8. September 2010
Am heutigen Weltbildungstag rufen UNICEF und die Globale Bildungskampagne zur Verwirklichung des Rechts auf Bildung für alle Menschen auf. „In Afrika südlich der Sahara gehen 32 Millionen Kinder nicht zur Schule. Dabei ist Bildung der Schlüssel zur Rettung des afrikanischen Kontinents, Bildung schafft eine bessere Welt“, sagte der Initiator der Kampagne „Schulen für Afrika“ und UNICEF Deutschland-Vorstand Peter Krämer anlässlich der heutigen Konferenz von UNICEF, Globaler Bildungskampagne und Friedrich-Ebert-Stiftung. „Die internationale Gemeinschaft hat das Ziel gesetzt, bis 2015 allen Kindern eine gute Grundbildung zu ermöglichen. Diese Verpflichtung müssen wir einhalten – uns bleiben dazu nur noch fünf Jahre Zeit.“
Die Berliner Konferenz „Versprochen und gebrochen – Scheitert das UN-Millenniumsziel ‚Grundbildung für alle’ an der Finanzierung?“ findet im Vorfeld des Millenniumsgipfels in New York (20.- 22. September) statt. Heute kommen 150 internationale und deutsche Expertinnen und Experten zusammen, darunter die Koordinatorin der weltweiten UNICEF-Bildungsprogramme Changu Mannathoko, die Koordinatorin der UN-Millennium-Kampagne Eveline Herfkens und die Vorsitzende der internationalen Initiative „Bildung für alle“, Carol Bellamy. Der entwicklungspolitische Experte Reinhard Hermle stellt bei der Tagung eine neue Studie zum deutschen Beitrag zur Bildungsförderung in der Entwicklungszusammenarbeit vor. Fazit ist ein enttäuschendes Bild von großen Versprechen, die nicht eingehalten werden und eine tiefe Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit offenbaren.
„Bildung ist das Mittel, um langfristig Armut und Hunger zu bekämpfen“, sagte die Vorsitzende der Global Campaign for Education, Assibi Napoe. „Bildung kann wesentlich zum Kampf gegen HIV/Aids beitragen und senkt nachweislich die Mütter- und Kindersterblichkeit, sie schafft Selbstbewusstsein und stärkt Potenziale zur Selbsthilfe. Trotzdem haben die meisten Regierungen der G8-Staaten, darunter auch Deutschland, ihren fairen Beitrag zur Erreichung dieses Millenniumsziels noch nicht geleistet.“
Ulrich Thöne, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), forderte: „Deutschland muss Bildung zum Schwerpunkt seiner Entwicklungshilfearbeit machen und dem Ausbau der Grundbildung Priorität einräumen. Bis heute ist die Bundesrepublik weit hinter ihren finanziellen Zusagen zurückgeblieben.“
Die Kritik und die Forderungen an die Bundesregierung fasst ein Bericht, der im Auftrag der Globalen Bildungskampagne erstellt und von der GEW-nahen Max-Traeger-Stiftung finanziert wurde, folgendermaßen zusammen:
Vom 20. bis 22. September 2010 hat UN-Generalsekretär Ban Ki-moon ein Gipfeltreffen der Vereinten Nationen in New York einberufen. Dort soll zehn Jahre nach der Verabschiedung der Millenniumsziele Bilanz gezogen werden. Im Jahr 2000 hatten alle Regierungen versprochen, bis zum Jahr 2015 einen Katalog von acht messbaren Zielen zur Überwindung von Armut und Unterentwicklung umzusetzen. „Grundbildung für alle Kinder“ ist das zweite Millenniumsziel. Heute gehen weltweit zwar mehr Kinder zur Schule als im Jahr 2000, doch die Erreichung dieses Ziels bedarf noch großer Anstrengungen, denn:
Die Global Campaign for Education (GCE), ein weltweites Bündnis von zivilgesellschaftlichen Netzwerken, Bildungsgewerkschaften und Entwicklungsorganisationen, darunter auch UNICEF und die GEW, macht sich für die Durchsetzung des grundlegenden Menschenrechts auf eine gebührenfreie und qualitativ gute Grundbildung für alle Menschen stark.
UNICEF, die Nelson-Mandela-Stiftung und die Hamburger Gesellschaft zur Förderung der Demokratie und des Völkerrechts haben 2005 die Aktion „Schulen für Afrika“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, für Kinder in elf afrikanischen Ländern eine gute Grundbildung sicherzustellen. UNICEF unterstützt den Bau zusätzlicher Klassenzimmer, stellt Schulmaterial bereit und schult die Lehrer/innen. In Deutschland haben bisher bereits über 155.000 Menschen für „Schulen für Afrika“ gespendet. Allein 600.000 Kinder haben an Schülerläufen für Bildungsprojekte teilgenommen. Rund 3.000 Unternehmen haben die Kampagne unterstützt.
UNICEF konnte so in Angola, Malawi, Mosambik, Ruanda, Simbabwe und Südafrika über 700 Schulen neu bauen oder reparieren. Mehr als eine Million Kinder konnten in die Schule gebracht werden. Die Lernsituation von fünf Millionen Kindern hat sich deutlich verbessert. Mehr als 95.000 Lehrer/innen wurden aus- oder fortgebildet.
Für Rückfragen und Interviewwünsche:
UNICEF-Pressestelle, Helga Kuhn, 0221/93650-235 oder presse(at)unicef.de.
Globale Bildungskampagne, Stefanie Heinrich, 0177-8124820 oder sheinrich(at)oxfam.de.
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