmungen betroffen, fast 29.000 wurden bereits aus tiefer liegenden Gebieten evakuiert. Es fehlt an sauberem Trinkwasser, Nahrung, Unterkünften und sanitären Anlagen. Durchfall und andere Infektionskrankheiten drohen. Gewalt und Missbrauch sind unter den angespannten Umständen eine weitere Gefahr.  

In der Provinz Sindh sind bereits rund 600 Dörfer überflutet. Der anhaltende  Regen im Norden verschärft die Situation weiter. Steigt der Pegel, müssten die Behörden den Damm öffnen, um die Stadt zu retten. Dies würde jedoch das Aus für unzählige Dörfer in Sagrar, Salihpat und Ali Wahan bedeuten. Viele haben diese Region bereits verlassen. Über 100 Dörfer sind bereits überschwemmt worden.   

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