20.04.06 - Jedes zehnte Kind in Deutschland ist von Armut betroffen. Die Kinder sind in vieler Hinsicht benachteiligt und ausgegrenzt: Sie müssen auf Taschengeld, Klassenfahrten, Sport- oder Freizeitangebote verzichten. Vor allem haben sie bei gleichen Fähigkeiten deutlich schlechtere Chancen auf eine gute Ausbildung als Kinder wohlhabender Eltern. Auf Einladung von UNICEF und Deutschem Kinderschutzbund filmen in dieser Woche 17 Jungen und Mädchen aus dem Ruhrgebiet, wie sie selbst Armut sehen und erleben. Unter Anleitung erfahrener Filmemacher schreiben, drehen und produzieren die 13- bis 17-jährigen Kinder und Jugendlichen jeweils einminütige Videos. „Niemand kann besser sichtbar machen, was Armut für Kinder bedeutet, als sie selbst“, so UNICEF-Mitarbeiter Chris Schüpp, der das Projekt leitet. Fußball-Nationalspieler Christoph Metzelder von Borussia Dortmund besuchte die Dreharbeiten in Bochum: „Kinderarmut in einem reichen Land wie Deutschland muss nicht sein. Wenn wir etwas für diese Kinder tun wollen, müssen wir lernen, die Welt mit ihren Augen zu sehen“, sagte Metzelder.
Nach Schätzungen des Kinderschutzbundes leben fast zwei Millionen deutsche Kinder und Jugendliche auf Sozialhilfeniveau. Armut ist vor allem für viele Kinder allein erziehender Eltern und aus Zuwandererfamilien Alltag. 40 Prozent der Kinder Alleinerziehender sind nach UNICEF-Untersuchungen arm. Besonders schwerwiegend ist, dass die Kinder von guter Bildung abgekoppelt werden. Kinder aus Familien mit niedrigem Bildungsstand haben eine dreimal höhere Wahrscheinlichkeit, nur unzureichend lesen und schreiben zu lernen, als Altersgenossen aus privilegierteren Elternhäusern. Viele Kinder, die in sozialen Brennpunkten und unter beengten Wohnverhältnissen aufwachsen, haben Schwierigkeiten, dem Unterricht zu folgen und brechen die Schule öfter früh ab. Dazu tragen mangelhafte Ernährung, gesundheitliche Probleme sowie Alkohol- und Drogenkonsum bei. Nach Untersuchungen trinken im Alter von zwölf Jahren bereits 36 Prozent der Kinder regelmäßig Alkohol.
UNICEF organisiert den Workshop in Zusammenarbeit mit der Europäischen Kulturstiftung und dem Sandberg Institut Amsterdam. Den jungen Filmemachern aus Bochum, Dortmund, Essen und Herne sind hinsichtlich der künstlerischen Gestaltung keine Grenzen gesetzt. Außer durch die Zeit, denn jedes Video muss exakt 60 Sekunden lang sein. UNICEF führt Videoworkshops im Rahmen des internationalen Projekts OneMinutesJunior seit 2002 durch, seitdem sind bereits über 600 Kurzfilme produziert worden. Der Kinderkanal von ARD und ZDF (KI.KA) begleitet den Workshop als Medienpartner. UNICEF, Deutscher Kinderschutzbund, das Bündnis für Kinder und KI.KA werden die Filme auch bei einer gemeinsamen Konferenz unter dem Motto „Deutschland für Kinder“ zum Thema Kinderarmut im Sommer 2006 in Berlin zeigen.
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