29. Oktober 2008
Insgesamt 230 Kunstwerke aus der „Sammlung Rau für die Kinder der Welt“, die der 2002 verstorbene Arzt und Philanthrop Dr. Dr. Gustav Rau an UNICEF vermacht hatte, werden ab dem kommenden Jahr im Arp Museum Bahnhof Rolandseck zu sehen sein. Ein entsprechender Leihvertrag zwischen der Landesstiftung Arp Museum, UNICEF Deutschland und dem Nachlasspfleger von Dr. Rau wurde heute unterzeichnet.
„Heute ist ein Freudentag für das Arp Museum Bahnhof Rolandseck. Um eine solch bedeutsame Kunstsammlung reißen sich Museen in aller Welt. Dass wir sie in Remagen-Rolandseck ausstellen können, macht mich stolz und glücklich“, freute sich der Vorsitzende der Landesstiftung Arp Museum Professor Dr. Joachim Hofmann-Göttig in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz. „Gustav Rau widmete sein Leben den ärmsten Kindern in Afrika und der Kunst. Der heutige Vertrag ist ein wichtiger Schritt, um sein Vermächtnis zu erfüllen. Er wollte, dass die bedeutendsten Teile seiner Sammlung einem breiten Publikum gezeigt werden, bevor sie zugunsten von langfristigen Hilfsprojekten für Kinder veräußert werden“, sagte Dr. Jürgen Heraeus, Vorsitzender UNICEF Deutschland.
Die Sammlung, die Dr. Gustav Rau in vier Jahrzehnten zusammentrug, ist eine der ungewöhnlichsten privaten Kunstkollektionen weltweit. „In ihrer herausragenden Qualität passt sie ideal zu dem außerordentlich schönen Arp Museum“, sagte der UNICEF-Vorsitzende Heraeus. Die Sammlung umfasst Werke europäischer Malerei ab dem 15. Jahrhundert bis zum Spätimpressionismus sowie Skulpturen vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert, darunter Meisterwerke von Fra Angelico, El Greco, Auguste Renoir, Paul Cézanne, Max Liebermann und Claude Monet.
Durch den Leihvertrag entspricht UNICEF dem Wunsch von Gustav Rau, große Teile seiner Sammlung öffentlich auszustellen. Gezeigt werden im Arp Museum - in verschiedenen Wechselausstellungen - insbesondere die 95 Gemälde aus der von Dr. Rau selbst festgelegten Kernsammlung, die bis 2026 erhalten bleiben soll. Darüber hinaus leiht UNICEF dem Arp Museum 135 weitere Gemälde und Skulpturen, die bis zu ihrem Verkauf zugunsten der UNICEF-Stiftung für Ausstellungen zur Verfügung stehen.
Gustav Rau vermachte UNICEF seine gesamte Sammlung. Den größten Teil der Kunstwerke übergab er UNICEF bereits zu seinen Lebzeiten. Mit dem Schenkungsvertrag vom 4. September 2001 übereignete Rau der UNICEF-Stiftung 621 Kunstwerke. Für seinen Nachlass bestimmte Gustav Rau UNICEF bereits in einem Vertrag vom Oktober 1999 als Erben. Andere Stiftungen und entfernte Verwandte von Dr. Rau legten gegen die Erteilung des Erbscheins an UNICEF Beschwerde ein. Bislang gibt es noch keine rechtskräftige Entscheidung, doch der Beschluss des Landgerichts Konstanz vom 8. August dieses Jahres bestätigt die Erbenstellung von UNICEF und weist die Beschwerden der übrigen Beteiligten zurück. Das Beschwerdeverfahren ist beendet.
Der heute unterzeichnete Leihvertrag berücksichtigt die derzeit noch unterschiedliche Rechtslage bezüglich Schenkung und Nachlass. Zudem haben alle an den Erbauseinandersetzungen beteiligten Familienangehörigen und Schweizer Stiftungen dem Leihvorhaben schriftlich zugestimmt. Aus der Schenkung stellt UNICEF dem Land Rheinland-Pfalz 195 Exponate zur Verfügung, aus dem Nachlass 35 Exponate.
„Mit dieser wertvollen Leihgabe wird das Arp Museum Bahnhof Rolandseck für Kunstliebhaberinnen und Kunstliebhaber noch attraktiver“, urteilte Hofmann-Göttig. Vorgesehen sei, Werke aus diesem Konvolut im Pavillon des Museums auszustellen. „Die Sammlung Rau fügt sich in hervorragender Weise in das künstlerische Konzept des Arp Museums Bahnhof Rolandseck ein, neben den Namenspatronen Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp, deren Arbeiten die Konstante des Museums bilden, Werke anderer Künstlerinnen und Künstler zu zeigen – bekannter wie solcher, die auf dem Sprung nach vorne sind“, erläuterte der Kulturstaatssekretär und Stiftungsvorsitzende.
Mit dem Leihgabenkonvolut steigere das Museum überdies seine Attraktivität als Leihgeber, da der Leihvertrag auch die Möglichkeit beinhalte, Exponate daraus anderen Museen zur Verfügung zu stellen.
Hofmann-Göttig verwies darauf, dass das Land Rheinland-Pfalz und die Landesstiftung Arp Museum Bahnhof Rolandseck größten Wert darauf gelegt hätten, das Projekt rechtlich sicher auszugestalten. Der Staatssekretär und Stiftungsvorsitzende wies überdies darauf hin, dass für den Fall, dass Dritte Eigentumsrechte an den ausgeliehenen Werken verlangen, der Leihvertrag eine Rückgabe dieser Werke an den Eigentümer vorsehe. Für den Fall nicht absehbarer Rechtsstreitigkeiten bestehe ferner die Möglichkeit des Austauschs von Exponaten.
Hofmann-Göttigs Dank galt dem rheinland-pfälzischen Ministerrat, der in seiner gestrigen Sitzung in Mainz die Staatshaftung für dieses Leihgabenkonvolut übernommen habe.
Eine Aufstellung der einzelnen Kunstwerke, die das Arp Museum erhält, ist im Internet einsehbar unter www.unicef.de/gustav-rau.html und www.arpmuseum.org.
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