Suchen
1 2 3 4 5 6

Überschwemmungen in Pakistan

Reisebericht Daniel Toole:
"Wie halten die Menschen das aus?"

UNICEF-Regionaldirektor für Südasien hat die Überschwemmungsgebiete vom 15. bis 20. August 2010 besucht

 

Sonntag, 15. August 2010: Islamabad

Briefing in Islamabad. Das Ausmaß der Katastrophe ist unglaublich – und außerhalb Pakistans noch immer nicht voll erkannt. Die Not wächst langsam, aber gewaltig.

Es ist die verheerendste Flut seit Jahrzehnten. Die Zerstörungen sind massiv – das bestätigt uns abends auch sichtlich geschockt UN-Generalsekretär Ban Ki Moon.

 

Montag, 16. August 2010: Peshawar

Früh am Morgen brechen wir nach Peshawar auf, der Hauptstadt der Khyber-Pakhtunkhwa- Provinz. Überschwemmungen entlang der Straße und auf den Feldern. Verwüstet ist besonders die Region Charsaddah und Nowshera. Überall ist Schlamm. Tausende campieren in selbstgebauten Zelten auf dem Mittelstreifen. Es gibt nicht genug Lebensmittel und Wasser. 

Auch das UNICEF-Warenlager steht komplett unter Wasser – 1,2 Millionen Hilfsgüter vernichtet! Ich spreche mit einer Frau, die bis auf das, was sie tragen konnte, alles verloren hat. Einige sind in den Fluten ertrunken.

 

Dienstag, 17. August: Islamabad

Zurück in Islamabad. Nehme an einer Besprechung des UN-Teams teil. Drei Millionen Menschen brauchen dringend Hilfe. Doch es werden immer mehr. Die Regierung geht inzwischen von 20 Millionen aus – und einer betroffenen Fläche so groß wie die Schweiz, Österreich und Belgien zusammen. Die Überschwemmungen weiten sich aus, und es regnet weiter.

 

Mittwoch, 18. August: Provinz Sindh

Provinz Sindh: Hier gibt es vier Millionen Flüchtlinge. Nur die Hälfte hat sauberes Trinkwasser. Vom Hubschrauber aus Wasser – nichts als Wasser. Ganze Städte sind überschwemmt, aus den Fluten ragen Strommasten. Und das Wasser fließt weiter und bedroht jeden Tag, jede Stunde neue Dörfer.

War beim Briefing der Provinz-Regierung. Wenn der Damm in Sukkur bricht, ist alles dahin. Er muss halten!

Habe ein Flüchtlingslager besucht. Es war so heiß, der Schweiß lief über mein Gesicht, meinen Nacken. Es ist Ramadan und die meisten Leute fasten  - sie trinken nicht einmal Wasser. Wie schaffen sie das bloß?

Ein Augenblick der Hoffnung: Heute hat im Lager die Schule begonnen. 180 Kinder sitzen da und lernen – darunter viele kleine Mädchen, die vorher noch nie zur Schule gegangen ist.

Abends esse ich mit dem Minister. Iftar – das traditionelle Fastenbrechen. Regierung, Armee, UN und lokale Organisationen arbeiten Hand in Hand. Die Unterstützung ist unglaublich – aber immer noch nicht genug.

Wird die internationale Gemeinschaft schnell genug reagieren? Wir brauchen dringend Hilfe.

 

Donnerstag, 19. August: Distrikt Muzaffargarh, Süd-Punjab

Die Hitze und die Fliegen sind überall.
Die Straße ist überflutet, aber wir kommen durch. Die Lastwagen müssen warten. Unser Fahrer sagt, dass das Wasser schon zurückgegangen sei. Wir hoffen, dass die Straße so lange hält.

Spreche mit einer anderen Frau, die alles verloren hat. Es gibt Tausende, Hunderttausende wie sie. Sie ist mit ihren Kindern vor dem Wasser geflohen, ohne etwas zu Essen, und nur mit den Kleidern, die sie auf dem Leib trugen. Sie hat Durchfall. Ihre Kinder sind krank. Zum Glück ist sie in einem Lager, in dem es zu essen gibt. Ihr Zelt hat nur zwei Seiten. Wenn es regnet, kauert sich die ganze Familie zusammen, um trocken zu bleiben.

Die Wasserversorgung hier im Lager ist gut und es gibt genug zu essen. Die Familie hat Glück – so ist es nicht überall.

Besuche ein Kinderschutzzentrum von UNICEF. Hier gibt es Spielsachen und Menschen, die die Kinder von der schrecklichen Realität ablenken.

UNICEF hat schnell reagiert – fast alle Mitarbeiter aus dem Büro in Lahore sind hier und viele andere. Sie versorgen die Flüchtlinge mit sauberem Trinkwasser und Nahrungsmitteln. Um die Kinder vor Krankheiten zu schützen, führt UNICEF Impfungen durch und stellt eine Zucker-Salz-Lösung gegen Durchfall zur Verfügung.

 

Freitag, 20. August: Letzter Tag

Heute ist mein letzter Tag. Wir fahren am Damm entlang. An einigen Stellen ist Wasser auf beiden Seiten. Es sind 40 Grad draußen. Wie kann man das aushalten?

Einige Leute haben ihr Vieh dabei – wertvollen Besitz, den sie verkaufen können – wenn die Tiere am Leben bleiben. Die Mango-Bäume stehen unter Wasser – sie werden ebenso eingehen wie Felder voller Baumwolle und Hirse. So viele Herden sind verloren.

Wie verkraften das die Menschen? Die auf der richtigen Seite des Damms werden davon profitieren, weil die Preise steigen und sie mehr verdienen.

Wir halten an, um mit einer Familie zu sprechen. 12-15 Kinder hocken dort zusammen. Ihr Vater ist heute nach Hause aufgebrochen. Wie jeden Tag. Er sagt, dass das Haus noch halbwegs steht und Vieh und Besitz OK sind. Er hat Angst vor Plünderungen.  Die Familie hat Wasser vom nahe gelegenen Brunnen und etwas Weizen. Die Reis- und Baumwollfelder sind vernichtet und damit auch die Ernte für nächstes Jahr. Die Familie bekommt Unterstützung aus der Nachbarschaft.

Es ist schön zu sehen, wie man sich hier in Pakistan gegenseitig hilft. Die Töchter der Familie haben die örtliche Koranschule besucht, wo es kostenlosen Unterricht und eine Mahlzeit gab. Jetzt gibt es weder Schulen, noch Madrassas.

Die Regierung hat die Ferien verlängert. In 5.000 Schulen sind Flüchtlinge untergebracht. Über 5.500 Schulen sind zerstört oder beschädigt worden. Drei davon haben wir heute gesehen. Es gibt viel zu tun, das alles wieder aufzubauen.

 

Helfen Sie mit, dass Kinder gesund und sicher aufwachsen und zur Schule gehen können. Danke!

Online spenden
Ja, ich möchte helfen!
Euro

UNICEF Deutschland

Konto 300 000
BLZ 370 205 00

Bank für Sozialwirtschaft Köln