22.02.07 - UNICEF gratuliert dem Sänger, Schauspieler und Bürgerrechtler Harry Belafonte zum 80. Geburtstag am 1. März. Harry Belafonte kämpft bis heute für den Traum seines ermordeten Weggefährten und Freundes Martin Luther King von einer gerechteren, von Rassendiskriminierung freien Welt. Seit 20 Jahren ist der 1927 in New York geborene Sohn eines Schiffskochs aus Jamaika und einer Hilfsarbeiterin einer der bekanntesten internationalen UNICEF-Botschafter. „Das stärkste, was ich politisch ausrichten kann, ist die Arbeit für UNICEF (…)“, sagte Belafonte. „Zeigt mir, wie ihr eure Kinder behandelt, und ich sage euch, wie eure Zukunft aussieht.“
„Harry Belafonte hat ein tiefes Gespür für Ungerechtigkeit und Ignoranz. Sein Herz schlägt für die Schwachen und Unterdrückten. Dabei scheut er nicht vor deutlichen Worten zurück. Harry Belafonte schlägt die Brücke von der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung der 60er Jahre in die Gegenwart“, erklärte Dietrich Garlichs, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland.
Nach den Terroranschlägen vom 11. September in New York warnte Harry Belafonte eindringlich vor einer schleichenden Aufweichung der Menschenrechte im Kampf gegen Terrorismus. In deutlichen Worten kritisierte er Folter und Bombardements von Zivilisten im Namen von Freiheit und Sicherheit. „Die schlimmsten Formen des Terrorismus sind Gleichgültigkeit, Hunger und Krankheiten. Wenn wir diese nicht überwinden, werden wir nie in Frieden leben“, sagte Harry Belafonte.
Harry Belafonte wuchs in Jamaika und New York auf. Der Vater verließ die Familie, so dass seine Mutter ihn in schwierigen Verhältnissen allein aufziehen musste. Mit 17 Jahren brach er die Schule ab, ging zur US-Armee und arbeite danach als Hausmeister. Durch Zufall gelangte er 1946 an die New School for Social Research, wo er Schauspielen lernte - zusammen mit späteren Weltstars wie Marlon Brando und Walter Matthau. „Ich bin ein Kind der Armut, geboren an einem Ort, wo der rassistische Druck enorm war“, erklärte Belafonte rückblickend.
Zwar hatte Harry Belafonte in den 50er Jahren erste Erfolge am Broadway und spielte in mehreren Filmen mit. Doch für einen farbigen Künstler war damals eine Schauspielerkarriere schwierig. Parallel trat er deshalb als Sänger in Nachtclubs auf, wo er am liebsten folkloristische Songs und Balladen der westindischen Inseln vorstellte. Unaufhaltbar stieg er zum King of „Calypso“ auf. Sein gleichnamiges Album von 1956 verkaufte sich in den USA über eine Million Mal. Lieder wie „Island in the Sun“, „Banana Boat“ und „Coconut Women“ wurden Hits - auch in Deutschland. Ein deutscher Musikkritiker schrieb 2003 anlässlich der ausverkauften Deutschland-Tournee des damals 76-Jährigen, Harry Belafonte habe „Millionen deutsche Hitlerjungen für die World Music bekehrt“.
Mitte der fünfziger Jahre lernte Belafonte den späteren Wortführer der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, Martin Luther King, kennen. Er wurde dessen Freund und populärster Fürsprecher und Spendensammler. Die Begegnung mit Martin Luther King war ein Schlüsselerlebnis. „Er half mir, mich zu öffnen - nicht um ein Denker für die Welt zu werden, sondern um mir meine eigenen Gedanken zu machen, um mein eigenes Maß und meinen Halt zu finden. (…) Sein Vertrauen bedeutete für mich zu fragen, ob ich es rechtfertige.“
Harry Belafonte kämpfte für die Gleichberechtigung der Schwarzen in den USA, gegen die Apartheid in Südafrika und den Krieg in Vietnam. Anfang der 80er Jahre unterstützte er die deutsche Friedensbewegung, sprach zusammen mit Willi Brandt auf einer Großdemonstration im Bonner Hofgarten und trat gemeinsam mit Udo Lindenberg in Ostberlin auf.
Immer wieder wurde Belafonte für sein politisches Engagement kritisiert. „Fast alles, was ich gemacht habe, wurde als unpatriotisch kritisiert und als nicht im Interesse der Zivilisation. Ich wurde ausgezeichnet und verdammt - je nachdem wie es passte. Dr. King galt in seinen Anfängen als Terrorist - heute ist er ein Heiliger. Nelson Mandela war ein Terrorist und Kommunist - heute ist er eine der größten moralischen Stimmen unserer Zeit. Die Wirklichkeit hat mir doch öfters Recht gegeben“, sagte Belafonte.
1985 hatte Harry Belafonte die Idee zu dem Musikprojekt „We are the World“ für Afrika. Stars wie Stevie Wonder, Ray Charles, Bob Dylan, Diana Ross, Bruce Springsteen und Lionel Richie beteiligten sich. Das von Michael Jackson und Lionel Richie geschriebene Lied „We are the World“ gewann den Grammy 1985 für den besten Song. Aus Plattenerlösen kamen über 44 Millionen Dollar für Hilfsprojekte zusammen.
Am 4. März 1987, vor genau 20 Jahren, wurde Harry Belafonte internationaler UNICEF-Botschafter. In zahllosen Reden, Diskussionen und Auftritten auf Veranstaltungen, in Fernseh- und Radiosendungen und an Universitäten trat er seither für die Rechte der Kinder ein. Nach dem Völkermord in Ruanda besuchte er 1994 das verwüstete Land und warb um Hilfe für die traumatisierten Kinder.
Auch in Deutschland, wo Harry Belafonte weiterhin sehr viele Fans hat, unterstützt er die Arbeit von UNICEF. Gemeinsam mit Sir Peter Ustinov wandte er sich 2003 einen Tag nach dem Beginn des Irak-Kriegs in Hamburg auf einer UNICEF-Pressekonferenz an die Öffentlichkeit und rief zu Schutz und Hilfe für die Bevölkerung im Irak auf. Im Frühjahr 2004 rief er zur Hilfe für Kinder in vergessenen Krisengebieten auf. Im Winter des gleichen Jahres stellte er in Berlin den „UNICEF-Bericht zur Situation der Kinder in der Welt 2005“ vor. Für die Kampagne „Schulen für Afrika“ spielte er in einen Kinospot einen Analphabeten, dem ein kleines Mädchen den Weg weist.
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die UNICEF-Pressestelle, Rudi Tarneden, 0221/93650-235. Gerne stellen wir Fotos von Harry Belafonte aus seiner Arbeit für UNICEF zur Verfügung.
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