Berlin, 17.4.2008 - Trotz Fortschritten bei der Prävention und der medizinischen Behandlung von AIDS sind Kinder in den Entwicklungsländern besonders von der Immunschwächekrankheit bedroht. So haben sich im vergangenen Jahr nach Schätzungen von UNICEF weltweit 420.000 Mädchen und Jungen unter 15 Jahren mit dem HI-Virus angesteckt. Die meisten dieser Kinder kamen bereits mit dem Virus auf die Welt: Sie infizierten sich vor, während oder nach der Geburt bei ihrer Mutter. Jedes zweite von ihnen wird noch vor seinem zweiten Geburtstag sterben, wenn es nicht rechtzeitig medizinisch behandelt wird. 290.000 Kinder starben allein im vergangenen Jahr an den Folgen von AIDS. Dies geht aus dem Bericht „Kinder und AIDS“ hervor, mit dem UNICEF eine Bestandsaufnahme der Hilfe für betroffene Kinder vorlegt.
„Wir brauchen bessere Daten, bezahlbare Medikamente, umfassende Aufklärung und starke Gesundheitssysteme“, sagte Jimmy Kolker, der Leiter der HIV/AIDS-Abteilung bei UNICEF, am Donnerstag in Berlin. „Nur so können wir erreichen, dass die nächste Generation ohne AIDS aufwächst.“
Der Bericht weist auf nach wie vor große Datenlücken hin. Gerade in den besonders von AIDS betroffenen Ländern ist das tatsächliche Ausmaß der Epidemie unzureichend dokumentiert. So ist zum Beispiel immer noch nicht genau bekannt, wie viele Kinder in den betroffenen Ländern Viren hemmende Medikamente benötigen und wie viele Neugeborene mit HIV geboren werden. Fest steht jedoch, dass längst noch nicht alle der weltweit rund 2,1 Millionen HIV-infizierten Kinder medizinische Hilfe erhalten.
Deutliche Fortschritte, aber kein Durchbruch
Gleichzeitig dokumentiert UNICEF aber auch Fortschritte. So erhalten deutlich mehr Kinder sowie werdende Mütter Medikamente und therapeutische Behandlung. Die Zahl der HIV-infizierten Kinder, die mit Viren hemmenden Medikamenten versorgt werden, ist seit 2005 um 70 Prozent gestiegen. Verbesserungen verzeichnet der Bericht auch bei der Vorbeugung der Übertragung von der Mutter auf das Kind. Im Jahr 2004 erhielten nur schätzungsweise zehn Prozent der HIV-infizierten Schwangeren in Entwicklungsländern eine Prophylaxe mit dem Wirkstoff Nevirapin. Im Jahr 2006 waren es 23 Prozent. Im südlichen Afrika, wo 90 Prozent der HIV-positiven Kinder leben, hatten 2006 sogar 31 Prozent der HIV-infizierten Schwangeren Zugang zu Medikamenten und entsprechender Beratung.
Die finanziellen Mittel für den Kampf gegen AIDS stiegen von 2004 bis 2007 von 6,1 Milliarden auf 10 Milliarden US-Dollar. Trotzdem werden voraussichtlich nur 21 Schwellen- und Entwicklungsländer das Ziel erreichen, bis 2010 für 80 Prozent der HIV-infizierten Schwangeren die vorbeugenden Maßnahmen anzubieten. Darüber hinaus ist in armen Ländern häufig nur eine Kurzbehandlung möglich, die das Risiko der Übertragung auf etwa 30 Prozent senkt. In den Industrieländern gelingt es hingegen mit umfassender medizinischer Begleitung, eine Weitergabe des Virus von der Mutter auf das Kind praktisch ganz auszuschließen.
Fakten zu Kindern und AIDS
Die UNICEF-Kampagne „Du und ich gegen AIDS“
Im November 2005 startete UNICEF Deutschland die Kampagne „Du und ich gegen AIDS“ als Teil der internationalen UNICEF-Kampagne „Unite for Children – Unite against AIDS“. Ziel ist es, die von HIV/AIDS betroffenen Kinder ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken. Behandlung für alle infizierten Kinder, bessere Vorbeugung der Mutter-Kind-Übertragung und mehr Aufklärung sind die Hauptforderungen von UNICEF. Mehr als 700.000 Menschen haben die Kampagne bisher mit ihrer Unterschrift unterstützt. Mehr als 200.000 vervollständigten den Satz „Ich kämpfe mit UNICEF gegen AIDS, weil…“ mit einer persönlichen Aussage. Prominente wie Shakira, David Beckham, Susan Sarandon, Roger Moore und Roger Federer setzen sich als internationale UNICEF-Botschafter gegen AIDS ein. In Deutschland unterstützen unter anderen die Schauspielerin Katja Riemann, das Model Eva Padberg und die TV-Moderatoren Nina Ruge und Steffen Seibert die Kampagne.
So helfen die deutschen Spenden
Viele Spender in Deutschland haben die UNICEF-Kampagne „Du und ich gegen AIDS“ bereits großzügig unterstützt - über 8,9 Millionen Euro sind seit dem Start zusammengekommen. Mit Spenden aus Deutschland hilft UNICEF von AIDS betroffenen Kindern in zwölf Ländern:
Bei Rückfragen und Interviewwünschen wenden Sie sich bitte an die UNICEF-Pressestelle, Helga Kuhn, 0221/93650-234 oder -315, E-Mail: presse(at)unicef.de