Der Bürgerkrieg in Sierra Leone gilt als einer der grausamsten der vergangenen Jahrzehnte. Rund zwei Millionen Einwohner des fünf Millionen Staates wurden zwischen 1991 und 2002 aus ihren Dörfern vertrieben worden, 200.000 wurden getötet. Nach Schätzungen von UNICEF sind mehr als 20.000 Kinder von ihren Familien getrennt und rund 8000 Jungen und Mädchen als Soldaten missbraucht worden. Finanziert wurden die Kämpfe aus dem Diamantenhandel.
1930 wurden im Osten des Landes erstmals die begehrten Edelsteine gefunden. Sie wurden zum wichtigsten Exportartikel des damaligen britischen Protektorats. 1961 erreichte Sierra Leone seine Unabhängigkeit von Großbritannien. Doch die neuen Machtverhältnisse und der Reichtum an Bodenschätzen führten nicht dazu, dass sich die Lebensverhältnisse der Bevölkerung verbesserten. Korruption, hohe Arbeitslosigkeit und Analphabetismus waren weit verbreitet.
Im Jahr 1991 griff die Armee Sierra Leones im Nachbarland Liberia zugunsten der dortigen Regierung ein. Als der Rebellenführer Charles Taylor in Liberia an die Macht kam, fiel eine Gruppe seiner Verbündeten, die Revolutionary United Front (RUF), im März 1991 in Sierra Leone ein. Die RUF, darunter viele Kindersoldaten, begannen die zivile Bevölkerung zu terrorisieren und die schlecht ausgerüstet Armee zu demoralisieren. Gefangene, die nicht getötet wurden, trennten sie die Hände ab, damit sie nicht mehr in der Lage waren, Waffen zu tragen und so die Regierung zu unterstützen.
Ein Krieg um die Kontrolle der Rohstoffe begann. Da die Rebellen kurz nach Ausbruch des Krieges bereits mehrer Städte und Minen im Osten des Landes erobert hatten, flossen die Einkünfte der Diamantengewinnung an die RUF, während die Regierung leer ausging. Die unterbezahlte Armee begann ebenfalls Dörfer zu überfallen und zu plündern. Liberias Regierungschef Taylor versorgte die RUF mit Waffen im Tausch gegen Diamanten.
1996 wurde der Zivilist Ahmed Tejan Kabbah zum Präsidenten in Sierra Leone gewählt, jedoch bald mithilfe der RUF gestürzt. Eine Friedensmission der Vereinten Nationen sollte der Gewalt im Land ein Ende setzen. Unter Druck der UN verhandelten die Kriegsparteien 2001 schließlich über einen Waffenstillstand. Ein Jahr später wurden die Kämpfe eingestellt und Frieden geschlossen. Im gleichen Jahr erhielt der von der RUF gestürzte Präsident Kabbah erneut die Macht. Überfälle und willkürliche Gewalt haben seither abgenommen. Allerdings verbessert sich die sonstige Lebenssituation nur sehr langsam. Sierra Leone lag 2004 im Entwicklungsindex der UN auf dem letzten Platz: Von 1000 geborenen Kindern sterben 300 bevor sie das fünfte Lebensjahr erreichen. 70 Prozent der Bevölkerung sind Analphabeten.
2003 trat der liberianische Präsident Taylor zurück und floh ins Exil nach Nigeria. 2006 forderte Liberia seine Auslieferung. Er sollte wegen Mordes, dem Einsatz von Kindersoldaten und anderer Verbrechen verurteilt werden. Bei einem Fluchtversuch wurde er gefasst und in Sierra Leone inhaftiert. Aus Sicherheitsgründen verlegte man den Prozess an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag.