Die UN-Kinderrechtskonvention wird „volljährig“ / Kritische Bilanz
16.11.2007 - Anlässlich des 18. Geburtstags der UN-Kinderrechtskonvention am 20. November ruft UNICEF die Regierungen dazu auf, entschiedener für die Verwirklichung der Kinderrechte einzutreten. So gehen bis heute weltweit fast 100 Millionen Kinder nicht zur Schule. Trotz erhöhter Aufmerksamkeit und besserer Schutzgesetze müssen immer noch fast 220 Millionen Kinder zwischen fünf und 17 Jahren arbeiten. Und jedes Jahr werden 1,2 Millionen Mädchen und Jungen Opfer von Menschenhändlern. Insbesondere Mädchen werden in vielen Ländern diskriminiert und sind oftmals brutaler Gewalt und grausamen Praktiken wie der Beschneidung ausgesetzt. Selbst das Grundrecht auf Überleben ist nicht gesichert: Mehr als 200 Millionen Kinder, die seit der Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention am 20.11.1989 geboren wurden, starben vor ihrem fünften Geburtstag - meist an vermeidbaren oder behandelbaren Krankheiten.
UNICEF weist darauf hin, dass die Regierungen mit ihrer Unterschrift unter die Kinderrechtskonvention allen Kindern das Recht auf Überleben, Entwicklung, Schutz und Beteiligung garantiert haben. Bis auf Somalia und die USA haben alle Staaten die Konvention unterzeichnet.
Die Kinderrechtskonvention drückt die weltweit gültigen Grundwerte im Umgang mit Kindern aus. Sie schärft das Bewusstsein für Kinderrechtsverletzungen und hat in vielen Ländern zu Gesetzesänderungen geführt. Sie hat auch in den Industrieländern mehr Aufmerksamkeit für benachteiligte und ausgeschlossene Kinder geweckt und dazu beigetragen, dass Kinder heute ernster genommen werden. Allerdings ist ihre Wirksamkeit abhängig vom politischen Willen der Regierungen, dem Engagement der Zivilgesellschaft und dem Einsatz von Kindern und Jugendlichen selbst.
"Die Regierungen haben sich verpflichtet, das Wohl der Kinder bei allen sie betreffenden Entscheidungen vorrangig zu berücksichtigen. Wir alle müssen entschiedener für die Verwirklichung der Kinderrechte eintreten", sagte Heide Simonis, Vorsitzende von UNICEF Deutschland.
UNICEF zieht eine kritische Bilanz bei der Verwirklichung der Kinderrechte:
Kinderrechte in Deutschland

Auch in Deutschland hat die Kinderrechtskonvention positive Impulse gesetzt - so zum Beispiel beim gemeinsamen Sorgerecht, beim Verbot der Prügelstrafe oder aktuell bei der Reform des Unterhaltsrechts. Trotzdem: Auch bei uns können viele Kinder ihre Rechte nur eingeschränkt wahrnehmen. So lebt jedes siebte Kind auf Sozialhilfeniveau. Kinder aus benachteiligten Verhältnissen haben schlechtere Bildungschancen. Die Kinderrechte gelten bis heute auch nur unter Vorbehalt: Flüchtlingskinder ohne festen Aufenthaltstitel sind bei der medizinischen Versorgung und bei der Bildung benachteiligt. 16-jährige Asylbewerber können sogar zusammen mit Erwachsenen in Abschiebehaft genommen werden.
UNICEF fordert für Kinder in Deutschland:
Bei Rückfragen und Interviewwünschen wenden Sie sich bitte an die
UNICEF-Pressestelle, Rudi Tarneden, Durchwahl 0221/93650-235 oder -315.
Ein ausführliches Themenpaket zum 18. Geburtstag der Kinderrechtskonvention
finden Sie unter www.unicef.de/kinderrechte18.html
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