
Yolette und ihr fünfjähriger Sohn Yglesias leben in einem Notaufnahmelager am Place St. Pierre in der Hauptstadt Port-au-Prince. 200 Meter von ihrem neuen Zuhause unterstützt UNICEF ein Kinderzentrum. Hier wird Yglesias betreut und erhält ein Mittagessen. „Die Betreuer im Zentrum helfen ihm, mit seinen Alpträumen zurechtzukommen“, sagt Yolette. Wenn er mit den anderen Kindern zusammen ist, wirkt er glücklich und wie ein ganz normales Kind.“
Bei dem Erdbeben wurde das Haus der beiden zerstört. Vor der Katastrophe verdiente Yolette als Reisverkäuferin etwas Geld. Jetzt ist sie auf Hilfe angewiesen. „Für eine normale Schule bräuchte Yglesias eine Schuluniform und Bücher“, sagt die alleinerziehende Mutter. „Das könnte ich niemals bezahlen. Hier ist er an einem sicheren Ort – und ich fühle mich auch besser.“
Sabrina Michel, fünf Monate alt, kam kurz nach dem Erdbeben zur Welt. Ihre Mutter starb zwei Tage nach ihrer Geburt. Jetzt kümmert sich ihre Tante Beatrice um die Kleine. Sie kommt regelmäßig in die kleine Beratungsstelle für Mütter, die UNICEF zusammen mit der Partnerorganisation Concern in einem Zelt eingerichtet hat.
Die Betreuerinnen versorgen hier rund 300 Mütter und ihre Babys. Zehn der Kinder haben wie Sabrina ihre Mütter verloren und werden nun von Verwandten versorgt. In dem offenen Zelt schlafen mehrere Babys auf Matratzen. Gemeinsam mit den Müttern singen die Helferinnen ein Lied: „Wir sind Frauen aus Haiti, wir ziehen gesunde Babys auf. Wir stillen sie bis zum zweiten Geburtstag. Sechs Monate lang bekommen sie nichts anderes.“
Auch Beatrice hatte zunächst versucht, Sabrina feste Nahrung zu geben. Jetzt weiß sie, wie anfällig Neugeborene für Infektionen sind – und dass Muttermilch die beste Nahrung für sie ist. Im Zelt kann Beatrice sich spezielle Babynahrung für Sabrina abholen. Sie hat sich zu einem munteren und kräftigen Mädchen entwickelt. „Ich kann mir nicht mehr vorstellen, mich jemals von ihr zu trennen“, sagt Beatrice und lächelt ihre kleine Nichte an.
Alcema Wilben ist 14 Jahre alt und lebt im Pactes Camp in Port-au-Prince. „Wir haben alles verloren, deshalb leben wir in diesem überfüllten Lager“ sagt er. Über 1.200 Menschen haben hier Zuflucht gefunden. Durch die schlechten hygienischen Bedingungen sind besonders Kleinkinder in Gefahr, an gefährlichem Durchfall und anderen Infektionskrankheiten zu erkranken.
UNICEF hilft, Latrinen und Waschmöglichkeiten einzurichten und klärt über Hygiene auf. „Bevor ich herkam wusste ich nicht, dass es so wichtig ist sich nach dem Benutzen der Toilette die Hände zu waschen“, sagt Alcema. „Eine Helferin erzählte mir, dass Sauberkeit wichtig ist, um gesund zu bleiben. Seitdem wasche ich mir die Hände – immer nach der Toilette und vor dem Essen. Und ich wasche mich zweimal am Tag. Meine Mutter hat das zuerst nicht verstanden. Dann habe ich es ihr erklärt, und jetzt macht sie es mir nach.“
Mädchen aus Haiti war Motiv des "UNICEF-Foto des Jahres 2008".
Interview mit der Fotografin
Alice Smeets