1. Marian, fünf Jahre nach dem Weltkindergipfel fährst Du nach New York, um mit anderen Kindern und Jugendlichen gemeinsam mit den Regierungen Bilanz zu ziehen. Was erwartest Du Dir davon?
Zuerst einmal denke ich, dass dieses Treffen fünf Jahre nach dem Weltkindergipfel dringend notwendig ist, um die Sondersitzung von 2002 mit all ihren Formulierungen und Versprechen in die Köpfe der Politiker zurückzuholen. Die Staaten sollten sich selbstkritisch mit dem Fortschritt in den letzten fünf Jahren auseinandersetzen, anstatt nur alles schönzureden. Uns, den Kindern und Jugendlichen, kommt auf diesem Treffen eine besonders wichtige Rolle zu. Erstens sollten wir mit unserer Partizipation zeigen, dass auch wir die Sondersitzung von 2002 nicht vergessen haben und dass wir unser Versprechen aus der Deklaration der Kinder „A World Fit for Us“ von damals einlösen wollen, die Erwachsenen „in ihren Handlungen für die Kinder zur unterstützen“. Zweitens sollten wir als Mahner dienen, um den Forderungen und der Notwendigkeit nach Veränderung Nachdruck zu verleihen. Drittens und das ist das wichtigste, sollten wir als „Experten in eigener Sache“ mit eigener Meinung gehört und ernst genommen werden!
Persönlich erwarte ich mir von der Zeit in New York einen spannenden Austausch mit anderen Jugendlichen und neue internationale Kontakte. Ich hoffe, dass wir in dieser Zeit gemeinsam etwas bewegen können!
2. 2002 warst Du mit 10 Jahren einer der jüngsten Teilnehmer beim Weltkindergipfel. Woran erinnerst Du Dich besonders?
Besonders stark war für mich damals das Children’s Forum: 404 Kinder aus 154 Ländern, die sich zusammen austauschten, diskutierten und Spaß hatten! Nationalität, Geschlecht, Hautfarbe – alle Unterschiede wurden überwunden und es war ein starker Zusammenhalt zu spüren. In nur drei Tagen einigten wir uns auf eine knappe Erklärung. Eines meiner Lieblingsstatements im Fernsehen damals war: Das sollen uns die Erwachsenen erstmal nachmachen!
Ein Highlight war natürlich, als wir bei der Abschlussveranstaltung des Children’s Forum einen ganz besondern Gast hatten: Nelson Mandela kam, um uns Mut zu machen. Seine Ausstrahlungskraft werde ich nie vergessen!
3. Was hast Du damals dort gelernt?
Schon im ganzen Vorbereitungsprozess habe ich gelernt, über Probleme nachzudenken, mir eine eigene Meinung zu bilden und diese auch wirkungsvoll zu formulieren. Dann noch diese Internationalität, die Teilnahme an einem UN-Gipfel – für einen damals Zehnjährigen natürlich eine überwältigende Erfahrung! Heute als Sechzehnjähriger kann ich über die Probleme und Themen viel differenzierter nachdenken und das ganze ein bisschen besser überblicken, was natürlich auch eine Menge Verantwortung mit sich bringt…
4. Wie setzt Du Dich für Kinderrechte ein?
Ich bin inzwischen seit neun Jahren für Kinderrechte aktiv. Meine „Heimatorganisation“ ist nach wie vor terre des hommes. Damals gründeten wir ein „Kinderrechtsteam“, aus dem dann später die „Jugend AG Melle“ entstand. Momentan sind wir vier engagierte Jugendliche. Während wir zu Beginn regelmäßig Spenden sammelten, uns als Straßenkinder verkleideten, Straßenmusik oder Theater inszenierten, sind wir heute bei terre des hommes als Experten tätig. Das heißt, wir helfen bei der Organisation von Veranstaltungen, arbeiten in verschiedenen Workshops (kürzlich zum Thema Wasser) oder nehmen z.B. am „3. Weltkongress der Kinderrechte teil“, der im November in Barcelona stattfand.
Bei Unicef habe ich schon auf Pressekonferenzen oder Diskussionen gesprochen und sitze in der Jury zum „Juniorbotschafter-Preis“, der jährlich vergeben wird.
5. Wenn Du vor der UNO die Chance bekommst Fragen zu stellen: Was sind Deine wichtigste Fragen?
Ich habe gelernt, dass man Fragen so direkt und eventuell auch provokant wie möglich stellen sollte. Da wären z.B.:
Das Interview führte Rudi Tarneden.
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