Köln, den 17.7.2008 - Weltweit haben über 2,5 Milliarden Menschen keinen Zugang zu hygienischen Sanitäranlagen, fast 1,2 Milliarden müssen ihre Notdurft im Freien verrichten. Die Zahl der Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser ist dagegen erstmals unter eine Milliarde gesunken. Dies geht aus einem neuen Bericht von UNICEF und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hervor. Der Report „Progress on Drinking Water and Sanitation – Special Focus on Sanitation“ wird heute in New York vorgestellt – nach Ablauf des ersten Halbjahres des „Internationalen Jahres der sanitären Grundversorgung“.
Die mangelhafte Versorgung mit sanitären Anlagen gefährdet vor allem das Leben von Kleinkindern. „Wir brauchen dramatische Verbesserungen“, betonte UNICEF-Direktorin Ann M. Veneman. Fehlende sanitäre Grundversorgung und verschmutztes Trinkwasser sind eine der Hauptursachen für die hohe Kindersterblichkeit in vielen Ländern der Erde. Die internationale Gemeinschaft hat sich das Ziel gesetzt, bis 2015 die sanitäre Versorgung für mindestens die Hälfte aller Menschen sicherzustellen, denen sie bisher fehlt. „Wenn die Entwicklung so weitergeht, werden wir das Millenniumsziel zur sanitären Grundversorgung für 700 Millionen Menschen nicht erreichen“, sagte Veneman.
Der neue Bericht von UNICEF und WHO bewertet erstmals globale, regionale und nationale Fortschritte im Bereich Sanitäranlagen und Trinkwasser nach einem so genannten „Leiterkonzept“. Damit werden die verschiedenen Ebenen der Versorgung mit Wasser und sanitären Einrichtungen analysiert - von der Notdurftverrichtung im Freien über einfache Grubenlatrinen bis hin zu Toilettenbenutzung.
Seit 1990 ist der Anteil der Menschen, denen selbst einfache Latrinen nicht zur Verfügung stehen, von 31 Prozent im Jahr 1990 auf 23 Prozent in 2006 gesunken. Weltweit müssen jedoch immer noch 1,2 Milliarden Menschen ihre Notdurft ausschließlich im Freien verrichten - oft in öffentlich zugänglichen und einsehbaren Plätzen. Diese Praxis ist eine gefährliche Bedrohung für die Gesundheit. Eine mit Fäkalien kontaminierte Umwelt führt zu Durchfallerkrankungen, eine der häufigsten Todesursachen von Kleinkindern weltweit. Etwa zwei Drittel der Menschen, die ohne Latrinen auskommen müssen, leben in Südasien (778 Millionen); fast die Hälfte aller Einwohner.
Größere Fortschritte gibt es bei der Versorgung mit Trinkwasser. Aktuell haben 87 Prozent der Weltbevölkerung sauberes Trinkwasser zur Verfügung. Wenn dieser Trend andauert, werden es im Jahr 2015 rund 90 Prozent sein. 5,7 Milliarden Menschen haben nun Zugang zu sauberem Wasser – 1,6 Milliarden mehr als im Jahr 1990. Etwa 3,6 Milliarden Menschen haben bereits Wasserleitungen in ihrem Zuhause bzw. in nächster Nähe. Trotzdem haben 884 Millionen Menschen kein sauberes Trinkwasser zur Verfügung, 328 Millionen von ihnen leben im südlichen Afrika.
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