13. April 2010
Drei Monate nach dem schweren Erdbeben ist die Normalität für die meisten betroffenen Kinder in Haiti noch in weiter Ferne. In seinem heute in Genf vorgestellten Bericht „Kinder in Haiti – drei Monate nach der Katastrophe“ zieht UNICEF eine erste Bilanz zum Stand der Nothilfe und der Vorbereitungen für einen Neuanfang. So konnte zwar eine zweite Katastrophe durch Hunger und Krankheiten bisher verhindert werden. Gleichzeitig warnt UNICEF aber vor einer Verschlechterung der hygienischen Situation und zunehmender Gewalt, vor allem gegenüber Mädchen und Frauen in den Notlagern. Kinder müssen auch besser vor Ausbeutung, Kinderhandel und illegalen Adoptionen geschützt werden.
Währenddessen hat für einen Teil der Kinder in Haiti die Schule wieder begonnen. Für das Programm „Geh zur Schule“ haben UNICEF und seine Partner bisher 3.000 Großzelte und Klasseneinrichtungen für Notschulen verteilt. Über 200.000 Schulkinder erhalten gerade Schulmaterialien wie Hefte und Stifte. Weitere 500.000 Schulpakete mit Lernutensilien sind auf dem Weg nach Haiti. Von April bis Juni sollen zunächst 600 Schwerpunktschulen ausgestattet und Ausbildungskurse für Lehrer organisiert werden.
„Die Kinder in Haiti sehnen sich danach zu lernen. Doch schon vor der Katastrophe gab es kein funktionierendes Schulsystem. Über die Hälfte der Kinder ging nicht zur Schule. Schule ist der Schlüssel für die Rückkehr zur Normalität und ein Symbol für den Neubeginn in Haiti“, sagte Rudi Tarneden, Sprecher von UNICEF Deutschland, der vor kurzem aus Haiti zurückkehrte.
Bei dem Erdbeben vom 12. Januar starben über 38.000 Schulkinder sowie 1.500 Lehrer. 85 Prozent aller Schulen im Katastrophengebiet wurden zerstört oder schwer beschädigt. Um die Schulkampagne anzuschieben, hat UNICEF auch sieben Großzelte und Büroeinrichtung für das völlig zerstörte haitianische Bildungsministerium bereitgestellt.
UNICEF koordiniert in Haiti gegenwärtig allein im Bildungsbereich rund 100 Partnerorganisationen. Gemeinsames Ziel ist es, langfristig landesweit so viele Kinder wie möglich in die Schulen zu bringen – auch die, die vor der Katastrophe von Bildung ausgeschlossen waren.
Hierzu werden Verhandlungen mit den Schulen, die von privaten Vereinen getragen werden, geführt. Zusammen mit der Weltbank wird nach Wegen gesucht, die Ausbildung und Bezahlung von Lehrern sicher zu stellen und den Bau erdbebensicherer Schulen voran zu treiben.
UNICEF leistet umfassende Nothilfe in Haiti und schiebt den nachhaltigen Wiederaufbau für die Kinder an. Dabei geht es besonders darum, die lokalen Partner zu stärken. UNICEF ist präsent in Port-au-Prince, Leogane, Jacmel, Gonaive, Jeremie, Hinches und Les Cayes. An verschiedenen Orten wurden Lager mit Hilfsgütern angelegt, um bei erneuten Naturkatastrophen rasch reagieren zu können. Gemeinsam mit zahlreichen Partnerorganisationen werden u.a. folgende Maßnahmen unterstützt:
Spendenkonto: 300.000
Bank für Sozialwirtschaft Köln
BLZ 370 205 00,
Stichwort „Haiti“
Aktuelle Fotos und sendefähiges Bildmaterial stellen wir gerne zur Verfügung.
Rückfragen und Interviewwünschen bitte an die UNICEF-Pressestelle, Rudi Tarneden, Tel. 0221/93650-235 oder -315 oder presse(at)unicef.de.
Weitere Informationen und der vollständige Bericht „Kinder in Haiti – drei Monate nach der Katastrophe“ auf www.unicef.de