24.10.2006 - Für die Kinder in Deutschland sind zwischen-menschliche Werte wie Freundschaft, Vertrauen und Zuverlässigkeit wichtiger als Geld - und als gute Manieren. Dies ist das Ergebnis des ersten repräsentativen Kinder-Werte-Monitors, den das Kindermagazin „GEOlino“ anlässlich seines zehnten Geburtstages in Zusammenarbeit mit UNICEF und mit Unterstützung des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung durchgeführt hat.
Danach verfügt die Altersgruppe der 6- bis 14-Jährigen über einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und eine große Hilfsbereitschaft. Diese „idealistische“ Orientierung steht aber nicht im Widerspruch zu einer insgesamt pragmatischen Grundeinstellung. So hat für die heutigen Kinder – anders als noch in den 1980er Jahren - Leistungsbereitschaft eine genauso hohe Bedeutung wie Gerechtigkeit oder Hilfsbereitschaft sie haben.
Für alle befragten Kinder haben die Kinderrechte einen hohen Stellenwert. Am wichtigsten ist ihnen das Recht, ohne Gewalt aufwachsen zu dürfen. Zum einen wollen sie selbst vor Gewalt geschützt sein, zum anderen ist es ihnen besonders wichtig, dass Kinder in Kriegs- und Krisengebieten Schutz und Hilfe finden.
Die meisten Kinder haben heute offenbar gute und vertrauensvolle Beziehungen zum Elternhaus. So nennen sie als wichtigste Vermittlungsinstanzen und Vorbilder für ihre Werte Eltern und Großeltern. Im Teenageralter gewinnen Freunde und die Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen bei der Wahl von Vorbildern an Bedeutung. Berühmte Personen, die Medien und die Kirchen spielen bei den 6- bis 14-Jährigen bei der Wertevermittlung eine untergeordnete Rolle. Am wenigsten bringen die deutschen Kinder Politiker mit der Vermittlung von Werten in Verbindung.
„Kinder entwickeln schon früh ein Bewusstsein für Gerechtigkeit und die Bereitschaft, sich für andere einzusetzen. Wir wollen ihnen die Erfahrung vermitteln, dass es sich lohnt, danach zu handeln – in der Familie, in der Schule, im Verein und auch in der Politik“, sagte Entwicklungministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul bei der Vorstellung der Studie in Berlin.
„Wer Kinder stärken will, muss ihre Familien stärken und ihnen gute Lern- und Bildungsmöglichkeiten verschaffen. Deshalb ist es so schlimm, dass in Deutschland die soziale Herkunft mehr als in den meisten anderen Industrie-ländern über den Schulerfolg von Kindern entscheidet“, sagte Dietrich Garlichs, Geschäftsführer von UNICEF.
„Die heutigen Kinder haben Zugang zu mehr Informationen und wissen mehr über ihre Rechte als frühere Generationen. Sie wollen ernst genommen und nicht nur als Konsumenten betrachtet werden“, sagte Gerd Brüne, Verlagsleiter der GEO-Gruppe, in deren Auftrag die Umfrage im Sommer 2006 durchgeführt wurde.
Entgegen der verbreiteten Einschätzung, dass Heranwachsende heute eher auf sich bezogen sind, zeigt die Umfrage, dass die meisten deutschen Kinder gerne bereit sind, sich für Menschen oder Werte einzusetzen. Am stärksten ist die Einsatzbereitschaft ausgeprägt, wenn es darum geht, Freunden zu helfen. Großes Interesse besteht aber auch am Engagement für Tiere,
Vereine sowie ärmere oder hilfebedürftige Menschen – am geringsten ist bei den 6- bis 14-Jährigen das Interesse am Umweltschutz. Der Schwerpunkt des Engagements liegt dabei im Lebensumfeld der Heranwachsenden. Klassische Organisationen wie Parteien, Gewerkschaften oder Bürgerinitiativen spielen nur eine untergeordnete Rolle.
Nach der Umfrage haben die meisten Kinder ein gutes und komplexes Verständnis von Werten:
Hierunter verstehen die Kinder in erster Linie, „sich etwas zutrauen“, „Ängste zu überwinden“ - und zwar auch stark zugunsten anderer, um zum Beispiel Schwächeren zu helfen oder Gerechtigkeit herzustellen:
„Wenn jemand geschlagen wird, laut zu sagen, ´Lass das sein´!“ (Junge 6 Jahre)
Diesen Wert bringen die Kinder vorrangig mit „sich um Andere, um Schwächere kümmern“ in Verbindung. Dies betrifft vor allem ihr Nahumfeld in der Familie oder andere Kinder - und auch Haustiere. Die Kinder erkennen klar, dass es hilfsbedürftige Menschen gibt, um die man sich kümmern muss:
„Dass Eltern sich um Kinder kümmern müssen, dass man andere Leute nicht ausschließt, dass man Menschen, die auf der Straße liegen, hilft.“ (Mädchen, 9 Jahre)
beziehen die Kinder vor allem auf das Akzeptieren anderer Meinungen
„Meine Freundin ist peinlich. Sie hört Tokio Hotel. Sie ist aber dennoch meine Freundin. Das ist tolerant.“ (Junge, 11 Jahre)
Am zweithäufigsten verstehen die Kinder unter Toleranz die Achtung gegenüber anderen Nationen.
„Alle Menschen sind gleich“. (Junge, 7 Jahre)
Im Auftrag von GEOlino und in Zusammenarbeit mit UNICEF hat das Marktforschungsinstitut Synovate Kids+Teens im Juni und Juli 2006 insgesamt 908 Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren aus ganz Deutschland in persönlichen Interviews zu ihren Wertvorstellungen befragt.
Die Kinder waren repräsentativ nach Alter, Geschlecht, Schulbildung, Bundesländern und Gemeindegrößen ausgewählt worden und stehen stellvertretend für rund 7,3 Millionen Kinder in dieser Altersgruppe. Zusätzlich wurde die Meinung der Mütter der 6- bis 12-Jährigen erhoben.
Die Kinder wurden zuerst spontan nach für sie bedeutsamen Werten gefragt, bevor 20 vorgegebene Werte auf ihre Wichtigkeit hin beurteilt werden sollten. Dieselben 20 Werte wurden auch den Müttern zur Beurteilung vorgelegt. Kinder und Mütter sollten außerdem bewerten, wen sie für die Vermittlung von Werten bei Kindern in der Verantwortung sehen.
Das Kindermagazin GEOlino startete 1996 als eine Sonderausgabe von GEO; Anlass war der 50. Geburtstag von UNICEF. Zehn Jahre später erscheint GEOlino in Zusammenarbeit mit UNICEF zwölf Mal im Jahr in einer Auflage von knapp 260.000 Exemplaren.
Bei Rückfragen wenden Sie bitte an: UNICEF: Rudi Tarneden 0221/93650-235 oder 315; GEOlino: Maike Pelikan, Telefon: 040/3703-2157
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