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Überschwemmungen in Pakistan

Interview mit Luc Chauvin

Leiter UNICEF-Nothilfe Südasien, zurzeit im pakistanischen Peschawar

18. August 2010

Die Stadt Peschawar ist Hauptort der Provinz Khyber-Pakhtunkhwa, die als erste von den Überschwem-mungen getroffen wurde. Wie ist momentan die Situation im Nordwesten des Landes? Haben die Niederschläge nachgelassen?
Zurzeit regnet es im Nordwesten nicht mehr. Wir müssen uns jedoch mit enormen Verwüstungen auseinandersetzen. Die Infrastruktur ist grösstenteils zerstört. Über 200 Schulen und 40 Krankenhäuser und Gesundheitszentren sind entweder stark beschädigt oder komplett zerstört worden. Ausserdem steht uns noch gut ein Monat des Monsuns bevor, das heißt weitere Niederschläge sind wahrscheinlich.


Sind Teile der Bevölkerung noch immer von Hilfe abgeschnitten?

Ja, leider haben wir immer noch nicht Zugang zu allen betroffenen Dörfern. Das Problem sind die Gebiete in den Bergen. Im Distrikt Kohistan sind 31 Dörfer bis zum heutigen Tag isoliert. Die einzige Möglichkeit, Zugang in diese Gebiete zu bekommen, ist die Beförderung von Hilfsmitteln durch Helikopter, zu Fuß oder mit Maultierkonvois. Wir benötigen mehr Helikopter. Die Vereinten Nationen werden drei zusätzliche Helikopter schicken, das wird den Transport der Hilfsgüter vereinfachen.

Wie kann UNICEF den Kindern helfen?
Momentan verteilen wir Trinkwasser an ungefähr 750.000 Menschen, mindestens 2,5 Millionen Menschen brauchen dringend sauberes Wasser, die Hälfte von ihnen sind Kinder. Wir versorgen die Kinder mit Zusatznahrung, denn 15 bis 20 Prozent der Kinder in der Region sind bereits mangelernährt. Am 17. August haben wir eine Impfkampagne gegen Masern im Distrikt Peshawar begonnen. Die Impfaktionen werden an den Schulen durchgeführt, die als provisorische Feldlager dienen.

Der Schulbeginn wurde um zwei Wochen verschoben. Werden die Kinder in Pakistan bald wieder zur Schule gehen können?
Ja, das Schuljahr beginnt erst am 1. September. Aber es ist noch nicht sicher, dass alle Kinder auch wirklich bald wieder zur Schule gehen können. Allein in der Provinz Khyber-Pakhtunkhwa sind Menschen vor den Fluten in mehr als 1.000 Schulen geflüchtet, da sie ihr Zuhause verloren haben. Es ist klar, dass nicht all diese Menschen bis dann schon ein neues Dach über dem Kopf gefunden haben werden. UNICEF stellt Zelte und Schulmaterial zur Verfügung, so dass die Kinder selbst in provisorischen Einrichtungen zur Schule gehen können, bis zerstörte Schulen wieder aufgebaut sind oder die Menschen ein neues Zuhause gefunden haben.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen vor Ort?
Die Koordination der Hilfe funktioniert gut: UNICEF ist verantwortlich für Wasserversorgung, Ernährung und Schule und arbeitet dabei eng mit anderen Hilfsorganisationen und den Behörden zusammen.

Gibt es etwas, was den Menschen Mut macht?
Die Frustration ist mitunter leider groß. Die Bevölkerung braucht dringend Hilfe und ist natürlich verzweifelt und verärgert, dass die Hilfe nur langsam ankommt. Stellen Sie sich ein Gebiet so groß wie England vor, das unter Wasser liegt. Das gibt Ihnen eine Vorstellung vom enormen Ausmaß der Zerstörung an der Infrastruktur, der Ernte, den Häusern. Es ist enorm – und Kinder sind am stärksten betroffen unter den Millionen Opfern.


Die Fragen stellte Alexandra Rosetti, UNICEF Schweiz

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