18.04.05 - Nach neuesten Untersuchungen von UNICEF wird in diesem Jahr die Zahl der Kinder, die nicht zur Schule gehen, voraussichtlich erstmals unter 100 Millionen sinken. Zu Beginn des Jahrtausends waren weltweit noch 121 Millionen Kinder im Grundschulalter vom Schulbesuch ausgeschlossen. Dies geht aus dem heute veröffentlichten UNICEF-Bericht „Fortschritt für Kinder“ hervor, der den Schulbesuch von Mädchen und Jungen in 180 Ländern untersucht. Der Bericht überprüft die Umsetzung des Millenniums-Ziels der Vereinten Nationen, bis 2015 alle Kinder in die Schule zu bringen. Das Fazit: Es gehen heute zwar mehr Kinder zur Schule als jemals zuvor. Doch die Fortschritte beim Zugang zu Grundbildung in den ärmsten Ländern der Erde sind nicht schnell und nicht nachhaltig genug. Ohne massive zusätzliche Investitionen der betroffenen Länder und internationale Hilfe werden die meisten afrikanischen Staaten südlich der Sahara und Südasiens das Ziel „Bildung für alle Kinder“ bis 2015 nicht erreichen.
Vollständiger Bericht zum Download (PDF, 800 KB, in englischer Sprache)
Der Bericht dokumentiert große regionale und geschlechtspezifische Unterschiede beim Zugang zu Bildung. So sind allein in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara 45 Millionen Kinder vom Schulbesuch ausgeschlossen. In Südasien gehen 42 Millionen Kinder nicht zur Schule. Die Einschulungsraten für Mädchen sind zwar seit 1980 überall gestiegen. Doch immer noch kommen im weltweiten Durchschnitt auf 100 Jungen, die nicht zur Schule gehen, 117 Mädchen ohne Zugang zu Unterricht. Das Teilziel, bis 2005 die Benachteiligung der Mädchen beim Schulbesuch zu beenden, wird im Nahen Osten, Nordafrika, West- und Zentralafrika sowie in Südasien nicht erreicht.
„Die Regierungen in den Entwicklungsländern müssen die Schulgebühren abschaffen, um auch armen Kindern den Besuch einer Grundschule zu ermöglichen. Im Gegenzug sollten die Industrieländer zusätzliche Mittel für Schulen bereitstellen“, erklärte der Geschäftsführer von UNICEF Deutschland, Dietrich Garlichs. Von den jährlich weltweit vier Milliarden Dollar Entwicklungshilfe für Bildung sind lediglich 23 Prozent für Grundbildung bestimmt.
UNICEF setzt sich zusammen mit vielen anderen Organisationen seit Jahren gezielt dafür ein, Mädchen in die Schule zu bringen. Seit 1980 stieg in den meisten Entwicklungsländern der Anteil der Mädchen in den Grundschulen. Weltweit gehen heute in 125 von 180 Ländern etwa genauso viele Mädchen wie Jungen zur Schule – auch wenn in vielen dieser Länder die Einschulungsraten insgesamt noch immer niedrig sind. Am schlechtesten sind heute die Bildungschancen für Mädchen im Vergleich zu den Jungen in den afrikanischen Ländern Jemen, Niger, Tschad, Burkina Faso, Mali, Elfenbeinküste, Guinea Bissau, Benin und Guinea. Hier kommen in den Grundschulen auf 100 Jungen lediglich 60 bis 70 Mädchen. In Südasien sind Mädchen in Afghanistan und Pakistan am stärksten benachteiligt. In der ganzen Region sind allein 23,5 Millionen Mädchen nicht in der Schule – fünf Millionen mehr als Jungen.
Haupthindernisse für den Schulbesuch sind nach Angaben von UNICEF Armut, die unzureichende Bildung der Mütter, geographische Faktoren und die unzureichende Qualität des Unterrichts:
Die Verbesserung der Grundbildung – so die Schlussfolgerung des UNICEF-Berichts muss oberste Priorität für die Regierungen und Entwicklungsorganisationen werden.
Bei Rückfragen und Interviewwünschen wenden sie sich bitte an die UNICEF-Pressestelle, Rudi Tarneden, Durchwahl: 0221/93650-235.
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