UNICEF-Hilfe für Haitis Kinder geht weiter
Zwischenbilanz sechs Monate nach dem Erdbeben
Auch sechs Monate nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti vom 12. Januar 2010 ist die Situation der Kinder im Katastrophengebiet bedrückend. In einem seiner größten Katastropheneinsätze leistet UNICEF umfassende Nothilfe und schafft die Grundlagen für den Neuanfang für die Kinder in einem der ärmsten Länder der Welt. In den ersten sechs Monaten hat UNICEF bereits Hunderttausende Mädchen und Jungen erreicht. Die Bundesbürger haben diese Hilfe mit zehn Millionen Euro an Spenden unterstützt.
Das hat UNICEF erreicht
- Mit massiver Unterstützung von UNICEF wurden Epidemien und ein weiterer Anstieg der Mangelernährung bei Kindern verhindert.
- Gegenwärtig erhalten jeden Tag über 330.000 Menschen per Tankwagen sauberes Trinkwasser von UNICEF.
- 275.0000 Kinder wurden gegen die gefährlichsten Infektionskrankheiten geimpft.
- UNICEF hat rund 1.300 große Schulzelte für provisorischen Unterricht aufgebaut und geholfen, Tausende Lehrer auszubilden. 185.000 Kinder haben Lernmaterial erhalten.
- Mit Unterstützung von UNICEF wurden 225 Kinderschutzzonen eingerichtet. Täglich kommen über 60.000 Kinder zum Spielen und Lernen hierher.
- UNICEF unterstützt 126 Ernährungzentren, in denen mangelernährte Kinder therapeutische Zusatznahrung erhalten.
Das sind die Herausforderungen
- Schätzungsweise 1,6 Millionen Menschen leben immer noch unter vielfach unakzeptablen Bedingungen in über 1.300 überfüllten Notlagern – fast die Hälfte davon Kinder.
- Rund 500.000 Kinder sind nach Schätzungen von UNICEF extrem verletzlich – sie sind besonders von Krankheiten, Mangelernährung, Ausschluss von Bildung sowie Missbrauch und Gewalt bedroht.
- Meteorologen erwarten schwere Stürme in der gerade beginnenden Hurrikan- Saison. Allein in der Hauptstadt Port-au-Prince sind 84 Notlager mit über 100.000 Bewohnern akut von Überschwemmungen bedroht.
- Der Wiederaufbau beginnt nur sehr langsam, weil Ministerien und öffentliche Verwaltungen nur eingeschränkt handlungsfähig sind. Ungeklärte Eigentumsfragen erschweren die Entscheidungen für Umsiedlungen. Aus den Notlagern drohen neue Slums zu werden.
- Die politische Situation ist weiter unsicher. Wahlen wurden auf November gelegt. Doch es ist möglich, dass diese nochmals verschoben werden - das könnte Spannungen nach sich ziehen.
UNICEF-Bildergalerie: Die Hilfe kommt an

Ein Mädchen hängt vor ihrem Wohnzelt die Wäsche auf. In der Hauptstadt Port-au-Prince gibt es fast 1.000 provisorisch eingerichtete Zeltlager.

Kinder vor einem Zelt in einem der vielen Lager in der Hauptstadt Port-au-Prince.

Arbeiter verteilen UNICEF-Hilfsgüter an die Menschen in den Auffanglagern.

Ein kleiner Junge füllt seinen Becher mit Trinkwasser. Mit Tankwagen verteilt UNICEF Wasser in den Lagern.

Jameslay Petit ist vier Monate alt und mangelernährt. Durch das von UNICEF unterstütze Ernährungsprogramm erhält er therapeutische Zusatznahrung und medizinische Hilfe.

In einem UNICEF-Zelt für Kinder und Frauen hält Béatrice ihre Nichte Sabrina in den Armen. Sabrina wurde kurz nach dem Erdbeben geboren. Ihre Mutter starb zwei Tage später.

Eine Gesundheitshelferin klärt die Bewohner der Zeltlager mit Hilfe von Bildern über die Wichtigkeit von Hygiene auf.

Die 17-jährige Katushka im Schlafraum des Auffangzentrums "Foyer l'Escale" für Kinder und Jugendliche in Port-au-Prince. Ihre Eltern und Geschwister sind bei dem Erdbeben ums Leben gekommen.

Ein Mädchen macht ihre Hausaufgaben für die Schule zwischen den Zelten ihres Lagers.

Auf dem Basketballplatz der Saint Gerard Schule findet der Unterricht in Zelten statt. Das Schulgebäude wurde stark zerstört und musste abgerissen werden.

In den Zelten der Schule Saint Gerard, die als provisorische Klassenräume genutzt werden, erhalten Schüler Lernmaterialien von UNICEF.

Mädchen begutachten die Latrinen, die UNICEF an ihrer Schule aufgestellt hat.
Fortschritte und Herausforderungen für die UNICEF-Hilfe
Auch sechs Monate nach der Katastrophe ist die direkte Hilfe zur Grundversorgung der betroffenen Familien Priorität von UNICEF. Gleichzeitig setzt UNICEF alles daran, die Selbsthilfekräfte zu stärken. Es gilt jetzt, Grundlagen für den langfristigen Wiederaufbau zu legen.
UNICEF koordiniert die Arbeit der UN-Partner und Nichtregierungsorganisationen in zentralen Bereichen: Wasserversorgung und Hygiene, Bildung, Kinderernährung und Kinderschutz. Durch enge Kooperation und Trainingsprogramme werden die Fähigkeiten und die Verantwortung der Regierung und der Behörden gestärkt.
UNICEF arbeitet von der Hauptstadt Port-au-Prince aus und hat Unterbüros in Léogane und Jacmel. In den Orten Jérémie, Les Cayes, Gonaives und Hinche wurden mobile Außenposten eingerichtet. Die Arbeit wird von 229 Mitarbeitern (Stand: 25. Juni 2010) geleistet, die Hälfte davon sind Haitianer. Von Januar bis Juni hat UNICEF per Flugzeug oder per Schiff 4.159 Tonnen Hilfsgüter mit einem Wert von über 35 Millionen Dollar nach Haiti gebracht.
Wasser und Hygiene
Die Wasserversorgung und Sicherstellung von Hygiene in überfüllten Notunterkünften ist eine enorme Herausforderung. Schon vor der Katastrophe hatten 40 Prozent der Kinder kein sauberes Wasser.
- UNICEF und seine Partner verteilen täglich mit Tankwagen 1,66 Millionen Liter Trinkwasser an über 330.000 Menschen.
- Bisher wurden 9.000 Latrinen eingerichtet. UNICEF organisiert auch die regelmäßige Entsorgung und Reinigung. Weitere 4.000 Latrinen sollen in den kommenden Wochen aufgebaut werden.
- Über 210.000 Menschen haben von UNICEF Hygieneartikel erhalten.
- 2.200 Gesundheitshelfer wurden in Hygieneaufklärung ausgebildet.
- UNICEF hilft den lokalen Wasserbehörden, die Wasserversorgung dauerhaft wieder aufzubauen.
Kinderschutz
Schon vor der Katastrophe waren viele Kinder in Haiti Gewalt, Missbrauch, Ausbeutung und Kinderhandel schutzlos ausgeliefert. Jetzt hat sich die Situation nochmals verschärft. Viele Eltern sind so verzweifelt, dass sie ihre Kinder in Heimen abgeben oder Fremden anvertrauen.
- UNICEF hat geholfen 225 Kinderschutzzonen einzurichten. Täglich können hier über 62.000 Kinder spielen und lernen.
- Gemeinsam mit seinen Partnern hat UNICEF bislang 2.047 unbegleitete Kinder registriert. 337 von ihnen sind wieder bei ihren Familien.
- Die Behörden haben mit Unterstützung von UNICEF mehr als 6.000 Fälle von Kindern überprüft, die das Land verlassen sollten. Dafür wurden 100 Mitarbeiter der Kinderschutzbehörden ausgebildet. 60 lokale Partner erhielten Schulungen, um sexueller Gewalt in Notunterkünften vorzubeugen.
- Über Radiostationen werden Familien informiert, wie sie ihre Kinder besser schützen können. UNICEF unterstützt auch ein Nottelefon. Hier können Sozialarbeiter verlassene Kinder melden.
- UNICEF setzt sich auch dafür ein, die Standards in Kinderheimen und Krippen zu verbessern und die Risiken für illegale, ungeregelte, voreilige oder schlecht vorbereitete Adoptionen zu verringern.
Bildung
Die Familien in Haiti legen großen Wert darauf, dass ihre Kinder in die Schule gehen. Doch bereits vor dem Beben war dies nur für gut die Hälfte der Kinder möglich. Viele sind nicht wieder zum Unterricht zurückgekehrt. Fast 4.000 Schulen sind zerstört oder beschädigt.
- UNICEF hat eine große Bildungskampagne gestartet und bisher 1.297 Großzelte für 225 Notschulen aufgebaut. Weitere 2.000 kommen noch dazu.
- 185.000 Kinder haben Lern- und Arbeitsmaterial erhalten, 45.000 Kinder von vorschulischen Spiel- und Lernangeboten profitiert.
- Über 5.000 Lehrer und andere Mitarbeiter von Schulen haben Kurse besucht, um besser auf die Bedürfnisse traumatisierter Kinder einzugehen.
- UNICEF hilft, das Bildungsministerium wieder arbeitsfähig zu machen. So wurden acht Großzelte und weitere Ausrüstung bereitgestellt.
- Auch der Wiederaufbau der Schulen wird vorbereitet. UNICEF wird zunächst Übergangsschulen einrichten, die dann nach und nach durch dauerhafte Gebäude ersetzt werden sollen.
Ernährung
Unmittelbar nach dem Erdbeben hat UNICEF gemeinsam mit dem Welternährungsprogramm begonnen, Nahrungsmittelhilfe für Kinder und schwangere Frauen zu organisieren. Denn jedes dritte Kind in Haiti litt bereits an chronischer Mangelernährung.
- Gemeinsam wurden über 500.000 Kinder und schwangere Frauen mit Zusatznahrung versorgt. 187.000 Kleinkinder haben Vitamin-A-Tabletten zur Stärkung ihrer Abwehrkräfte erhalten.
- UNICEF unterstützt derzeit 126 Ernährungsprogramme. Hier erhalten die Familien therapeutische Zusatznahrung für mangelernährte Kinder. 2.000 schwer mangelernährte Kinder haben bereits medizinische Hilfe erhalten.
- In Zelten wurden 107 Beratungsstellen für junge Mütter eingerichtet. Sie erhalten hier Informationen, um ihre Neugeborenen und Kleinkinder richtig zu ernähren. 3.000 Kleinkinder, die nicht gestillt werden können, erhalten hier unter Anleitung spezielle Fertignahrung.
- UNICEF bereitet ein Trainingsprogramm für 200 Gesundheitsmitarbeiter und 300 Gemeindehelfer vor, um den Kampf gegen Mangelernährung zu unterstützen.
Gesundheit
Die Gesundheitsrisiken sind besonders für Kleinkinder weiter sehr hoch. Über 20 Prozent der Gesundheitseinrichtungen und Krankenhäuser wurden zerstört oder beschädigt. Schon vor der Katastrophe hatte Haiti die höchste Kinder- und Müttersterblichkeit in der Region.
- UNICEF hat ein Impfprogramm gegen die gefährlichsten Infektionskrankheiten gestartet. Bis heute wurden 228.000 Kinder in 772 Lagern erreicht. Dazu kommen weitere 47.000 Kinder im Grenzgebiet zur Dominikanischen Republik.
- Medikamente wurden bereitgestellt, um 1,7 Millionen Menschen drei Monate lang zu versorgen. Dazu kamen Medikamente und technisches Gerät zur Geburtshilfe für über 11.000 Geburten.
- UNICEF hat begonnen, 400.000 imprägnierte Moskitonetze zum Schutz vor Malaria zu verteilen.
- UNICEF unterstützt auch den Wiederaufbau der nationalen Schwesternschule in Port-au-Prince - mit fünf provisorischen Übungsräumen, Möbeln und technischer Grundausstattung.
Katastrophenvorsorge
Mit dem Beginn der Hurrikan-Saison drohen auf Haiti erneut Naturkatastrophen. UNICEF hat deshalb an verschiedenen Orten Lager mit lebensrettenden Hilfsgütern zur Notversorgung von 83.000 Menschen angelegt.
Ausblick – Worauf es jetzt ankommt:
Für die Not- und Wiederaufbauhilfe in Haiti ist ein langer Atem notwendig. Beides muss gut miteinander verzahnt werden. Die drängendsten Probleme aus der Sicht von UNICEF sind jetzt:
- Die Frage der Umsiedlung der viele Obdachlosen muss gelöst werden – hieran hängen auch Entscheidungen über Investitionen in die Infrastruktur wie zum Beispiel die Wasserversorgung.
- Der Einsatz von Hilfsgütern muss sorgfältig geplant werden – um zu verhindern, dass funktionierende Märkte beeinträchtigt werden oder Menschen dazu verleitet werden, sich abhängig zu machen.
- Verantwortung und Kompetenz der Behörden und Regierung müssen aufgebaut werden, um einen nachhaltigen Wiederaufbau anzuschieben.
- Ausbildungsprogramme für Lehrer und Gesundheitspersonal müssen vorangetrieben werden, um die Abhängigkeit von ausländischer Hilfe zu verringern.
- Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Kinderschutz müssen dringend verbessert werden – dazu gehören auch die Ratifizierung und Umsetzung der internationalen Standards zur Auslandsadoption.
UNICEF ruft weiter zu Spenden für die Kinder in Haiti auf – vielen Dank!
So helfen Sie:
17 Euro = Impfschutz für ein Kind
26 Euro = Platz in einer Zeltschule
250 Euro = einfache Latrinen für 100 Kinder
Spendenkonto 300 000,
Bank für Sozialwirtschaft; BLZ 370 205 00
Stichwort: Haiti
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