24. Dezember 2008
Angesichts der globalen Finanzkrise ruft UNICEF Deutschland dazu auf, den Kampf gegen extreme Armut und Unterentwicklung zu verstärken. „Die ärmsten Kinder in den Entwicklungsländern leiden am Härtesten, wenn ihre Eltern den Job verlieren, weil der Export einbricht. Die Familien wissen dann nicht mehr, wie sie Nahrung, sauberes Wasser, Krankenhäuser oder Schulsachen bezahlen sollen“, erklärte Jürgen Heraeus, Vorsitzender von UNICEF Deutschland.
Bereits heute wächst nahezu jedes zweite der weltweit rund 2,2 Milliarden Kinder in Armut auf - mit gravierenden Folgen für ihre gesamte Entwicklung. Allein durch die hohen Nahrungsmittelpreise sind nach Untersuchungen der Weltbank in diesem Jahr zwischen 130 und 150 Millionen Menschen in die Armut gedrängt worden.
Erfahrungen aus früheren Wirtschaftskrisen wie zum Beispiel Ende der neunziger Jahre in Asien zeigen, dass aufgrund der Turbulenzen an den Finanzmärkten seinerzeit viele Kinder die Schule abbrechen mussten. Sie mussten plötzlich zum Einkommen ihrer Familien beitragen. Chronische Mangelernährung nahm zu und der Gesundheitszustand verschlechterte sich. Frauen gingen zum Beispiel nicht mehr zum Arzt, auch wenn sie krank waren, weil sie sich die Behandlung nicht mehr leisten konnten. Weil Exporterlöse wegbrachen, kürzten viele Regierungen auch ihre Ausgaben für die soziale und medizinische Grundversorgung.
„Deutschland hat die Möglichkeit, die Auswirkungen der Finanzkrise abzufangen. Wenn aber eine Näherin in Bangladesch ihren Job verliert, stehen sie und ihre Familie vor dem Nichts“, sagte Jürgen Heraeus, der im Oktober das südasiatische Land besuchte.
Die Entwicklungs- und Schwellenländer verfügen - anders als die Industrienationen - kaum über Mittel, ihre Bevölkerung vor den Folgen wachsender Arbeitslosigkeit und sinkender Einkommen zu schützen. UNICEF appelliert deshalb an Regierungen, Unternehmen und Öffentlichkeit, trotz eigener Sorgen und Unsicherheit ihre Hilfe und Unterstützung für die Menschen in den ärmsten Ländern zu verstärken. „Solidarität ist eine Frage der Gerechtigkeit. Sie ist aber auch eine Frage des Eigennutzes, denn soziale und politische Stabilität ist im Interesse von uns allen. Deutschland muss deshalb trotz Finanzkrise zu seinem Versprechen stehen, die Entwicklungshilfe auf 0,7 Prozent des Bruttosozialprodukts anzuheben“, sagte Heraeus.
UNICEF arbeitet in rund 150 Ländern der Erde. UNICEF leistet Nothilfe in Krisengebieten, unterstützt den Aufbau einer sozialen und medizinischen Grundversorgung und setzt sich für die Verwirklichung der Kinderrechte ein.
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