Seit 19 Jahren kämpft die Lord´s Resistance Army (LRA) in Nord-Uganda in einem blutigen Bürgerkrieg gegen die Regierungsarmee. Die Rebellen gehen mit beispielloser Brutalität gegen die Zivilbevölkerung vor. Sie überfallen und brandschatzen Dörfer, foltern und töten.
1,4 Millionen Menschen sind zum Teil seit Jahren auf der Flucht, 80 Prozent von ihnen Kinder und Frauen. Die Zahl der Binnenflüchtlinge hat sich in den vergangenen drei Jahren verdreifacht. Sie leben unter schwierigsten Bedingungen interniert in mehr als 200 Lagern – viele seit mehr als zehn Jahren. Regierungssoldaten können auch in den so genannten „protected villages“ keinen ausreichenden Schutz gewährleisten, immer wieder kommt es zu Gewalt.
Kaum ein anderer bewaffneter Konflikt wird so sehr auf dem Rücken von Kindern ausgetragen wie der Kampf des LRA-Anführers Joseph Kony für einen Staat nach den Geboten Gottes. Seit 1986 wurden rund 25.000 Kinder entführt. Wie viele in der Zwischenzeit starben, ist nicht bekannt. In den vergangenen zwei Jahren wurden jeweils über 3.500 Kinder entführt. UNICEF unterstützte allein in diesem Jahr die Betreuung von mehr als 3.700 frei gekommenen Kindern.
Die Kinder werden mit grausamen Methoden in die LRA eingeführt. Viele müssen andere Kinder töten und erfahren so, was ihnen selbst bei einem Fluchtversuch droht. Sie ziehen über Jahre durch den Busch, kämpfen oder müssen schwere Lasten tragen – immer in der Angst vor den eigenen Kommandeuren und den Regierungstruppen.
Unter den seit Kriegsbeginn entführten Kindern sind rund 7.500 Mädchen. Viele werden sexuell missbraucht und schon als Kinder mit Kämpfern zwangsverheiratet. Mehr als 1.000 Mädchen haben aus dieser Zeit bereits ein Kind. Wenn es ihnen gelingt zu entkommen, leiden sie unter Ablehnung in ihren Gemeinden.
Jeden Tag bei Einbruch der Dämmerung fliehen zwischen 30.000 und 40.000 Kinder aus den umliegenden Siedlungen ohne ihre Eltern in die Städte Gulu, Kitgum und Kalongo, um sich vor den Überfällen in Sicherheit zu bringen. Die so genannten „Nachtpendler“-Kinder legen dabei zu Fuß Strecken zwischen drei und manchmal acht Kilometern zurück.
UNICEF unterstützt 14 Notunterkünfte für Tausende „Nachtpendler“-Kinder, außerdem die psychosoziale Betreuung für ehemals entführte Kinder und junge Mütter. In den Flüchtlingslagern hat UNICEF 2005 durch 44 neue Bohrlöcher und Pumpen rund 300.000 Menschen Zugang zu sauberem Wasser verschafft. UNICEF stellt Medikamente und Impfstoffe bereit, unterstützt 2.300 ehrenamtliche Gesundheitshelfer und stattet derzeit elf Ernährungszentren mit therapeutischer Milch zur Versorgung Tausender schwer mangelernährter Kinder aus. Darüber hinaus versorgt UNICEF Flüchtlingsfamilien mit Decken, Plastikplanen, Wasserkanistern und weiteren Hilfsgütern.