10.09.04 Bei dem Geiseldrama in der nordossetischen Stadt Beslan vom 1. bis 3. September starben nach letzten Schätzungen zwischen 326 und 335 Menschen. Über 150 von ihnen waren Kinder. Weitere 727 Menschen wurden verletzt, darunter mehr als 330 Kinder. Viele Schwerverletzte leiden an Brandwunden, Augenverletzungen oder haben Gliedmaßen verloren. 38 Verletzte sind immer noch in einem kritischen Zustand. Am 8. September wurden noch immer 116 Menschen vermisst.
Die ganze Region um Beslan steht unter Schock. Die Überlebenden und ihre Angehörigen brauchen nicht nur medizinische Hilfe, sondern auch langfristige psychologische Unterstützung. Insbesondere die Kinder können das Geschehen nicht einordnen. Sie brauchen therapeutische Hilfe um die traumatischen Erlebnisse der Geiselnahme und den Verlust von Geschwistern, Eltern, Freunden oder Nachbarn zu verarbeiten.

Akute medizinische Hilfe
Wenige Stunden nach dem Sturm der Schule in Beslan stellte UNICEF vier Krankenhäusern in Wladikavkas, der Hauptstadt Nord-Ossetiens, Schmerzmittel, Antibiotika, Lösungen zur Behandlung von Brandverletzungen, Infusionsbeutel, Spritzen und Verbandszeug zur Verfügung. In Absprache mit anderen Hilfsorganisationen und den lokalen Behörden brachten in dieser Woche zwei Lastwagentransporte von Moskau aus medizinische Hilfsgüter nach Beslan. Darunter sind medizinische Überwachungsmonitore, Verbandszeug, Spritzen, Nadeln, Katheter, Skalpelle, Infusionsbeutel, Bettwäsche, Decken, Matratzen sowie höhenverstellbare Betten.
Psychologische Hilfe für traumatisierte Kinder
Die Kinder in Beslan brauchen langfristige psychologische Unterstützung. UNICEF startet deshalb ein Hilfsprogramm für traumatisierte Kinder. Partner ist die Moskauer Nichtregierungsorganisation „Broken Flowers“. Diese betreute auch Terroropfer nach den Anschlägen auf Moskauer Wohnhäuser 1999 und verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Diagnose und der Behandlung posttraumatischer Belastungsstörungen bei Kindern.
So rasch wie möglich beginnen Experten damit, die Kinder zu untersuchen und die besonders stark traumatisierten unter ihnen ausfindig zu machen. Gleichzeitig wird ein Ausbildungsprogramm für 60 bis 100 lokale Mitarbeiter von Gesundheits- und Sozialeinrichtungen in Beslan organisiert. Diese lernen in speziellen Kursen, wie sie den unter Schock stehenden Kindern langfristig helfen können.
Die neu ausgebildeten „Therapeuten“ suchen die Kinder und ihre Familien zu Hause auf und begleiten sie über einen längeren Zeitraum. Die Helfer werden systematisch angeleitet und von Traumaexperten unterstützt. Auf diese Weise erhalten die Kinder eine langfristige Unterstützung und gleichzeitig entsteht in Beslan und Umgebung ein Netzwerk von Helfern, die die psychosoziale Betreuung von Kindern verbessern können. Das Traumaprogramm ist von jetzt an für einen Zeitraum von eineinhalb Jahren geplant. Für die medizinische und psychologische Hilfe benötigt UNICEF rund 700.000 Euro. UNICEF-Deutschland hat bisher 100.000 Euro für die Soforthilfe in Beslan zur Verfügung gestellt.
UNICEF-Hilfe im Kaukasus
UNICEF leistet seit Jahren Entwicklungs- und Nothilfe für Kinder in der Kaukasusregion – so unter anderem in Nord-Ossetien, Inguschetien, Tschetschenien und Georgien. UNICEF koordiniert in der Region die internationale Hilfe für Bildungsprogramme für Flüchtlingskinder und andere benachteiligte Kinder. Das UNICEF-Büro in Nord-Ossetien ist in der Hauptstadt Wladikavkas. Ungefähr 20 Minuten von Beslan entfernt, in der inguschetischen Stadt Nasran, gibt es ein weiteres UNICEF-Büro.
UNCEF bittet um Spenden für die Kinder in Beslan
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BLZ 370 205 00
Stichwort: Beslan/Russland
Bei Rückfragen und Interviewwünschen wenden Sie sich bitte an die UNICEF-Pressestelle, Rudi Tarneden, Durchwahl 0221/93650-235
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