20.06.05 - Anlässlich des Weltflüchtlingstags am 20.Juni fordert UNICEF verstärkte Schutzmaßnahmen für Mädchen und Frauen auf der Flucht und in Notlagern. In zahlreichen Konflikten der Gegenwart werden Vergewaltigungen gezielt als Kriegswaffe eingesetzt. Allein in der sudanesischen Krisenprovinz Darfur wurden im vergangenen Jahr Tausende junge Mädchen bei Überfällen auf ihre Dörfer oder wenn sie die Notlager verließen vergewaltigt. Manche Opfer waren gerade einmal sieben oder acht Jahre alt. Im Osten der Demokratischen Republik Kongo suchten von Herbst 2003 bis Frühjahr 2004 über 8.000 vergewaltigte Mädchen und Frauen bei UNICEF Hilfe. Überall auf der Welt sind Mädchen und Frauen in Flüchtlingslagern sexueller Ausbeutung und Gewalt ausgesetzt.
„Vergewaltigungen und Zwangsprostitution sind schwere Menschenrechtsverletzungen“, sagte Dietrich Garlichs, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. „Die Regierungen sind verantwortlich für den Schutz der Flüchtlinge und Vertriebenen auf ihrem Territorium. Sie müssen Übergriffe verhindern und mit dem internationalen Strafgerichtshof bei der Verfolgung der Täter kooperieren.“
Um den Schutz von Mädchen und Frauen auf der Flucht zu verbessern, fordert UNICEF:
Viele Opfer in Darfur wurden von Milizionären brutal misshandelt. Ein 16-jähriges Mädchen berichtete der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch im Februar 2005, wie sie auf dem Rückweg vom Markt in Nyala überfallen wurde: „Ich wurde mit meiner jüngeren Cousine in den Wald gebracht; ich weiß nicht, wohin sie meine Schwester brachten. Einer zwang mich, mich auf den Boden zu legen. Die ganze Zeit habe ich mich gewehrt. Die ganze Zeit hat der Janjaweed mit seinem Gewehr auf meinen Kopf gezielt. Sie haben angefangen mich zu vergewaltigen. Ich habe stark geblutet, aber ich konnte nichts machen. Es tat so weh, aber die Angst war noch schlimmer als der Schmerz. Vier haben mich vergewaltigt.“
Besonders schwer ist die Situation der Mädchen und Frauen, die nach einer Vergewaltigung schwanger werden. UNICEF-Mitarbeiter berichteten Anfang 2005, wie in einem Lager in Darfur dutzende Babys von vergewaltigten Mädchen und Frauen geboren wurden. Die jungen Mütter sind verzweifelt und können ihr Kind nicht annehmen. Es kann vorkommen, dass sie die Kinder verlassen oder nicht ausreichend versorgen. Manche werden auch von ihren Familien verstoßen oder von den Ehemännern verlassen. Andere werden sofort zwangsverheiratet, um die „Schande“ zu verdecken.
Viele Opfer erleiden auch schwere Verletzungen und infizieren sich mit Geschlechtskrankheiten oder HIV/AIDS. In einem von UNICEF unterstützten Krankenhaus in Bukavu im Ost-Kongo wurde bei jeder vierten vergewaltigten Frau eine HIV-Infektion festgestellt. Angstzustände, Depressionen und psychosomatische Beschwerden bleiben oft ein Leben lang.
Unter dem Druck der Fluchtsituation werden Heranwachsende in Notlagern immer wieder zur Prostitution gezwungen oder sind sexuellen Übergriffen ausgesetzt. Nach einer neuen UNICEF Studie im Vertriebenenlager Pabbo im Norden Ugandas gehören dort Vergewaltigungen und sexueller Missbrauch zum Alltag der über 63.000 Bewohner. Die meisten Opfer sind zwischen 13 und 17 Jahre alt und extrem arm. Oft werden sie gezwungen, sich für Nahrung oder andere lebenswichtige Güter zu prostituieren. Viele Männer lassen auch ihre Frust und ihre Hoffnungslosigkeit unter Alkoholeinfluss an den Frauen aus. Weil es im ganzen Lager nur sechs Sicherheitskräfte gibt, werden Misshandlungen nicht geahndet. Medizinische und psychologische Hilfe gibt es kaum. Das Lager wurde bereits 1986 für Familien eingerichtet, die vor den Übergriffen der so genannten „Lord´s Resistance Army“ zuflucht suchten.
UNICEF unterstützt in Kriegs- und Krisengebieten Frauen- und Selbsthilfegruppen und schult Helfer im Umgang mit den traumatisierten Opfern sexueller Übergriffe. Im Osten des Kongo erhalten vergewaltigte Mädchen und Frauen in zwei Krankenhäusern in Goma und Bukavu medizinische Hilfe und werden in einem Rehabilitationszentrum auf die Rückkehr in ihre Dörfer vorbereitet. In Darfur hat UNICEF Polizisten ausgebildet, die die Überfälle untersuchen und dokumentieren sollen. In Nord-Uganda unterstützt UNICEF die psychologische Betreuung sowie soziale Hilfen für vergewaltigte und misshandelte Mädchen und Frauen.
Bei Rückfragen und Interviewwünschen wenden Sie sich bitte an die UNICEF-Pressestelle, Rudi Tarneden, 0221/93650-235