03.02.06 - Vier Monate nach dem schweren Erdbeben in Pakistan zieht UNICEF eine positive Bilanz der bisherigen Nothilfe. „Trotz der massiven Zerstörungen und großer logistischer Schwierigkeiten ist es gelungen, das Überleben der Kinder zu sichern“, sagte UNICEF-Vorsitzende Heide Simonis nach ihrer Rückkehr aus der Notregion in Berlin. „Eine zweite Katastrophe nach dem Erdbeben wurde verhindert.“ Bislang starb kein Kind an Seuchen und Unterernährung. Durch den raschen Aufbau von Lagern für die Obdachlosen, die Bereitstellung von sauberem Wasser und Impfkampagnen blieb der befürchtete Anstieg der Kindersterblichkeit aus.
Trotzdem sind die Lebensbedingungen in den Auffanglagern äußerst hart. Vielköpfige Familien wohnen in kleinen, nicht beheizbaren Zelten in Kälte und Feuchtigkeit. So bald es die Wetterbedingungen zulassen, brauchen die Menschen massive Unterstützung, um rasch in ihre Dörfer zurück zu kehren und ihre Häuser wieder aufzubauen. Schulen, Gesundheitsstationen und andere öffentliche Einrichtungen müssen in den Dörfern dann zumindest provisorisch wieder in Stand gesetzt sein.
UNICEF bereitet deshalb die Kampagne „Zurück in die Schule“ vor. Hierfür sollen 8.000 Schulzelte aufgebaut und Tausende „Schulen in der Kiste“ mit Schulmaterial für Lehrer und Kinder bereitgestellt werden. Bis Mitte April sollen 450.000 Kinder im Grundschulalter zur Schule gehen können.
„Schule ist der Ort, wo die Kinder das Trauma des Erdbebens verarbeiten und neue Hoffnung schöpfen können“, sagte Heide Simonis. Die Kampagne „Zurück in die Schule“ ist auch eine große Chance für die Kinder in der Region, die vor der Katastrophe nicht in die Schule gegangen waren. Vor allem viele Mädchen haben in den Notaufnahmelagern das erste Mal in ihrem Leben Schulunterricht kennen gelernt.
UNICEF führt in dem Katastrophengebiet eine seiner größten Nothilfeaktionen durch. In den vergangenen Monaten hat UNICEF Hunderttausende Winterpakete mit jeweils einer warmen Jacke, Stiefeln und einer Mütze und fast eine Million Decken verteilt. UNICEF organisiert die Wasserversorgung und Sanitäranlagen in vielen Auffanglagern. 9.600 Latrinen wurden eingerichtet. Mangelernährte Kinder erhielten proteinhaltige Kekse als Zusatznahrung. Eine Million Kinder wurden gegen Krankheiten wie Masern oder Tetanus geimpft. UNICEF half auch, rund 50 Gesundheitsstationen einzurichten. So war es möglich, kleinere Ausbrüche von Diphtherie und Durchfallerkrankungen schnell einzudämmen.
Schulen: Rund 8.000 der etwa 11.500 Schulen in der Region wurden durch das Erdbeben komplett zerstört, viele weitere wurden stark beschädigt. Sie müssen vorübergehend durch Zeltschulen ersetzt werden. Gleichzeitig muss mit den Reparatur- und Wiederaufbauarbeiten begonnen werden. Tausende Lehrer müssen lernen, wie sie traumatisierten Kindern helfen können.
Gesundheitsversorgung: Das Erdbeben zerstörte schätzungsweise 70 Prozent aller Gesundheitseinrichtungen in der Region. Viele Ärzte und Pflegekräfte wurden selbst Opfer des Bebens, bei dem nahezu 80.000 Menschen starben und 75.000 zum Teil schwer verletzt wurden. Tausende Kinder benötigen langfristig medizinische Hilfe und Rehabilitation, weil sie gelähmt wurden oder Arme oder Beine amputiert werden mussten. Viele brauchen auch psychosoziale Betreuung, weil sie schwer traumatisiert wurden.
Trinkwasser: Das Erdbeben hat die Wasserversorgung in der gesamten Region schwer beschädigt. Verschmutztes Wasser führt schnell zu Durchfallerkrankungen, die besonders für Kleinkinder lebensbedrohlich sind. UNICEF organisiert zusammen mit den lokalen Behörden die Reparatur der Wasseraufbereitungsanlagen und Leitungen. So setzte UNICEF im zerstörten Muzaffarabad die Wasserversorgung wieder in Gang. Allein hier erhalten jeden Tag 160.000 Menschen sauberes Trinkwasser. In den kommenden zwei Jahren wird UNICEF die Trinkwasserversorgung in 1.500 Dörfern und kleineren Städten wieder in Stand setzen.
Weitere Zahlen und Fakten zum Stand der UNICEF-Nothilfe
Mit der Aktion „Bringt die Kinder durch den Winter“ hat UNICEF seit Oktober Spenden gesammelt, um die rund 235.000 obdachlosen Familien zu versorgen. Fast alle von ihnen haben inzwischen Hilfe erhalten: Trinkwasser, Nahrung, Decken und Kleidung. Die UNICEF-Nothilfe wurde mit Spenden aus Deutschland in Höhe von mehr als 18 Millionen Euro unterstützt. Große Firmen wie Siemens, C&A und Otto Group unterstützten UNICEF insbesondere bei der Beschaffung von warmen Kleidern für die Kinder. Allein die Mitarbeiter von Siemens spendeten 270.000 Euro für die Pakistan-Nothilfe.
Spendenkonto 300.000
Bank für Sozialwirtschaft: 370 205 00
Stichwort: Erdbeben Asien
Sendefähiges Bildmaterial von der Reise mit Heide Simonis stellen wir Ihnen gern bei der Pressekonferenz zur Verfügung.
dpa-Bild bietet Fotos von der Reise an.
Bei Interviewwünschen und Rückfragen wenden Sie sich bitte an die UNICEF-Pressestelle, Helga Kuhn, 0221/93650-234 oder -315


