9. Januar 2009
UNICEF fordert die Konfliktparteien im Gazastreifen auf, den humanitären Helfern umgehend sicheren und ungehinderten Zugang zu den Not leidenden Menschen zu verschaffen und die Verteilung von Nahrungsmitteln, Wasser, Treibstoff und Medizin zu ermöglichen.
„UNICEF ist tief besorgt, dass die UN gezwungen war, ihre Hilfe aufgrund der anhaltenden Gewalt zu suspendieren. Dies kann nur die ohnehin kritische humanitäre Situation verschärfen und die Gefahr für die Kinder noch mehr erhöhen“, erklärte die UNICEF-Exekutivdirektorin Ann Veneman in New York.
„Das physische und psychische Leid der Kinder auf beiden Seiten muss aufhören. Wegen der laufenden Militäroperation werden täglich Kinder getötet und verletzt. Dies ist nicht hinnehmbar. Im Gazastreifen müssen sichere Zonen eingerichtet werden und die Helfer brauchen ungehinderten Zugang, damit Kinder mit lebensnotwendigen Gütern versorgt und unterstützt werden können“ sagte Veneman.
Mit den Augen der Kinder
Die 16-Jährige Yasmin aus Gaza Stadt berichtete in einem Telefongespräch mit UNICEF:
„Da war eine Moschee. Sie bombardierten sie. Es war direkt vor meinem Fenster. Ich hatte solche Angst. Alle Scheiben zersplitterten und fielen auf mein Bett, in dem ich schlief. Ich habe geweint. Ich kann nicht aus der Tür gehen. Es ist sehr gefährlich. Es ist schwer, an Frieden zu denken, weil beide Seiten, Hamas und Israel, keinen Frieden wollen. Aber vielleicht können sie miteinander reden, ihre Meinung sagen. Vielleicht. Aber das ist schwer. Wir wollen leben. Wir sind menschliche Wesen und wir wollen leben."
Nach von den Vereinten Nationen als glaubwürdig eingestuften Angaben wurden bei den Kämpfen im Gazastreifen seit Ende Dezember 257 Kinder und 56 Frauen getötet. Weitere 1.080 Kinder und 452 Frauen wurden verletzt. Im gleichen Zeitraum wurden nach Angaben der israelischen Regierung 1.000 Raketen auf den Süden Israels abgeschossen. Sie töteten vier Zivilisten. Auch ein Schulgebäude wurde getroffen.
Während einer dreistündigen Waffenpause gelang es UNICEF-Mitarbeitern gestern eine kleine Zahl von Hilfsgütern zu verteilen, darunter Medikamente, Verbandszeug, Materialien zur Wasseraufbereitung und Hygieneartikel. Doch dies reicht nicht aus. Allein in den 23 UN-Schulen halten sich gegenwärtig fast 8.000 Kinder und Jugendliche auf, die dort vor den Kämpfen Zuflucht suchen. Schätzungsweise die Hälfte der 1,5 Millionen Bewohner des Gazastreifens ist unter 18 Jahre alt.
UNICEF hat gegenwärtig neun Mitarbeiter im Gazastreifen. Sobald es die Sicherheitslage erlaubt, wird UNICEF weitere Mitarbeiter ins Krisengebiet schicken. UNICEF stellt Medikamente, Vitamine und Treibstoff für Generatoren zur Verfügung und organisiert psychologische Unterstützung in Kinder- und Jugendgruppen. Zusammen mit Partnern ruft UNICEF über das Fernsehen und Radio dazu auf, die Kinder zu Hause zu halten und informiert die Eltern darüber, wie sie besser mit verängstigten und traumatisierten Kindern umgehen können.
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Stichwort: Gaza
Rückfragen und Interviewwünsche bitte an die UNICEF-Pressestelle, Rudi Tarneden, 0221/93650-315 oder -235.