Steffen Seibert, ZDF-„Heute“-Moderator, reiste im Juli gemeinsam mit der UNICEF-Vorsitzenden Heide Simonis nach Indien, inzwischen das Land mit den meisten HIV-infizierten Menschen weltweit. Eindrücke einer Reise nach Mumbai (Bombay) und in die Dörfer des Bundesstaates Maharashtra.
Längst haben brandneue Autos, Handys und internationale Modeboutiquen Mahatma Gandhis Spinnrad als Symbole des modernen Indien verdrängt. Indiens Wirtschaft brummt und beeindruckt den Westen mit jährlichen Wachstumsraten über 30 Prozent. Doch seit kurzem hält der gigantische Subkontinent mit seiner Bevölkerung von über einer Milliarde Menschen einen weiteren traurigen Rekord: Indien hat 2005 Südafrika als Land mit der größten Zahl HIV-infizierter Menschen abgelöst. 5,7 Millionen Inder sind infiziert – das sind zwei Drittel aller HIV-Infektionen in ganz Asien. Weit verbreitete Prostitution und das geringe Wissen über AIDS haben ermöglicht, dass inzwischen einer von hundert Erwachsenen infiziert ist.
Erst langsam gewinnt der Kampf gegen die Krankheit in Indien an Fahrt. Nur jeder zehnte AIDS-Patient erhält die lebensverlängernden Viren hemmenden Medikamente – Kinder sind bisher fast ganz von der Therapie ausgeschlossen. Und nur jeder zweite weiß, wie man sich, zum Beispiel durch Kondome, schützen kann. Schon jetzt warnen Forscher davor, dass AIDS sogar das scheinbar nicht zu bremsende Wirtschaftswachstum des Landes bedrohen könnte. Indien hat eine Chance, die Epidemie zu stoppen – doch für die Millionen Infizierten sind die Folgen von AIDS schon jetzt verheerend.
