19. März 2009
Zum Weltwassertag am 22. März ruft UNICEF dazu auf, die Versorgung der ärmsten Familien mit sauberem Trinkwasser und sanitären Einrichtungen zu verbessern. Mehr als 125 Millionen Mädchen und Jungen weltweit leben in Haushalten, in denen nicht genügend sauberes Trinkwasser zur Verfügung steht. Die Folgen sind lebensbedrohliche Infektionen und schwere Durchfallerkrankungen. Verunreinigtes Wasser und mangelnde Hygiene zählen zu den Hauptursachen für die hohe Kindersterblichkeit in vielen Entwicklungsländern. Tag für Tag sterben rund 5.000 Mädchen und Jungen aufgrund von Durchfallerkrankungen. „Verseuchtes Wasser bringt vor allem Kleinkindern den Tod“, sagte UNICEF-Schirmherrin Eva Luise Köhler. „Für das Überleben und die Gesundheit von Millionen Mädchen und Jungen ist entscheidend, dass die Versorgung mit Trinkwasser und sanitären Einrichtungen in armen Ländern verbessert wird.“ Gemeinsam mit Berliner Kindern der Nelson-Mandela-School machte die Gattin des Bundespräsidenten bei einem Fototermin in Berlin auf das weltweite Wasserproblem aufmerksam.
Seit 1990 hat sich die Versorgung mit Trinkwasser deutlich verbessert. Aktuell haben 5,7 Milliarden Menschen – das sind 87 Prozent der Weltbevölkerung – sauberes Trinkwasser zur Verfügung; das sind 1,6 Milliarden mehr als im Jahr 1990. Wenn dieser Trend andauert, werden im Jahr 2015 rund 90 Prozent der Erdbevölkerung Zugang zu Trinkwasser haben. Etwa 3,6 Milliarden Menschen haben heute bereits Wasserleitungen in ihrem Zuhause bzw. in nächster Nähe. Doch rund 884 Millionen Menschen hatten 2008 nicht ausreichend sauberes Trinkwasser, rund 340 Millionen von ihnen leben in Afrika südlich der Sahara. Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen Wassermangel und Armut: die Zahl der Menschen ohne ausreichende Trinkwasserversorgung deckt sich in etwa mit der Zahl derer, die von einem Einkommen von unter 1,25 US-Dollar pro Tag leben müssen.
Noch größere Defizite gibt es bei der Versorgung mit sanitären Anlagen. 2,5 Milliarden Menschen müssen ohne ausreichende sanitäre Einrichtungen auskommen. Darunter sind 1,2 Milliarden Menschen, die ihre Notdurft ausschließlich im Freien verrichten müssen - oft in öffentlich zugänglichen und einsehbaren Plätzen. Zwar ist seit 1990 der Anteil der Menschen, denen selbst einfache Latrinen nicht zur Verfügung stehen, von 31 Prozent im Jahr 1990 auf 23 Prozent in 2006 gesunken. Doch vor allem in Südasien und im südlichen Afrika bestehen nach wir vor die größten Probleme. Das Millenniums-Entwicklungsziel, bis zum Jahr 2015 die Zahl der Menschen ohne sanitäre Grundversorgung zu halbieren, ist noch in weiter Ferne. Denn im gleichen Zeitraum wuchs die Weltbevölkerung um über eine Milliarde auf 6,6 Milliarden an. Die Vereinten Nationen schätzen, dass die Weltbevölkerung jährlich um rund 80 Millionen Menschen wächst. 90 Prozent dieses Wachstums findet in Entwicklungsländern statt, in denen Trinkwasser häufig knapp ist und sanitäre Einrichtungen fehlen.
Ungeklärte Abwässer und fehlende Latrinen verursachen zahlreiche Krankheiten. Extrem hoch ist das Gesundheitsrisiko insbesondere in großen Städten und überall dort, wo viele Menschen auf engem Raum leben. So breiten sich in Flüchtlingslagern Darmkrankheiten wie Durchfall oder Cholera sowie Wurmerkrankungen sehr schnell aus. Ein Gramm Exkremente kann zehn Millionen Viren, eine Million Bakterien, 1.000 Parasiten und 100 Eier von Parasiten enthalten. Durch bessere sanitäre Einrichtungen können Krankheiten wie Bilharziose, Hepatitis A und die hoch ansteckende Trachom-Augeninfektion erheblich eingedämmt werden. So ließen sich jährlich mehr als 390 Millionen Durchfallerkrankungen verhindern. Mit simplen Hygienemaßnahmen wie dem Händewaschen mit Seife könnte die Zahl der Durchfallerkrankungen um knapp die Hälfte verringert werden. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation stehen einem Euro, der in die Wasser- und Sanitär-versorgung investiert wird, Einsparungen bei der Behandlung von Krankheiten in Höhe von rund neun Euro entgegen.
Fehlende oder unsaubere Toiletten sind auch die Ursache dafür, dass viele Kinder nicht zur Schule gehen. Oft fehlen in den Schulen nach Geschlechtern getrennten Toiletten. Deshalb besuchen vor allem ältere Mädchen in Afrika während der Menstruation keinen Unterricht oder verlassen die Schule mit Beginn der Pubertät ganz. In Äthiopien, wo nur rund ein Fünftel der Bevölkerung Zugang zu sauberem Wasser hat, geht knapp die Hälfte der Mädchen nicht zur Schule. Eins von vier Mädchen bricht die Grundschule ab, bei den Jungen ist es nur jeder siebte. Toiletten in der Nähe der Häuser tragen zudem zur Sicherheit von Mädchen und Frauen bei: Wenn sie ihre Notdurft im Freien verrichten, müssen sie sexuelle Übergriffe fürchten.
UNICEF unterstützt Aufklärungsprogramme und Projekte zur Verbesserung der Trinkwasserversorgung und Hygiene in über 90 Ländern. Firmenpartner in Deutschland wie Danone Waters (Volvic), Gardena, BRITA und Fleurop unterstützen die Arbeit von UNICEF in Äthiopien, im Sudan und in Vietnam.
dpa bietet ab ca. 12 Uhr Fotos mit UNICEF-Schirmherrin Eva Luise Köhler und den Kindern der Berliner Nelson-Mandela-School an.
Rückfragen und Interviewwünsche bitte an die UNICEF-Pressestelle, Helga Kuhn, 0221/93650-315 oder -234, E-Mail an presse(at)unicef.de
Gern stellen wir Ihnen sendefähiges Filmmaterial und Fotos zur Verfügung.
UNICEF Deutschland
Konto 300 000
BLZ 370 205 00
Bank für Sozialwirtschaft Köln