19.12.05 - Der britische Fotograf David Gillanders ist Sieger des internationalen Wettbewerbs „UNICEF-Foto des Jahres“. Sein Foto zeigt ein Straßenkind in Odessa. Jana war aus Moldawien, dem ärmsten Land Osteuropas, in die ukrainische Hafenstadt gekommen. Abhängig von Drogen und mit dem HI-Virus infiziert starb sie an den Weihnachtstagen des vergangenen Jahres. Sie wurde nur 13 Jahre alt. Janas Schicksal ist typisch für eine verlorene Generation von Kindern und Jugendlichen in vielen Staaten Osteuropas. In keiner anderen Region der Welt breitet sich das HI-Virus so schnell aus wie dort - vor allem, weil Drogensüchtige oft verseuchte Nadeln benutzen. Schätzungsweise ein Prozent der Bevölkerung sind drogenabhängig. 1,4 Millionen Menschen haben sich bereits mit HIV angesteckt. Und das Virus trifft vor allem junge Menschen: 80 Prozent aller Infizierten in Osteuropa sind unter 30 Jahre alt - und jeder zehnte von ihnen ist ein Kind.
„Das UNICEF Foto des Jahres 2005 gibt der AIDS-Katastrophe in Osteuropa ein Gesicht. Es ist ein Appell an unser Mitgefühl. Wir dürfen die Kinder nicht vergessen, die an dem Zusammenbruch ihrer Familien und der sozialen Kälte ihrer Umgebung zugrunde gehen“, sagte UNICEF-Schirmherrin Eva Luise Köhler bei der Preisverleihung.
Für den Wettbewerb reichten 87 der renommiertesten Fotografen aus 20 Ländern insgesamt 894 Bilder ein. Die Jury unter dem Vorsitz von Timm Rautert, Professor für Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, bestimmte auch einen zweiten und dritten Preis sowie sieben lobende Erwähnungen. UNICEF prämiert mit der Auszeichnung zum sechsten Mal Fotos von hohem künstlerischem und fotojournalistischem Niveau, die die Lebensumstände von Kindern illustrieren. Der Wettbewerb wird unterstützt von der Zeitschrift GEO und der Citibank.
Das UNICEF-Foto des Jahres 2005 ist eine Schwarz-Weiß-Aufnahme, die David Gillanders im September 2004 machte. Sie zeigt Jana vor ihrem „Zuhause“ - einem notdürftigen Verschlag in einem Park in Odessa. Eine Gruppe von 20 bis 25 Straßenkindern hat sich diesen Unterschlupf selbst gebaut. Die Jüngsten von ihnen sind erst sechs Jahre alt. Sie betteln, stehlen und prostituieren sich, um zu überleben. Den harten Alltag können sie nur mit Drogen ertragen.
Sie mischen Essig und Ephedrin, das für wenige Rubel in jeder Drogerie erhältlich ist. Durch schmutzige Injektionsnadeln stecken sie sich gegenseitig mit HIV an. Auch Jana wurde so infiziert. „Jana sprach kaum ein Wort, aber sie weinte sehr oft“, berichtet David Gillanders, der viel Zeit mit den Kindern verbracht hat. „Auf dem Foto hält sie noch das T-Shirt in beiden Händen, mit dem sie gerade ihre Tränen weggewischt hat.“ Jana war Vollwaise seit ihrem achten Lebensjahr. Als ihre Mutter in einem moldawischen Gefängnis starb, machte sie sich zusammen mit anderen obdachlosen Kindern auf den Weg nach Odessa. Viele der mehr als hunderttausend Straßenkinder in der ehemaligen Sowjetunion ziehen in kleinen Gruppen von Stadt zu Stadt - meist als blinde Passagiere auf Güterzügen. Ihr Kampf ums Überleben ist kaum zu gewinnen. Seit Janas Tod sind noch drei weitere Kinder aus ihrer Gruppe ums Leben gekommen.
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UNICEF hat die Kampagne „Du und ich gegen AIDS“ gestartet. UNICEF will erreichen, dass Regierungen und Pharmaunternehmen mehr tun, damit HIV-infizierte Kinder medizinisch behandelt, AIDS-Waisen versorgt und Kinder und Jugendliche vor AIDS geschützt werden. Zur Sonderseite
Zweiter Preisträger ist Mauricio Lima aus Brasilien. Seine Aufnahme zeigt den 12- jährigen Ayad, der während des Irakkrieges schwere Verbrennungen erlitt. Der Bauernhof seiner Eltern in der Nähe der Stadt Babylon geriet in die Frontlinie und wurde von amerikanischen Helikoptern angegriffen. Ayads Gesicht ist seitdem entstellt und er ist fast blind. Schlimmer als die äußeren Verletzungen sind die psychischen Folgen. Er geht nicht mehr zur Schule, weil er Angst vor den Hänseleien seiner Mitschüler hat. „Viele Male am Tag stellt er mir dieselbe Frage und ist ohne erkennbaren Grund aggressiv“, berichtet seine Mutter. Ayad wurde inzwischen in den USA medizinisch behandelt, doch sein Augenlicht konnte nicht wiederhergestellt werden.
Der dritte Preis geht an die schwedische Fotografin Frida Hedberg. Sie fotografierte bei einem Schulfest in dem kleinen Dorf Äspered in der Nähe von Göteborg und hat dem prämierten Bild den Titel „Jungen und Mädchen“ gegeben. Es fängt den Blick eines kleinen Jungen ein, der eine erste Ahnung von der Faszination des anderen Geschlechts bekommt.
Besonders gewürdigt wurden zudem
UNICEF zeichnet Fotos und Fotoreportagen aus, die die Persönlichkeit und die Situation von Kindern weltweit auf herausragende Weise dokumentieren. Die Empfehlung durch einen renommierten Fotoexperten ist Voraussetzung für die Teilnahme an dem Wettbewerb. Für das Siegerfoto gibt es als Anerkennung einen Fotoreportage-Auftrag für GEO sowie eine Kameraausstattung, gestiftet von der Firma Isarfoto Bothe. Über die Preisvergabe entscheiden Fotoexperten aus unterschiedlichen Arbeitsgebieten: der Vorsitzende der Jury, Professor Timm Rautert, leitet den Studiengang Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Ruth Eichhorn ist Leiterin der Bildredaktion von GEO, Hamburg, Lutz Fischmann, Geschäftsführer der Fotoagentur Freelens e.V., Hamburg, Sue Harnett, Vorstandsvorsitzende Citibank Deutschland, Düsseldorf, Bernd von Jutrczenka, Leiter dpa-Bild, Frankfurt und Reinhard Schlagintweit, Vorsitzender UNICEF, Köln.
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Ein kostenloser Abdruck der Bilder im Rahmen der Berichterstattung über den Wettbewerb ist möglich.
Rückfragen bitte an die UNICEF Pressestelle, 0221 / 9 36 50 - 315 o. - 234, oder Angela Rupprecht, Projektleiterin „UNICEF-Foto des Jahres“, Tel. 0173 / 5475351.
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