Mit 12 Jahren verliert Ishmael seine Eltern und Geschwister in einem der brutalsten Bürgerkriege der 90er Jahre. Wenig später wird er von der Armee zwangsrekrutiert und muss selber töten, um zu überleben. Er kämpft drei Jahre lang gegen regierungsfeindliche Rebellen, bevor er mit 16 aus den Truppen entlassen wird.
In einem von UNICEF unterstützen Rehabilitationszentrum für ehemalige Kindersoldaten lernt er über seine grausamen Erlebnisse zu sprechen und wird 1996 von den Vereinten Nationen in New York zum United Nation’s First International Children’s Parliament eingeladen, um dort über die Situation von Kindersoldaten in seinem Land zu berichten.
Nach einer Woche in New York kehrt er zu seinem Onkel nach Freetown, Sierra Leone zurück. Als wenig später die Rebellen die Hauptstadt angreifen, muss Ishmael fliehen. Als ehemaliger Kindersoldat ist er weder vor den Rebellen noch vor seinen früheren Kameraden sicher, denn in ihren Augen gilt er als Deserteur. Die Amerikanerin Laura Simms, die ihn in New York betreut hat, hilft ihm in die USA einzureisen. Wenig später wird der 17-Jährige von ihr adoptiert.
„Wir marschierten lange Stunden und machten nur Halt, um Sardinen und Corned Beef mit Gari zu essen, Kokain und Brown Brown und ein paar weiße Kapseln zu schlucken. Die Kombination dieser Drogen verlieh uns Energie und machte uns stark. Der Gedanke an den Tod kam mir gar nicht in den Sinn, und töten war so leicht geworden wie Wasser trinken. In meinem Gehirn hatte sich nicht nur ein Schalter umgelegt, als ich das erste Mal jemanden getötet hatte, sondern ich hatte auch jeden Gedanken daran, jegliches Schuldgefühl ausgeschaltet – jedenfalls schien es so.“
Beah beendet die United Nations International School und besucht anschließend das Oberlin College in Ohio. Dort beginnt er sein Kriegstrauma literarisch zu verarbeiten. In „A long way gone. Memoires of a child soldier.“ beschreibt er sein Leben als Kindersoldat. Das Buch wird Anfang 2007 in Amerika veröffentlicht und stand kurz nach Erscheinen auf Platz 1 der New York Times Bestsellerliste.
Heute lebt der 26-jährige in New York. Er gehört dem Human Rights Watch Children’s Division Advisory Committee an und unterstützt die internationale Kampagne gegen den Missbrauch von Kindersoldaten. Im Februar hat er an der internationalen UNICEF-Konferenz über Kindersoldaten in Paris teilgenommen.
Die deutsche Übersetzung seiner Kriegserinnerungen ist im Campus Verlag unter dem Titel „Rückkehr ins Leben. Ich war Kindersoldat“ erschienen. Die gebundene Ausgabe kostet € 19,90.