13. November 2009
Anlässlich des 20. Jahrestages der UN-Konvention über die Rechte des Kindes ruft UNICEF dazu auf, Kinder in den Kriegs- und Krisengebieten besser zu schützen. Weltweit wachsen nach Schätzungen von UNICEF rund eine Milliarde Kinder in Ländern auf, die von bewaffneten Konflikten betroffen sind - das ist fast jedes zweite Kind. Zusammen mit der heute 22-jährigen Mariatu Kamara aus Sierra Leone, der Kindersoldaten im Bürgerkrieg beide Hände abgeschlagen haben, weist UNICEF auf die kaum fassbare Brutalität und Gleichgültigkeit hin, denen Kinder in den Kriegen und Konflikten der Gegenwart ausgesetzt sind.
„Ich habe zwar keine Hände mehr, aber eine Stimme“, schreibt Mariatu Kamara in ihrer Biographie, die jetzt im Pattloch-Verlag erschienen ist. „Für mich war die Gewalt keine Nachricht im Fernsehen. Sie war mein Leben. Deswegen bin ich für mein Leben gezeichnet. Wenn ich die Chance habe, anderen zu sagen, dass alle Kinder ein Recht darauf haben, in Sicherheit aufzuwachsen, dann nehme ich dies war“, erklärt die UNICEF-Sonderbotschafterin für Kinder im Krieg.
Zwar hat sich die Zahl schwerer bewaffneter Konflikte gegenüber den 90er Jahren verringert, doch auch der Charakter der Kriege von heute hat sich verändert. Bürgerkriege, Staatszerfall und chronische Krisen wie in Afghanistan, im Sudan, in der Demokratischen Republik Kongo oder Somalia fordern enorme Opfer unter der Zivilbevölkerung und schaffen ganze Generationen „verlorener Kinder“, die nie gelernt haben, Konflikte friedlich zu lösen.
So zählte das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung (HIIK) 2008 weltweit allein 39 "hochgewaltsame" Auseinandersetzungen. Hinzu kommen zahlreiche kleinere Konflikte, die sporadisch mit Waffengewalt ausgetragen werden. Die Auswirkungen auf Kinder sind gravierend:
In Artikel 38 der UN-Konvention über die Rechte des Kindes heißt es: „Die Vertragsstaaten treffen alle durchführbaren Maßnahmen, um sicherzustellen, dass von einem bewaffneten Konflikt betroffene Kinder geschützt und betreut werden.“ Hierzu sind aus der Sicht von UNICEF stärkere Anstrengungen notwendig:
Mariatu Kamara wuchs in der Ortschaft Magborou im Landesinneren von Sierra Leone in Westafrika auf. 1999, im Alter von zwölf Jahren, wurde sie von dem Mann, dem sie versprochen war, vergewaltigt. Auf dem Weg in ein Nachbardorf geriet sie ein paar Tage später in einen Hinterhalt der Rebellenorganisation RUF. Kindersoldaten hackten ihr mit einer Machete beide Hände ab, damit sie nie ein Kreuz auf einen Wahlzettel machen kann. Schwer verletzt gelangte sie in ein Flüchtlingslager in der Hauptstadt Freetown. Dort brachte sie auch ihr Kind, das durch die Vergewaltigung entstanden ist, zur Welt. Wenige Monate später starb es an Unterernährung. Doch Mariatu gab nicht auf. Sie bettelte auf den Straßen um ihren Lebensunterhalt. In einer Theatergruppe entwickelte sie Selbstbewusstsein. Internationale Medien berichteten über ihr Schicksal. Hierdurch fand sie eine Pflegefamilie in Kanada, lernte lesen und schreiben und veröffentlichte 2008 ihre Biographie, die sofort in zehn Sprachen übersetzt wurde.
Am 20. November wird die UN-Konvention über die Rechte des Kindes 20 Jahre alt. Mit den Wochen für Kinderrechte ruft UNICEF zu verstärktem Einsatz für die Kinderrechte auf.
Terminübersicht und Infos auf www.20-jahre-kinderrechte.de
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