13. September 2010

Anlässlich des Weltkindertages 2010 am kommenden Montag (20.9.) ruft UNICEF dazu auf, Kinder weltweit im Umgang mit Gewaltrisiken zu stärken. Gemeinsam mit der UN-Sonderbeauftragten zu Gewalt gegen Kinder, Marta Santos Pais, weist UNICEF darauf hin, dass Schläge, Missbrauch und Drangsalierungen für unzählige Kinder noch immer zum Alltag gehören. Vielfach geht die Gewalt von denen aus, denen die Kinder am meisten vertrauen: der Familie und Nachbarschaft, der Schule und im Heim. Risiken im Internet oder durch die neuen technischen Möglichkeiten von Mobiltelefonen werden vielfach unterschätzt – genauso wie Probleme durch Mobbing und Drangsalierungen in Schulen.
„Kinder aller Altersstufen erleiden Erniedrigungen, Drangsalierungen oder werden Opfer von körperlicher Gewalt und Missbrauch. Sehr oft geschieht dies hinter einem Vorhang des Schweigens und der Gleichgültigkeit. Diese Haltungen müssen überwunden werden. Regierungen, Schulen, Medien müssen das Bewusstsein für den Schutz der Kinderrechte stärken. Die Prävention von Gewalt muss eine Priorität der Sozialpolitik und der ganzen Gesellschaft sein, sagte Marta Santos Pais, UN-Sonderbeauftragte zu Gewalt gegen Kinder in Berlin.
„Kinder brauchen Selbstbewusstsein. Sie müssen frühzeitig lernen, mit Konflikten und Gewaltrisiken umzugehen. Vertrauenswürdige Beschwerde- und Beratungsangebote müssen ausgebaut werden, um Kinder zu ermutigen, Probleme und Gewalterfahrungen anzusprechen und Hilfe zu finden“, sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland.
Schätzungsweise 75 Prozent aller Kinder zwischen 6 und 17 Jahren in der Europäischen Union nutzen heute das Internet. Im Vergleich zur Häufigkeit und Intensität der Nutzung stehen negative Erfahrungen zwar nicht im Vordergrund. Doch die Auswertung von Studien aus ganz Europa durch die EU zeigt auch Risiken:
Gewalttätige Methoden der Disziplinierung wie Prügel, Ohrfeigen oder Einsperren sind in den meisten europäischen Schulen im Vergleich zu den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts seltener. Hierzu hat auch beigetragen, dass inzwischen alle EU-Staaten körperliche Züchtigungen in Schulen explizit verboten haben. Doch weltweit sind Prügelstrafen in Schulen immer noch in 88 Staaten erlaubt. Zahlreiche Länder erlauben sogar, minderjährige Straftäter auszupeitschen. Die „Globale Initiative gegen Prügelstrafe“ nennt in ihrem Jahresbericht über 40 Länder.
Zudem geraten Mobbing und Drangsalierungen unter Kindern und Jugendlichen zunehmend in den Blick. Lange galten diese als „weniger schwere“ Gewalt. Doch sie betreffen einen relativ großen Teil der Schülerinnen und Schüler. So sagen zum Beispiel 34 Prozent der deutschen 11- bis 15-Jährigen, dass sie Zielscheibe von „Drangsalierungen“ gewesen sind – in Italien sind es zum Beispiel nur 22,3 Prozent, in Spanien 13,7 Prozent. Dies kann weit reichende Folgen haben – zum Beispiel, dass Kinder sich zurückziehen oder die Schule schwänzen, Angst und Depressionen.
UNICEF und die Sonderbeauftragte zu Gewalt gegen Kinder rufen anlässlich des Weltkindertages 2010 dazu auf, die Prävention von Gewalt auszubauen und die Hilfsmöglichkeiten für bedrohte Kinder zu verbessern:
Ausführliche Hintergrundinformationen (PDF)
Bei Rückfragen und Interviewwünschen wenden Sie sich bitte an die UNICEF-Pressestelle, Rudi Tarneden, 0221/93650-235 oder -315, E-Mail: presse(at)unicef.de.
UNICEF Deutschland
Konto 300 000
BLZ 370 205 00
Bank für Sozialwirtschaft Köln

