02.05.06 - Jedes vierte Kind unter fünf Jahren in den Entwicklungsländern ist nach einer neuen UNICEF-Studie untergewichtig, viele davon in einem lebensbedrohlichen Ausmaß. Das sind schätzungsweise 146 Millionen Kinder. Unterernährung spielt bei mehr als der Hälfte der jährlich 10,6 Millionen Todesfälle von Kindern eine entscheidende Rolle. Die geschwächten Kinder, die häufig in unhygienischen Verhältnissen aufwachsen, haben Krankheiten wenig entgegenzusetzen. Auch wenn die Kinder überleben, wird ihre gesamte körperliche und geistige Entwicklung beeinträchtigt.
Der UNICEF-Bericht kritisiert die unzureichenden Fortschritte im weltweiten Kampf gegen Unterernährung. So sank seit 1990 der Anteil der untergewichtigen Kinder im Weltdurchschnitt lediglich um fünf Prozent – bei großen regionalen Unterschieden. Am größten ist die Ernährungsproblematik bei Kindern nicht etwa in Afrika, sondern in Asien. Dort sind 46 Prozent der Kinder untergewichtig – in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara sind es 28 Prozent. Der Anteil der betroffenen Kinder ist überall auf der Welt in ländlichen Gebieten fast doppelt so hoch wie in den Städten.
UNICEF betont, dass auf jedes sichtbar untergewichtige Kind noch viele weitere Kinder kommen, die an chronischem Mangel an Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen leiden. Diese Mangelernährung hat gravierende Folgen: Allein 37 Millionen Neugeborene sind jedes Jahr durch Jodmangel von geistiger Behinderung bedroht. Eisenmangel ist eine der Hauptursachen für die hohe Müttersterblichkeit in den Entwicklungsländern.
„Der Stillstand bei der Bekämpfung des Hungers ist tödlich“, erklärte UNICEF-Direktorin Ann Veneman anlässlich der Vorstellung des Berichts. „Ernährung entscheidet maßgeblich darüber, ob ein Kind überlebt, erfolgreich lernen und vielleicht einmal der Armut entkommen kann.“
Der vollständige Bericht zum Download (PDF, 1 MB)
Mit dem Bericht dokumentiert UNICEF Fortschritte und Herausforderungen bei der Umsetzung der so genannten Millenniumsziele der Vereinten Nationen. Im Jahr 2000 hatten sich die Regierungen unter anderem zur Halbierung des Anteils der untergewichtigen Kinder bis zum Jahr 2015 verpflichtet.
UNICEF weist darauf hin, dass Nahrungsmittelhilfe nicht ausreicht, um die Ernährungssituation der Kinder zu verbessern. Denn die Ursachen liegen nicht nur im Fehlen von Nahrung, sondern in der Kombination vieler Faktoren: Armut, unhygienische Lebensverhältnisse, mangelnde Bildung und Benachteiligung. Krankheiten wie Malaria und Durchfall entziehen den Kindern Nährstoffe. Die AIDS-Epidemie stürzt Millionen Familien in Armut und lässt die Kinder schutzlos zurück.
Mit umfassenden Programmen versucht UNICEF deshalb, ein „Sicherheitsnetz“ für eine gesunde Ernährung der Kinder zu knüpfen. Dazu gehören zum Beispiel eine bessere Betreuung von Frauen während Schwangerschaft und Geburt und die Förderung des Stillens. Millionen Kinder und Frauen erhalten jedes Jahr Vitamin-A- und Eisentabletten. UNICEF setzt sich auch für die Anreicherung von Speisesalz mit Jod ein und unterstützt Ernährungsberatung für HIV-positive Schwangere und Hilfen für AIDS-Waisen. In Krisengebieten überwacht UNICEF den Ernährungszustand der Kinder, verteilt Zusatznahrung an bedrohte Kinder und richtet therapeutische Ernährungszentren ein, in denen schwer unterernährte Kinder medizinisch versorgt werden.
Bitte wenden Sie sich bei Rückfragen und Interviewwünschen an die UNICEF-Pressestelle, Rudi Tarneden, 0221/93650-235
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